Chronologie zum Animationsfilm in Deutschland 1950–59

Gerhard Behrendt (l.) und Hans Fischerkoesen, zwei bedeutende Protagonisten des deutschen Animationsfilms der 1950er Jahre. ©Archiv Petzold (l.)/Spiegel 35/1956 (r.)

Gerhard Behrendt (l.) und Hans Fischerkoesen, zwei bedeutende Protagonisten des deutschen Animationsfilms der 1950er Jahre. ©Archiv Petzold (l.)/Spiegel 35/1956 (r.)

Zusammenstellung: Ralf Forster, Rolf Giesen, Jeanpaul Goergen, Jörg Herrmann, Volker Petzold

Redaktion: Rolf Giesen, Volker Petzold

 

Die sich im Ergebnis des Zweiten Weltkriegs und im Verlauf des Kalten Kriegs der Siegermächte herausgebildete Zweistaatlichkeit Deutschlands findet auch in Produktion und Vertrieb von Animationsfilmen ihren Niederschlag.

Hans Fischerkoesen, nach dem Krieg von den Sowjets interniert, wird in der jungen Bundesrepublik zum Auftrags-Millionär in Fragen des animierten Reklamefilms, mit einem Kundenstamm, der von Aral bis Underberg reicht. Die Einführung des Fernsehens und die aufgrund einer Auflage des Rundfunkstaatsvertrags, den Beginn einer Fernsehwerbung durch ein optisches Signal von mindestens drei Sekunden Länge unmissverständlich für den Zuschauer zu kennzeichnen, installierten animierten Werbetrenner verheißen ihm und seinen Kollegen Werner Kruse (HB-Männchen) und Gerhard Fieber hohe Umsätze, ohne das Risiko unabhängiger Produktionen eingehen zu müssen. Auf den Spielplänen der Kinos stehen jedoch die großen farbigen Disney-Produktionen, von Schneewittchen (Snow White) bis Susi und Strolch (Lady and the Tramp), die einschließlich der Liedtexte von deutschen Fachleuten mit großer Sorgfalt synchronisiert werden. Für Disney sind Westdeutschland und West-Berlin mit der Berlinale interessante Territorien, um die Akzeptanz seiner Produkte in Europa zu testen. Eine in Frankfurt eigens eingerichtete Dependance, Walt Disney’s Micky Maus GmbH, kümmert sich um Merchandising und Lizenzen. Der Ehapa Verlag bringt Disney-Comics auf den Markt. Dem ehrgeizigen bundesdeutschen Anbieter Rolf Kauka gelingt es trotz einiger Versuche und aus Zagreb angeworbenem Personal um Walter Neugebauer nicht, eine nennenswerte Trickfilm-Produktion in München aufzubauen, wohl aber mit Fix und Foxi Comics auf den Markt zu bringen, die in der Gunst der jungen Leser gleich nach den Disney-Heften kommen.

Gemäß der Partei- und Staatsdoktrin rückt man in der DDR immer mehr von privater Filmproduktion und -distribution ab. Gesellschaftliche Eigentumsformen werden auch im Animationsfilmbereich dominant. Drei größere Zentren kristallisieren sich heraus: das DEFA-Studio für Trickfilme Dresden als volkseigener Betrieb, der Deutsche Fernsehfunk (DFF) in Berlin als Staatsbetrieb mit einem eigenen Puppenstudio und das Berliner DEWAG-Werbefilmstudio als Parteibetrieb. Nur wenig beeinflusst vom Ufa-Erbe stehen überwiegend ästhetisch stilisierte Kurzfilme vor allem nach tschechischem Vorbild im Programm, die unterschiedliche Ausdrucksformen der Animation bedienen: Puppentrick, 2D-Zeichentrick und Silhouettenfilme. Flankiert von der Tradition des sächsischen Puppenspiels etabliert sich im Dresdner Studio neben den eigentlichen Animationstechniken eine separate Handpuppenfilm-Produktion.

In der DDR erscheinen weniger, aber umso beliebtere Comics, herausragend ab 1955 das „Mosaik“ mit den DigedagsBildergeschichten von Hannes Hegen (Johannes Hegenbarth). Auf den Kinoleinwänden tauchen verstärkt tschechoslowakische, ebenso sowjetische Produktionen auf. Karel Zeman, Jiří Trnka, Iwan Iwanow-Wano und Lew Atamanow feiern auch in der DDR die erfolgreichen Aufführungen ihrer ersten Großproduktionen.

Mit einigen kreativen Innovationen wartet das Puppenstudio des DFF auf, die mit Gerhard Behrendt und der Durchsetzung seiner Sandmännchen-Produktion zu Ende des Jahrzehnts ihren Höhepunkt finden.

 

1950. Werbefilme von Hans Fischerkoesen

Im neuen Fischerkoesen Film-Studio auf Schloss Marienfels bei Remagen in Rheinland-Pfalz entstehen Die gläserne Sonne (Werbung für Osram-Lampen), Hausfrauen arbeiten zu viel, Landwirtschaftliche Ausstellung (Werbung für Alferex-Rattenbekämpfungsmittel) und Das große Rennen (Werbung für Elefanten-Schuhe).

 

1950. Werbefilme der Gebrüder Diehl

Die Gebrüder Diehl stellen 1950 mehrere Puppenfilm-Spots her: für die Firma Häberle sowie für Kabuco Der neue Chef, Füllhalter I und Füllhalter II.

 

Januar 1950. Jiří Trnkas Das Lied der Prärie startet in der DDR

Jiří Trnkas Puppentrickfilm Das Lied der Prärie (Árie prérie, ČSR 1949) kommt in die Kinos der frühen DDR:

„Und wenn die männlichen Puppen schießen oder das Lasso werfen und eine davon, die richtige natürlich, die Übermacht der bösen Wegelagerer besiegt, und wenn dann noch die gerettete Braut dazu ihre Liebesarie singt, da lacht das Herz der großen und kleinen Zuschauer in Wirklichkeit. Wildwest entschleiert sich in dem tschechischen Farbkurzfilm …“
(Leo Menter: Das Lied der Prärie. In: Neue Film-Welt, 1/1950, S. 14)

 „Auch im Ausland sehr bekannt und an allen deutschen Schulen gespielt wurde Trnkas heiterer Kurzfilm Das Lied der Prärie, eine Parodie auf John Fords Western Stagecoach mit einem für einen Puppenfilm ungeheuren Tempo.“
(Rolf Giesen: Lexikon des Phantastischen Films. Band 2. Frankfurt am Main, Berlin, Wien 1984, S. 247)

 

10. Februar 1950. Erstaufführung des Dokumentarfilms Die Wiege der Winde

Der Kurz-Dokumentarfilm aus der Babelsberger DEFA-Kulturfilmproduktion Die Wiege der Winde von Walter Hartmann gelangt in die DDR-Kinos. Curt Schumann animiert Teile zu den Erklärungen der Wetterbildung und der Entstehung von wissenschaftlichen Wettervorhersagen.

