Forschungsprojekte

Ausstellungs- und Publikationsprojekt „KURT WEILER – Die Sammlung des Deutschen Instituts für Animationsfilm“

Heinrich der Verhinderte, Kurt Weiler, DDR 1965, ©DIAF-Archiv

Heinrich der Verhinderte, Kurt Weiler, DDR 1965, ©DIAF-Archiv

Heute gilt Kurt Weiler in Deutschland – aber auch international – als einer der einflussreichsten Animationsfilmer des 20. Jahrhunderts. Mit seinem Werk voller poetischem Humor prägte er mehrere Generationen von Filmemachern auf beiden Seiten der Mauer. Mit seinem Charisma, seiner Weltläufigkeit und seinem Kunstverständnis zog er immer wieder bedeutende Gestaltungskünstler an und nahm sie mit auf seinen Schaffensweg, der ihn über Umwege in das neu gegründeten DEFA-Studio für Trickfilm in Dresden führte, wo er ab den 1950er Jahren zu den führenden Mitarbeitern zählte.

Mit erstaunlicher Kompromisslosigkeit entwickelte Weiler eine völlig neuartige Form des Puppen- und Collage-Animationsfilms, die auf Verknappung und Abstraktion in Erzählung, Bewegung und Gestaltung setzte. Er schuf einen unverkennbaren Typus des Animationsfilms, der Phantasie, progressive Weltanschauung und jüdischen Humor miteinander verbindet. Seine Themen waren ebenfalls komplex: In jedem noch so kleinen Märchen, das er phantasievoll in Szene setzte, stecken philosophische Exkurse über Krieg, Ausbeutung und Macht.

Wenige Monate nach dem Tode Weilers im Jahr 2016 ist es dem DIAF gelungen, den künstlerischen Nachlass von dessen Familie zu übernehmen. Zusammen mit dem im DIAF bereits vorhandenen Bestand sowie weiteren Übernahmen verfügt das DIAF heute über die mit Abstand umfangreichste Sammlung zu Weilers künstlerischem Werk. Mit der Erschließung des Nachlasses und der Präsentation seiner Sammlung hebt das DIAF einen beachtlichen Schatz der deutschen Filmgeschichte und würdigt eine der bedeutendsten Künstlerpersönlichkeiten des deutschen Animationsfilms des 20. Jahrhunderts. Nicht zuletzt soll die selbstbewusste Präsentation dieses filmischen Schatzes auch die Wahrnehmung des DIAF selbst nachhaltig verbessern.

 

DIAF-Zeitzeugenprojekt

Das Deutsche Institut für Animationsfilm unterhält vielfältige Kontakte zu ehemaligen DEFA-Mitarbeitern sowie Animationsfilmschaffenden, die seit der Wiedervereinigung den deutschen Animationsfilm präg(t)en. Bei Übergaben von Vor- und Nachlässen, aber auch bei Recherchen für DIAF-Ausstellungen sind Gespräche aufgezeichnet worden, die sowohl einzelne Aspekte des Animationsfilmschaffens und Künstlerpositionen als auch allgemein den technischen Wandel und die Nachwendezeit beleuchten. Diese Interviews werden im Rahmen des DIAF-Zeitzeugenprojektes systematisch ausgewertet und ergänzt. Auf diese Weise sollen gemeinsam mit den entsprechenden Akteuren die Informationen zum DEFA-Animationsfilm nach 1990 gesichert werden.

Ausgeklügelte und seltene analoge Techniken gingen ansonsten verloren. Dokumentiert werden mit Hilfe der Interviews allgemein die historische Entwicklung der Animationsproduktion. Im Fokus sind dabei der Austausch zwischen Ost und West, kulturpolitische Fragen, individuelle Arbeitstechniken und Intentionen der Animationsfilmschaffende sowie der Wandel der Fachterminologie.

Diese Grundlagenforschung wird in den nächsten Jahren fortgesetzt und für künftige Publikationen genutzt.

 

Digitalisierungsprojekte

„60 Jahre 60 Filme“

Zur besonderen Würdigung der filmischen Leistungen des ehemals größten Animationsfilmstudios Deutschlands im Jubiläumsjahr 2015 wurde mit Unterstützung des Sächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst ein umfangreiches Digitalisierungsprojekt mit 60 herausragenden Animationsfilmen des DEFA-Studios für Trickfilme Dresden gestartet. Diese Filme können dadurch auch zukünftig im Kino gezeigt werden.

Federführend war dabei die DEFA-Stiftung, mit der das Deutsche Institut für Animationsfilm seit seiner Gründung eine enge Partnerschaft verbindet.

Aktuell im Digitalisierungsprozess: Die seltsame Historia von den Schiltbürgern

(Puppenanimationsfilm, Jan Hempel 1961, 68 min, fa, 35 mm)

Das erste Großprojekt des DEFA-Studios für Trickfilme war ein Puppenfilm in Spielfilmlänge. Die Realisierung zog sich über Jahre hin und band einen großen Teil der Kapazitäten des Studios. Es wurde erstmals in Cinemascope/Totalvision und 4-Kanal-Magnetton gedreht. Der Film geriet nach reichlichem Vorab-Lob in die Kritik. Dass der produktionstechnische Aufwand das junge Studio an den Rand seiner Leistungsfähigkeit brachte, lieferte den äußeren Anlass. Formal – die Arbeit der Kamera und die Animation betreffend – war der Regisseur Jan Hempel nicht angreifbar. Aber das Hohelied auf den Sieg der Dummheit brachte Hempel den Vorwurf mangelnder Parteilichkeit ein. Der Film verschwand nach kurzer Laufzeit aus den Kinos.