 

24. Februar 1950. Uraufführung von Tobias Knopp, Abenteuer eines Junggesellen

Szene aus Tobias Knopp, Abenteuer eines Junggesellen - oben aus dem Film, unten aus dem Wilhelm-Busch-Buch. Quelle: Filmspiegel 10/1949, Montage: DIAF/Tröger

Szene aus Tobias Knopp, Abenteuer eines Junggesellen – oben aus dem Film, unten aus dem Wilhelm-Busch-Buch. Quelle: Filmspiegel 10/1949, Montage: DIAF/Tröger

Tobias Knopp, Abenteuer eines Junggesellen von Gerhard Fieber (Zeichenregie) und Wolfgang Liebeneiner (Dialogregie) erlebt im Palast-Theater Hannover seine Uraufführung.

In Bad Sachsa hat Fieber, nachdem er Berlin verlassen hat, einen günstigen Mietvertrag bekommen: das Kurhaus für 1.100 Mark monatlich: „Das ganze Riesenhotel, die hatten keine Kurgäste nach ‘48. Die waren froh, dass sie es vermieten konnten.“ (Gerhard Fieber im Gespräch mit J. P. Storm, 25. Juli 1988 in Schlangenbad)

Dort beginnt er den ersten abendfüllenden deutschen Zeichentrickfilm, der dann in Göttingen beendet wird. Nachdem sich Tobias Knopp, trotz illustrer Sprechernamen wie Erich Ponto, Werner Finck und Grethe Weiser, im Wettbewerb mit den farbigen Disney-Filmen als kommerzieller Flop entpuppt, sind „künstlerische Filme“ für Fieber „aus dem Rahmen“: „Leider konnte der Film nur in Schwarz-weiß erscheinen, während zur gleichen Zeit von Walt Disney Schneewittchen in Farbe nach Deutschland kam. Ein Zwerg gegen einen Riesen!“

„Trotz der Begeisterung, die die ersten Mickymouse-Filme in der ganzen Welt auslösten, und trotz des also zu erwartenden finanziellen Erfolges ist die deutsche Produktion erst verhältnismäßig spät darangegangen, diesem Genre etwas eigenes Gleichartiges entgegenzusetzen. […] Zweifellos ist man an die Arbeit mit einem gut Teil Verantwortungsgefühl dem eigentlichen ‚Autorʻ gegenüber herangegangen. Man blieb so Busch-getreu, wie das nur überhaupt nur möglich war. Figuren und Gesichter, die im Original nur angedeutet werden, sind in Stil und Witz großartig nachempfunden.“
(Kurt Maetzig: Abenteuer eines Junggesellen. Ein deutscher Zeichen-Trickfilm. In: Neue Film-Welt. Nr. 10/1949, S. 26 f.)

„Die Frage, ob es möglich ist, die von Wilhelm Busch schnappschussartig festgehaltenen wenigen Dutzend Bilder vom Abenteuer des Junggesellen Tobias Knopp ins Filmische zu übertragen, kann […] durchaus bejaht werden, wenn auch Längen und ruckartige Bewegungen die Erstlingsarbeit noch beinträchtigen.“
(E.B. in: Illustrierte Filmwoche, Nr. 10, 11.3.1950, S. 187)

Der Film findet nach der Premiere zunächst keinen Verleih. Zwischenzeitlich realisiert Fieber den Zehnminuten-Kurzfilm Die Geistermühle, der von der FSK am 9. November 1949 freigegeben wird.

 

24. Februar 1950. Feierliche Deutschland-Premiere von Walt Disneys Schneewittchen und die sieben Zwerge in Köln

Werbeanzeige für Schneewittchen und die sieben Zwerge, David D. Hand, USA 1937. Quelle: Neue Film-Welt, Nr. 4/1950

Werbeanzeige für Schneewittchen und die sieben Zwerge, David D. Hand, USA 1937. Quelle: Neue Film-Welt, Nr. 4/1950

Bundesweit erscheint im Verleih der RKO Radio Filmgesellschaft Frankfurt am Main der farbige Walt-Disney-Zeichenfilm Schneewittchen und die sieben Zwerge (Snow White and the Seven Dwarfs) aus dem Jahr 1937 in der Amsterdamer Synchronfassung von 1938. Geschäftsführer der deutschen RKO-Niederlassung ist Herbert O. Horn, Verleihchef Gustav Berloger, der schon in den 1930er Jahren Erfahrungen mit Disneyfilmen bei Südfilm und der Bayerischen Filmgesellschaft sammeln konnte. Aber der Film, auf den deutsche Zuschauer so lange haben warten müssen, stößt nicht überall auf Gegenliebe:

„Diese Amerikanisierung eines deutschen Märchens fällt mir auf die Nerven. Schneewittchen und ihr Ritter sind gezeichnet wie aus einem Poesie-Album aus Großmutters Zeit. Die Zwerge sind amüsanter, wenn auch mit ihren Knollennasen und Rauschebärten etwas eintönig. Eingefallen ist Walt Disney und seinen 570 Zeichnern verzweifelt wenig.

Wir vertragen es nicht, die uns wohlvertrauten Märchengestalten mit Broadwaystimmen singen zu hören und die Zwerge als Klamaukkomiker zu sehen. Wir erwarten Märchenstimmung und keine Kinderrevue, die eigentlich für Erwachsene gemacht ist.“
(R.K.: Disneys „Schneewittchen“ / Im Astor. In: Nachtexpress, Ost-Berlin, 4.3.1950)

Dass dieser Märchenfilm eigentlich nichts für Kinder sei, war auch der Tenor der westdeutschen Rezensionen. Aus dieser Geisteshaltung schlängelte sich der Pfad, der später zur Gleichsetzung von Trick- und Kinderfilm in Deutschland führen sollte.

„Man soll nicht sagen, der Film sei nicht für Erwachsene. Das ist zwar die Meinung zahlreicher deutscher Filmtheaterbesitzer, die aus diesem Grunde den Streifen nicht in ihr Programm aufnehmen, aber nicht die unsrige. Der Film ist nur für Erwachsene. Warum?

Jedes Bild Disneys lebt von tausend Einfällen. In den dicht zusammengedrängten wunderbar reizenden Tierszenen bleibt kein Flecken ohne Bewegung. Bis in kleinste Einzelheiten (sogar die Bärte der sieben Zwerge unterscheiden sich alle voneinander) ist alles Bewegung. Rhythmus, Groteske oder Idyll. […]

Für uns ist diese Darstellung prächtig. Für Kinder? Schon das Phantasievermögen, das hier vorausgesetzt wird, bringt ein Kind nicht mit, sogar manche Erwachsene nicht.“
(Werner Wilfried Koch: Walt Disney beschwor Schneewittchens Zauberreich. Zur deutschen Uraufführung von Schneewittchen in Köln. In: Westfälische Rundschau Dortmund, 3.3.1950)

Einer anderen Kritikerin fällt vor allem die Qualität der Animation selbst auf: eine ständig bewegte Charakteranimation, die in ihrem schnellen Spiel keinen Vergleich duldet mit den mechanischen Bewegungen und Standphasen der statisch wirkenden Figuren vieler deutscher Trickfilme:

„Der Märchenwald der Brüder Grimm ist ein Urwald geworden. Baum und Strauch greifen mit Geisterfingern nach dem Königskind. Uhuaugen flammen. Krokodile öffnen den Rachen, denn auch der Teich ist da, in den jede Trickfilmfigur einmal fallen muss. Das Element des Films ist Bewegung, das Element der Trickfilme eine Explosion der Beweglichkeit.“
(Barbara Klie: Schneewittchen und die Disney-Dynastie. In: Der Kurier, West-Berlin, 4.3.1950)

In der DDR kommt der Film nie in den regulären Vertrieb. Allerdings werden ab den 1960er Jahren Kopien des Staatlichen Filmarchivs (SFA) in ausgewählten Archivfilmtheatern und Filmclubs gespielt.

Publikationen

  • Hawi: Walt Disneys Abstieg. In: Neue Film-Welt, 5/1950, S. 14

 

24. Februar 1950. Uraufführung von Immer wieder Glück der Gebrüder Diehl

Der abendfüllende Puppentrickfilm Immer wieder Glück der Gebrüder Diehl erlebt in München seine Uraufführung.

Nach den Sieben Raben ist es der zweite Versuch der Brüder, einen Trick-Spielfilm zu realisieren:

„Eigentlich kein rechter Kinderfilm. Den jungen Zuschauern fehlte das Verständnis für die unerhörte Arbeit und Ausdauer, mit der dieser Puppenfilm hergestellt wurde. […] Die Erwachsenen dagegen hatten viel Spaß an den putzigen kleinen Figuren, die sich mit tollpatschiger Grazie bewegten. Sie verstanden auch den in verschiedenen Dialekten gesprochenen Dialog besser als die Kinder. Held der Handlung: ein reizender, bayerisch sprechender Kasper, der unfreiwillig in die aufregendsten Märchenabenteuer verstrickt wird und sie mit Harmlosigkeit und Dummheit erfolgreich besteht.“
(Mara in: Filmblätter, Nr. 40, 6.10.1950, S. 845 f.)

Den Verleih übernimmt Jugendfilm Willy Wohlrabe.

 

Herbst 1950. Johannes Hempel und Kurt Weiler starten neue Karrieren

Fast gleichzeitig beginnen die bedeutenden Antipoden des frühen DDR-Puppentrickfilms, Johannes Hempel und Kurt Weiler, ihre jeweils neue Berufslaufbahn in Deutschland.

Filmstill aus Wolf und Füchsin, Johannes (Jan) Hempel, DDR 1951. ©DIAF/Kurt Heine

Filmstill aus Wolf und Füchsin, Johannes (Jan) Hempel, DDR 1951. ©DIAF/Kurt Heine

Johannes Hempel, der sich später eingedenk seiner sorbischen Wurzeln „Jan“ nennt, kehrt von München nach Bautzen zurück und stürzt sich in die Vorbereitungen für seinen ersten Puppentrickfilm Wolf und Füchsin, den er von Herbst 1950 bis Mai 1951 unter amateurmäßigen Bedingungen realisiert.

Der eigentlich aus Lehrte in Niedersachsen stammende Kurt Weiler verlässt sein Londoner Exil zu Ende Juli 1950 in Richtung Berlin. Zunächst studiert er im Herbst für einige Monate an der Westberliner Heinrich Zernack-Schule für freie und angewandte Kunst. Später gelangt er in die Puppenspieler-Szene in Ost-Berlin am Zentralhaus für Junge Pioniere in der Parkaue (Inge Borde-Klein, Erich Hammer) und im Pionierpark Wuhlheide (Rudolf Hahlbohm, der vordem bei Bad Sulza eine Puppenbühne betrieb). Für seinen Debütfilm Oskar Kulicke und der Pazifist fällt allerdings erst 1952 die erste Klappe.

Publikationen

  • Herbert Thamm: Sorbische Volkskunst. Ein Besuch im Trickfilm-Studio Bautzen. In: Neue Film-Welt, Nr. 11/1950, S. 6
  • M. N.-N. [= Měrćin Nowak-Njechorński] (1950): Preni serbski klankofilm nastawa. Bity njebiteho njese – na jewišću serbskeho klankofilma [Der erste sorbische Puppenfilm entsteht. Der Geschlagene trägt den Ungeschlagenen – auf der Bühne des sorbischen Puppenfilms]. In: Nowa Doba [Neue Zeit], 23.12.1950.
  • Ralf Forster, Volker Petzold: Im Schatten der DEFA. Private Filmproduzenten in der DDR. Konstanz 2010
  • Johannes Hempel. In: CineGraph. Lexikon zum deutschsprachigen Film. München 1984 ff.
  • Kurt Weiler. In: CineGraph. Lexikon zum deutschsprachigen Film. München 1984 ff.
  • Günter Agde: Kurt Weiler: Trick- und Werbefilme aus zwei Jahrzehnten. In: Filmblatt, Nr. 7, Frühling/Sommer 1998, S. 8 ff.
  • Ralf Schenk: König Pyrrhus und Kalif Storch. Kurt Weiler – ein Meister des Puppentricks. In: Film-Dienst, Nr. 19, 9.9.2003, S. 61 ff.
  • Biografie: https://www.defa-stiftung.de/defa/kuenstlerin/kurt-weiler-1/
  • DIAF, Nachlass Kurt Weiler

 

1. September 1950. Bundesdeutscher Start von Panik um King Kong

Der amerikanische Stop-Motion-Sensationsfilms Panik um King Kong (Mighty Joe Young, USA 1949, Regie: Ernest B. Schoedsack) startet bundesweit am 1. September 1950.

Stop-Motion-Supervisor Willis H. O’Brien wird im selben Jahr mit einem Academy Award für die Spezialeffekte ausgezeichnet. Als Animatoren werden Ray Harryhausen und Peter Peterson genannt. Das deutsche Dialogbuch schreibt Richard Busch. Synchronregie führt Emil Specht.

 

22. Oktober 1950. Uraufführung von Märchen und Schnurren

Als weitere Kompilation aus mehreren kurzen Puppenfilmen der Gebrüder Diehl-Filmproduktion erscheint Märchen und Schnurren. Eine Rahmenhandlung hält die kurzen Beiträge vom bayrischen Fensterln bis Ski Heil lose zusammen. Die Uraufführung des Programms findet in Stuttgart statt.

 

19. Dezember 1950. Bambi erstmals in bundesdeutschen Kinos

Im Weihnachtsprogramm erscheint der Disney-Film Bambi (USA 1942, Regie: David Dodd Hand). Die Synchronisation hat die RKO Radio-Filmgesellschaft Ltd. der Elite Film Franz Schröder in Berlin übertragen. Synchronregie: Bruno Hartwich.

„Mit diesem Film trieben die Disney-Leute den Fotorealismus im Zeichenfilm auf die Spitze. Zwei Jahre lang waren sie in den Wäldern Amerikas unterwegs, um mit Zeichenstift und Kamera Vorlagen zu sammeln.“
(Rolf Giesen, In: Lexikon des Trick- und Animationsfilms. Berlin 2003, S. 58)

 

1951. Werbefilme von Hans Fischerkoesen

Im Fischerkoesen-Film-Studio entstehen Am Busen der Natur (Werbung für Milch), Blick ins Paradies (Werbung für Trumpf-Schokolade), Eine freundliche Einladung, Frisch wie der junge Morgen, Die gelbe Hand (Werbung für Anti-Motten-Mittel Eulan der Firma Bayer Leverkusen), Ein Hundeleben (Werbung für „tapeziert wohnen“), Die Kenner, Die Landpartie (Werbung für Coca Cola) und Das Strandgut (Werbung für Herdputzmittel Nicco).

„Lustig sind sie ja anzuschauen, die hingekritzelten Werbefilmchen von Fischerkösen […] mit singenden Milchkühen, die in herzergreifend schlichten Reimen vom ‚Glück am Busen der Natur‘ singen. Zumindest retrospektiv. Peinlich aber auch.“
(Sylvia Hallensleben: Lückenhaft: eine Geschichte des deutschen Werbefilms. In: Der Tagesspiegel, 7.6.2000)

 

1951. Werbefilme von Wolfgang Kaskeline

Das Atelier von Wolfgang Kaskeline in Berlin produziert 1951 Asbach Uralt (Weinbrand-Werbung), Wäsche beflügelt und Seid doch gescheit (beide als Werbung für Valan-Waschmittel).

 

1951. „Liaison“ von Hubert Schonger und Oskar Fischinger

„Hubert Schonger erneuerte in den USA sein durch den Krieg unterbrochenes Vertragsverhältnis mit Oskar Fischinger. Schongerfilm ist nunmehr Repräsentant aller Fischingerfilme und wird diese als einmalig und besonders künstlerisch bekannten Filme künftig in Deutschland herausbringen.“
(Schongerfilm hat Fischingerfilme. In: Filmblätter, Nr. 22, 1.6.1951, S. 458)

 

1951. Micky Maus-Hefte in Deutschland

Im Ehapa Verlag, der die Initialen des dänischen Verlegers Egmont H. Petersen führt, erscheint „Walt Disneys Micky Maus – Das bunte Monatsheft“. Getextet werden die Comics (bis 1988) von der Kunsthistorikerin Dr. Erika Fuchs geb. Petri.

 

22. Februar 1951.Werbefilme von Gerhard Fieber

Gerhard Fieber stellt mit seiner EOS Film GmbH im Auftrag der Deutschen Bundesbahn-Filmstelle Minden/Westfalen den Zehnminüter Der große Bär fertig. Er passiert die FSK-Prüfung am 22. Februar 1951. Im selben Jahr produziert Fieber für Tempo-Taschentücher Die Meisterschaft.

„Ich war damals mit Wolf-Werbung in Fürth liiert, der den Kunden Vereinigte Papierwerke (Tempo-Taschentücher) in Nürnberg anbrachte. Und ich bekam von der Schaltgebühr in den Kinos zehn Prozent. Und das sind ja Beträge gewesen. Das erste Haus, das ich hatte, in Göttingen, war nur von den Schaltgebühren. Später kamen die Agenturen, die Amerikaner, da war es aus. Die haben sofort erkannt: Filme können die Deutschen machen, aber die Schaltung bleibt bei uns. Und in dieser Zeit hat Fischerkoesen sich dumm und dämlich verdient. Nur durch seine Werbung. Der hat ja zu tun gehabt, unwahrscheinlich. Wenn ich vielleicht zehn Kunden hatte, hatte der hundert.“
(Gerhard Fieber im Gespräch mit J. P. Storm, 25. Juli 1988 in Schlangenbad)

 „Fortsetzung folgt“ 1954 bei EOS-Film mit Die Meisterschaft II.

 

23. März 1951. Walt Disneys Pinocchio, das hölzerne Bengele in Deutschland

Die RKO Radio-Filmgesellschaft Ltd. bringt in Multiplan-Technicolor den zweiten Langmetrage-Zeichentrickfilm von Walt Disney Pinocchio, das hölzerne Bengele (Pinocchio, USA 1940, Regie: Hamilton Luske, Ben Sharpsteen) auf bundesdeutsche Leinwände. Die RKO-Synchron-Abteilung in Berlin-Lankwitz übernimmt die Synchronisation.

 

19. April 1951. Zulassung des Films Wir drehen einen Trickfilm

Der Puppenfilm-Pionier Alexander von Gontscharoff, Gebhardtshausen, zeigt, wie ein Animationsfilm entsteht – Wir drehen einen Trickfilm:

„Die Entstehung eines Trickfilms zu zeigen, hat sich dieser Streifen zur Aufgabe gemacht. Schon mancher Kinobesucher wird sich beim Anschauen eines Trickfilms gefragt haben: Wie machen die das wohl? Hier dürfen wir einen Blick hinter die Kulissen werfen.“
(Evangelischer Film-Beobachter, Nr. 17, 30.7.1951, S. 157)

 

Juni 1951. Walt Disneys Cinderella gewinnt „Goldenen Bären“

Walt Disneys abendfüllender Zeichentrickfilm Cinderella (USA 1950, Regie: Clyde Geronimi, Wilfred Jackson, Hamilton Luske) ist der große Sieger der ersten Internationalen Filmfestspiele, die vom 6. bis 18. Juni 1951 im West-Berliner Titania Palast stattfinden. Der Film wird als Musik-, nicht als Zeichentrickfilm mit dem „Goldenen Bären“ ausgezeichnet und erhält zudem noch den Publikumspreis. Der von Festivalleiter Dr. Alfred Bauer berufenen Jury gehören an: Emil Dovifat, Werner Eisbrenner, Günter Geisler, Walther Karsch, Hilde Lucht-Perske, Tatjana Sais, Paul Heimann und Johannes Betzel. Ein zweiter Disney-Film, das „True-Life Adventure“ Beaver Valley (Im Tal der Biber), wird in der Kategorie bester Dokumentarfilm ausgezeichnet.

Die deutsche Niederlassung der RKO Radio-Filmgesellschaft bringt den bereits im Februar 1950 in den USA uraufgeführten Film im Weihnachtsprogramm des Jahres 1951, am 21. Dezember, unter dem Titel Aschenputtel heraus. Das Dialogbuch schreibt Christine Lembach, die Dialogregie besorgt für die RKO Synchron-Abteilung in Berlin-Lankwitz in der ersten Jahreshälfte Reinhard W. Noack, der noch vor Beginn der Berlinale stirbt.

 

21. September 1951. Spuk mit Max und Moritz der Gebrüder Diehl kommt in die Kinos

Eine Puppenfilm-Serie der Gebrüder Diehl-Filmproduktion nach Wilhelm Busch erscheint mit anderen Kurzfilmen (Kasper und der Bär, Spielzeugschachtelfest) und einer realen Rahmenhandlung als 57-minütiger Kompilationsfilm unter dem Titel Spuk mit Max und Moritz im Verleih der Hamburg-Film GmbH.

Als Werbefilme der Gebrüder Diehl Filmproduktion erscheinen 1951: Die Rettung (für das Textilhaus Anton Kopfmiller, Pasing) und Heinzelmännchen abserviert (Werbung für AEG).

 

Oktober 1951. Erste Versuche im Silhouettenfilm in der DDR

Der Technische Zeichner, Aufnahmeleiter und Kameramann Bruno J. Böttge (1925–1981) versucht sich in Halle (Saale) im Silhouettenfilm:

„Zu seinem 26. Geburtstag bekam Böttge einige Ozaphan-Kopien und ein zerfleddertes Kulturfilmbuch. Das Geschenk war nicht sonderlich attraktiv, aber es war folgenreich. […] Besonders die Märchenfilme Aschenbrödel und Dornröschen sah Böttge wieder und wieder an, und er las mit Aufmerksamkeit den Aufsatz von Lotte Reiniger ‚Wie ich meine Silhouettenfilme macheʻ, der im zerfledderten Kulturfilmbuch zu finden war. Entsprechend der Anleitung begann er, in seiner Freizeit Figuren zu basteln und Dekorationen auszuschneiden. Wenige Monate später, im Jahre 1951, startete er Animationsversuche unter der Kamera.“
(Jörg Herrmann: Vom Schattenriß zum poetischen Gleichnis. In: Deutsches Institut für Animationsfilm (Hrsg.): Schwarz-weiß. Der Silhouettenfilm des DEFA-Studios für Trickfilme Dresden. Dresden 1995, S. 5)

Im Oktober 1951 stellt Böttge den kurzen satirischen Film Zacharias vor. Die Studioleitung der DEFA-Produktion Sachsen-Anhalt unter Dr. Heino Brandes gibt grünes Licht, und Böttge realisiert den Film Die Krähe und der Fuchs nach einer Fabel von Krylow. Obwohl diese Filme weder vertont noch veröffentlich werden, erhält er im Frühjahr 1952 den Auftrag zur Gestaltung des Märchenfilms Der Wolf und die sieben Geißlein. Für diese Inszenierung entwirft und gestaltet er alle Figuren und Szenenbilder. Später betraute er andere Künstler mit dieser Aufgabe.

 

19. Dezember 1951. FSK-Prüfung für Zirkus Humsti Bumsti

Kurt Stordel hat für Schonger, der von Berlin an den Ammersee nach Inning übersiedelt ist, den 1949 begonnenen Viertelstünder Zirkus Humsti Bumsti fertiggestellt. Der Zeichentrickfilm passiert die FSK-Prüfung am 19. Dezember 1951.

 

31. Dezember 1951. Deutscher Kinostart für Alice im Wunderland

Am letzten Tag des alten Jahres setzt die RKO Radio-Filmgesellschaft Walt Disneys Umsetzung von Lewis Carroll Alice im Wunderland (Alice in Wonderland, USA 1951, Regie: Clyde Geronimi, Hamilton Luske, Wilfred Jackson) in den deutschen Lichtspielhäusern ein.

 

1952. Werbefilme von Hans Fischerkoesen

Im Fischerkoesen-Film-Studio, inzwischen in Bad Godesberg, entsteht die bis dahin umfangreichste animierte Werbefilm-Produktion: Die Beine von Dolores (Gesang: Gerhard Wendland, Werbung für Baumhüter-Strümpfe), Die beliebten blauen Punkte, Damals und heute (Werbung für Felina-Miederwaren), Fliegende Untertassen, Genießer unter sich (Werbung für Teefix von Teekanne), Die große Karriere, Lebensräder, Die lustigen Musikanten, Meine Kleine ganz groß, Nervus Rerum, O wie ist sie schön! und Spiel der blauen Punkte.

 

1952. Werbefilme von Wolfgang Kaskeline

Wolfgang Kaskeline dreht 1952 die Werbefilme Der Geist von Rüdesheim (Werbung für Asbach Uralt), Entspanntes Wasser (Werbung für Geschirrspülmittel Pril), Die Wolke, Peek & Cloppenburg (Kaufhaus-Werbung), Alpen-Scherzo, Bärbels Traum, Echo, Kleine Alpen-Symphonie (alles Werbung für Suchard-Milka-Schokolade) sowie Klingende Vollendung (Werbung für Telefunken).

 

1952. Neue Titel der Gebrüder Diehl

Für die Neue Deutsche Wochenschau entstehen die Mecki-Kurzfilme: Mecki und der Unfall, Mecki bekämpft die Grippe, Mecki und der Osterhase, Mecki auf dem Oktoberfest, Mecki feiert Weihnachten, Neujahrswunsch 1952. In der Werbung sind die Gebrüder Diehl vertreten mit Alles für die Firma (Werbung für Kabuco), Der Hilferuf, Der Unglücksfall, Vatersorgen, Der Ausflug und Ihr großes Geheimnis (Werbung für das Textilhaus Anton Kopfmiller), Butzelmann fängt zu basteln an, Der Ehezwist und Der Wunderkoffer (für AEG) sowie einem Mecki-Film für Hör Zu!

Pünktlich zur Vorweihnachtszeit erscheint der abendfüllende Puppenfilm Der Flaschenteufel (Uraufführung 14. November 1952 in Köln), bei dem allerdings statt Animationspuppen kostensparende Hand- und Stabpuppen eingesetzt werden. Im Vorprogramm läuft auch Diehls Kurzfilm Mecki stellt sich vor, der die Herstellung eines Puppenfilms beschreibt. Er ist bis auf die Anfangssequenz identisch mit Besuch im Atelier/Puppen als Filmstars.

 

1952. Niederländische Puppenfilmserie im Heimkino-Vertrieb

Verkaufsschlager im Heimkino-Schmalfilmvertrieb der von Fritz E. Müller in München gegründeten Globus Film ist die niederländische Puppen-Trickfilmserie Joop Geesinks Filmland Dollywood.

 

26. Februar 1952. FSK-Prüfung von Ein verbotener Ausflug

EOS Film Gerhard Fieber in Göttingen realisiert einen weiteren Auftrag der Deutschen Bundesbahn-Filmstelle, Minden/Westfalen: Ein verbotener Ausflug.

 

18. März 1952. Westdeutscher Neustart von King Kong

Unter dem neuen deutschen Titel King Kong und die weiße Frau erscheint bei der RKO die Wiederaufführung von King Kong (USA 1933, Regie: Merian C. Cooper, Ernest B. Schoedsack) und wird in Düsseldorf gestartet.

Auch King Kong kommt in der DDR nie in den regulären Verleih, doch ähnlich wie im Fall von Disneys Schneewittchen ist von diesem Film im SFA seit den 1960er Jahren ebenfalls eine Kopie für Archivtheater, Filmklubs und Klubhäuser verfügbar.

 

8. April 1952. Neues Altes von Walt Disney

Die RKO Radio Filmgesellschaft bringt Disneys abendfüllende Zeichenfilme, die durch den Krieg in Europa blockiert waren, Schlag auf Schlag in die westdeutschen Kinos: Dumbo, der fliegende Elefant (Dumbo, USA 1941, Regie: Ben Sharpsteen) wird von der RKO Synchron-Abteilung mit Hugo Schrader, Clemens Hasse und Anneliese Würtz eingedeutscht.

 

August 1952. Die Twentieth Century-Fox wird auf bundesdeutschem Terrain aktiv

Der erste amerikanische Verleih, der in größerem Stil eine Zeichentrick-Kompilation in die westdeutschen Filmtheater bringt, ist die deutsche Niederlassung der Twentieth Century-Fox, die Centfox-Film in Frankfurt am Main. Unter dem Verleihtitel Die Abenteuer der Wundermaus erscheint ein Programm mit Mighty Mouse/Terrytoons:

„Was man nicht alles dem total übersättigten deutschen Filmmarkt zur Verdauung anbietet! Die Hälfte der unter obigem Titel angekündigten Kurzfilme behandelt gar nicht die Abenteuer der Wundermaus, sondern dient als Programmfüller. Dazu sind alle Filme in Originalfassung, so dass sie für ein normales Publikum nur teilweise verständlich sind. Ob die mit Bordkanonen und Bomben ausgerüsteten fliegenden Teppiche der Feinde des Geburtstag feiernden Sultans und die in Geschwaderformation fliegenden und mit Stuka-Getöse nacheinander abstürzenden Geier in der Lage sind, uns dem Militarismus weiter zu entfremden, ist eine ernstzunehmende Frage, vor allem im Hinblick auf die Vorführungen in Jugendvorstellungen. Unter diesem Aspekt ergeben sich noch andere Schwierigkeiten. Die übernormal schnellen Bewegungen (die nur im Zeichentrickfilm möglich sind) und die im Farbfilm dadurch verursachten Farbexplosionen können das labile Nervensystem von Kindern empfindlich schädigen. Außerdem gewinnen die stilisierten Figuren für Kinder Symbolkraft (z. B. Büstenhalter und Höschen als Symbol für die Frau allgemein). So kann auch die Geburt der Häschen mit Hilfe Dr. Uhus aus einem Sack, den der Klapperstorch gebracht hat, Anlass zu verheerenden Vorstellungen werden.“
(Bet.: Die Abenteuer der Wundermaus. Film-Dienst – Organ der Katholischen Filmkommission für Deutschland. Lieferung 31, 5. Jahrgang. Düsseldorf 15.8.1952. Kritik Nr. 1936)

 

9. August 1952. Musik, Tanz und Rhythmus von Walt Disney in bundesdeutschen Kinos

Im Verleih der RKO erscheint Walt Disneys animierte Kompilation Melody Time (USA 1948; Regie: Clyde Geronimi, Wilfried Jackson, Hamilton Luske, Jack Kinney) unter dem deutschen Titel Musik, Tanz und Rhythmus.

 

12. September 1952. Uraufführung des Regiedebüts von Kurt Weiler Oskar Kulicke und der Pazifist

In der Arbeitsgemeinschaft „Film“ der Freien Deutschen Jugend (FDJ) in Berlin realisieren Kurt Weiler, Peter Sbreszny, Horst Jakob, Hans Schroeder und Lilo Sbreszny den Puppentrickfilm Oskar Kulicke und der Pazifist. Er wird zwischen Februar und Juli 1952 produziert nach einer Episode der Bilder-Geschichten-Reihe „Oskar Kulicke“ aus dem Wochenblatt der Volkskongressbewegung und Nationalen Front „Deutschlands Stimme“. Den Text der kleinen Geschichten schreibt Martin Böttcher, die Bilder zeichnet Herbert Reschke. Als Maurer von 48 Jahren mit Witz, Ironie und Argumenten ausgestattet, soll Kulicke als Aufklärer aus dem Volk Tagesfragen diskutieren und für die Ideen der Nationalen Front werben. Der Film entsteht mit finanzieller Hilfe des Kongreß-Verlags der Nationalen Front und wird vom Progress-Filmverleih übernommen, der ihn am 12. September 1952 als Beifilm zum französischen Spielfilm Des Anderen Weib startet.

„Unter außerordentlich schlechten Bedingungen […] entstand dieser erste Kulicke-Film. Unser Oskar im Gespräch mit einem Pazifisten, der nicht begriffen hat, warum wir jetzt nationale Streitkräfte brauchen. Vielleicht hat dieser Film noch nicht die Durchschlagskraft, die Oskars gesprochene Argumentation in unserem Blatt hat, aber es ist der erste Puppen-Trickfilm, den es überhaupt bei uns gibt, und der erste Puppen-Trickfilm, der sich in den Dienst unserer Aufklärungsarbeit stellt.“
(Deutschlands Stimme, Nr. 39, 28.9.1952)

Nach Fertigstellung des Films wird das FDJ-Aktiv von der DEFA übernommen. Weitere Kulicke-Filme werden angekündigt, aber nicht hergestellt.

Publikationen

  • r-w.: Kulicke und Petermann. Die FDJ dreht unseren ersten Puppenfilm. In: Neue Film-Welt, Nr. 10/1952, S. 28–29
  • Martin Böttcher (Text), Herbert Reschke (Zeichnungen: „Also wat soll ick Ihn’ sagen …“. Oskar Kulicke diskutiert Tagesfragen. Berlin 1951 [gesammelte Text-Bild-Beiträge aus „Deutschlands Stimme“ 1950/51]

 

24. September 1952. FSK-Freigabe für Das Wunderfenster von Gerda Otto

Gerda Otto stellt für Schongerfilm den 1951 begonnenen Puppentrickfilm Das Wunderfenster fertig. Der Viertelstünder erhält 1954 den Deutschen Filmpreis/Filmband in Silber als bester kurzer Spielfilm.

 

1. Oktober 1952. FSK-Freigabe für Das vergessene Osterei von Heinz Tischmeyer

Schonger betreibt zeitweilig gemeinsam mit dem Jugendfilm-Verleih ein Trickfilmatelier in Tutzing. Heinz Tischmeyer animiert für die Firma Das vergessene Osterei. Der zwölfminütige Zeichenfilm, der 1950 fertiggestellt und uraufgeführt wird, gelangt erst ein Jahr später als Beiprogramm in die Kinos. Bis dahin liegt er offenbar im Regal.

 

10. Oktober 1952. Deutscher Kinostart von Walt Disneys Fantasia

Walt Disneys Fantasia aus dem Jahr 1940 (Regie: Ben Sharpsteen) erscheint erstmals in den bundesdeutschen Kinos. Niemand registriert die unglücklich verlaufene Mitarbeit von Oskar Fischinger im Disney-Studio. Deutscher Erzähler ist Wilhelm Borchert.

 

21. November 1952. Uraufführung von Der Traum in Tusche

In Traum in Tusche reflektiert der Maler Rolf Engler die Schrecken des Krieges. 1953 erhält er für seine neuartige (avantgardistische) filmische Leistung den Deutschen Filmpreis/Vase mit goldenem Zweig.

Publikation

  • Jeanpaul Goergen: Traumspiele. Künstlerische Animationsfilme der Bundesrepublik: Die fünfziger Jahre. In: Filmblatt, 8. Jahrgang, Nr. 22, Sommer 2003

 

21. Dezember 1952. Start der öffentlichen Programmtätigkeit des DFF

In Ost-Berlin nimmt der Deutsche Fernsehfunk (DFF) mit täglichen Versuchssendungen seine öffentliche Programmtätigkeit auf, nachdem man bereits am 4. Juni des Jahres mit der Ausstrahlung von Probesendungen begonnen hat. Der reguläre Sendebetrieb beginnt am 3. Januar 1956.

Der DFF (ab 1972 „Fernsehen der DDR“) wird sich in der Folge zu einer breiten Abspielplattform für nationale und internationale Animationsfilme entwickeln. So startet bereits am 23. Dezember 1952 die neue Reihe für Kinder Fernsehspielzeugschachtel mit dem Zeichentrickfilm Der Handschuh. Konkreteres über den Titel ist nicht bekannt.

Mit der Gründung eines fernseheigenen Trickfilmstudios 1956 wird der DFF auch zu einem bedeutenden Animationsfilmproduzenten in der DDR, was einen ersten Höhepunkt 1959 in der Etablierung des Kinderfernsehformats Unser Sandmännchen findet.

 

1953. Werbefilme von Hans Fischerkoesen

Im Fischerkoesen-Film-Studio in Bad Godesberg entstehen 1953 Alles in Butter! (Werbung für Deutsche Markenbutter), Das anziehende Haus (Werbung für Bekleidungshaus Leineweber), Die blauen Punkte überall! (Werbung für Linde’s Kaffee), Eine glückliche Hand, Einmal Mäuschen sein, Fahrt ins Wunderland (Werbung für Milka-Schokolade), Farbige Klänge – erfolgreiche Form (Werbefilm für Siemens), Eine glänzende Idee (Werbung für Erdal- und Waxa-Reinigungsmittel), Der goldene Tresor, Gold über den Ocean, Der große Zauberer, Das gute Haus, Jedem das Seine, Der Knalleffekt (Werbung für Bekleidungshaus C & A Brenninkmeyer), Die Prüfung gemeistert, Der Unverwüstliche, Mit wachsendem Erfolg und Das Wunderkind (Werbung für Pfaff-Nähmaschinen).

 

1953. Werbefilme von Wolfgang Kaskeline

Im Atelier von Wolfgang Kaskeline in West-Berlin entstehen 1953 Spots für Bama-Einlegesohlen: Bama Neuschritt; für Kaba-Plantagengetränk: Kaba und Kaba Sohn und für Nudia: Nudia-Perlonstrümpfe und Carioca.

 

1953. Werbefilme der Gebrüder Diehl

Das Atelier Gebrüder Diehl wirbt für das Textilhaus Anton Kopfmiller: Das Abenteuer, Der Absturz, Der Dieb, Das Experiment, Die Gardinenpredigt, Die Lawine, Der Matador, Neujahrswunsch, Die Sensation, Der Traum und Verständigung. Für die Oberbayerischen Kohlevertriebe entsteht Der Kuß.

 

1953. Micky Maus-Büro in Frankfurt am Main

Disney eröffnet Merchandising-Büro in Frankfurt am Main: Walt Disney’s Micky Maus GmbH. Erster Geschäftsführer wird Kurt Melzer.

 

1953. „Fix und Foxi“ entwickeln sich

Aus den von Rolf (Paul Rudolf) Kauka (1917–2000) in der Bundesrepublik herausgegebenen Comic-Heften um „Till Eulenspiegel“ entwickeln sich die gewitzten Fuchsjungen „Fix und Foxi“. Kauka will schon damals an der Herstellung von Trickfilmen interessiert gewesen sein.

 

1. Januar 1953. DEFA-Atelier für Trickaufnahmen in Potsdam-Babelsberg entsteht

Nach der Umstrukturierung der DEFA 1952 wird im neuen DEFA-Studio für populärwissenschaftliche Filme in Potsdam-Babelsberg ein Atelier für Trickaufnahmen eingerichtet. Im gleichen Jahr ist auch die DEFA-Trick- und Titelabteilung Berlin-Johannisthal nach Babelsberg umgezogen. In Johannisthal wurden bereits 1951 durch den Grafiker Johannes Beutner Anstrengungen unternommen, nach der Ende 1946 abgebrochenen Produktion unter Gerhard Fieber erneut eine Zeichenfilmabteilung einzurichten. In der Folgezeit entstehen in Babelsberg neben Tricksequenzen für populärwissenschaftliche Filme auch Animationsfilme.

Mit aus Johannisthal nach Babelsberg zieht auch der Zeichner Lothar Barke, der zuvor an der Meisterschule für das Kunsthandwerk in Berlin-Charlottenburg studiert hat. Vor ihm hat sich bereits Johannes Hempel in Babelsberg etabliert.

Publikationen

  • Günter Jordan: Am Anfang war das Wort. Debatten um den Trickfilm 1946–1954. In: Die Trick-Fabrik. DEFA-Animationsfilme 1955–1990. Berlin 2003, S. 63 ff.
  • Jörg Herrmann: Die ersten Schritte. DEFA-Animationsfilme der fünfziger Jahre und ihre Pioniere. In: Die Trick-Fabrik. DEFA-Animationsfilme 1955–1990. Berlin 2003, S. 73 ff.

 

22. Januar 1953. FSK-Freigabe von Gerda Ottos Puppenfilm Die wandelnde Glocke

Für den Produzenten Hubert Schonger hat Gerda Otto 1949 einen Puppenfilm Die wandelnde Glocke begonnen und offensichtlich bereits 1950 fertiggestellt. Er wird 1951 gezeigt, aber kommt erst nach FSK-Prüfung 1953 als Beiprogrammfilm in den regulären Verleih.

 

8. Februar 1953. Kinostart von Tobias Knopp, Abenteuer eines Junggesellen

Gerhard Fiebers Tobias Knopp, Abenteuer eines Junggesellen hat einen kleinen Verleih gefunden (Star Film, Hamburg). Der Film gelangt am 8. Februar 1953 erstmals in die westdeutschen Lichtspieltheater.

 

27. Februar 1953. DDR-Kinostart von Karel Zemans Der Schatz auf der Vogelinsel

Mit Der Schatz auf der Vogelinsel (Poklad Ptačiho ostrova, ČSR 1952) von Karel Zeman gelangt in einer DEFA-Synchronfassung erstmals eine Langmetrage-Puppentrickproduktion der benachbarten Tschechoslowakei in die Kinos der DDR:

„Ganz abgesehen von der unglaublichen Mühe, die es macht, ein solches Puppenspiel zu inszenieren und technisch einwandfrei abrollen zu lassen – es ist einfach erstaunlich, was hier rein mimisch aus Puppengesichtern herausgeholt wird, die doch von Haus aus steif und hölzern sind. Jede Szene jede Kameraeinstellung (Antonin Horak) ist wie ein Gemälde für sich, wie eine hingetupfte Miniatur, voll von farbenprächtiger Buntheit und sprühendem Leben. Jede Bewegung sitzt absolut sicher, und man kommt gar nicht auf den Gedanken, daß es ‚ja bloß‘ Puppen sind, die dort leiden und lachen, die sich hassen und lieben, als wären sie Menschen. Ihr Spiel ist deswegen so echt, so urtümlich und lebensnah, weil ihre Existenz selbst spielerisch ist, weil sie selbst Spiel sind, weil sie sich selbst spielen. […]

Diese ganze leichtgeschürzte Handlung hat einen ernsten Kern: nicht großer (zudem geraubter) Reichtum, nicht ein träges Dahinleben kann das Dasein der Menschen ausmachen, sondern es muß seine festgefügte Ordnung haben, Arbeit und gewiß auch Vergnügen, aber alles zu seiner Zeit und an seinem Platz.“
(Elmar Jansen: Puppen, die durchaus nicht hölzern sind. Der Schatz auf der Vogelinsel, ein Puppenfilm aus der CSR. In: Neue Zeit, Nr. 54, 4.3.1953)

 

21. März 1953. Bundesdeutscher Filmstart des abendfüllenden italienischen Zeichentrickfilms Die Rose von Bagdad

Im Viktoria-Filmverleih Düsseldorf und beim Berliner Film Verleih erscheint die deutsche Fassung des italienischen Technicolor-Films Die Rose von Bagdad (La Rosa di Bagdad, Italien 1949) in der Regie von Anton Gino Domeneghini. Die Synchronisation erfolgt durch die Berliner Synchron GmbH Wenzel Lüdecke.

 

5. Juni 1953. Prinz Bajaja erstmals in der DDR zu sehen

Die DDR-Erstaufführung des tschechoslowakischen Puppentrickfilms Prinz Bajaja (Bajaja, 1950, Regie: Jiří Trnka) in der DEFA-Synchronfassung findet im Ost-Berliner Filmtheater „Babylon“ statt:

„Regisseur Jiri Trnka hat es unter Ausnutzung der vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten, die das Milieu des königlichen Hofes bietet, wunderbar verstanden, aus dem Stoff den fortschrittlichen Kern herauszulösen und der heutigen Zeit dienstbar zu machen. […] Der an ebenso kräftigen wie zarten Farben und an verblüffenden Lichteffekten reiche Film ist, abgesehen von einigen störenden formalistischen Spielereien und dem etwas abrupten Schluß, mit Liebe gestaltet. Das merkt man besonders den Puppen an, aus deren Gesichtern trotz der ihnen eigenen Starre alle Gefühle des Schmerzes wie der Freude sprechen.“
(BKD: Das Glück des Prinzen Bajaja. Ein bezaubernder Film aus dem Puppenreich. In: Neue Zeit, Nr. 131, 9.6.1953)

In Westdeutschland läuft Trnkas Film erst zwei Jahre später.

 

24. Juni 1953. FSK-Prüfung von Aus der Art geschlagen

Im Auftrag der Deutschen Bundesbahn-Filmstelle stellt Gerhard Fieber mit EOS-Film den Zeichentrickfilm Aus der Art geschlagen her.

„Statt Winterschlaf zu halten, begibt sich ein kleiner Igel auf große Entdeckungstour, landet schließlich in einem Waggon der Deutschen Bundesbahn und erlebt als ‚blinder Passagier‘ so manches Abenteuer.“
(DVD: Eisenbahn-Nostalgie-Filme – Aus der Art geschlagen. Begleittext, Deutsche Bundesbahn)

 

September 1953. Ein Volontariat in der DEFA-Titelabteilung und dessen Folgen

Die Absolventen des Instituts für künstlerische Werkgestaltung Burg Giebichenstein Halle (Saale), Katja und Klaus Georgi, Otto Sacher sowie Christl und Hans-Ulrich Wiemer gründen 1953 in Halle ein Werbe- und Grafikatelier. Sie firmieren unter der Bezeichnung „Wir fünf“, aber eigentlich sind sie sechs, denn auch der Absolvent Helmut Barkowsky gehört dazu. Die Firma bietet neben aller Art der Text- und Bildgestaltung auch die Anfertigung von Werbe-Zeichenfilmen an. Als es dazu eine konkrete Anfrage gibt, muss man einander eingestehen, dass sie nur vage Vorstellungen besitzen, wie ein gezeichneter Film zu realisieren sei. Nach kurzer Recherche erhalten sie die Telefonnummer der Titelabteilung des DEFA-Studios für populärwissenschaftliche Filme in Potsdam Babelsberg. Gleich beim ersten Telefonat ist Lothar Barke am Apparat. Otto Sacher trägt das Anliegen vor, und bald ist man sich einig darüber, dass zwei von ihnen in der Babelsberger Titelabteilung volontieren könnten. Die Wahl fällt auf Otto Sacher und Klaus Georgi, die sich von Anfang September bis Ende Oktober 1953 unter den Fittichen Lothar Barkes mit der Technologie der Phasengestaltung vertraut machen und mit einigen Filmschleifen gezeichneter Bewegung bei ihren Mitstreitern Begeisterung auslösen.

Die gezeichneten Bewegungen der Hallenser Praktikanten bekommt auch Dr. Heino Brandes, nunmehriger Direktor des Babelsberger DEFA-Studios, zu Gesicht. Im November 1953 besucht er in Halle das Werbestudio „Wir fünf“ und unterbreitet den Vorschlag, nach Babelsberg zu übersiedeln und dort beim Aufbau einer DEFA-Zeichentrickfilmproduktion mitzuwirken. Der Umzug erfolgt, und am 4. Januar 1954 beginnen sie als Angestellte der DEFA ein eigenes Filmprojekt. Nur Katja Georgi folgt ein halbes Jahr später, da ihr erster Sohn unterwegs ist. (Nach einem Gespräch von Katja Georgi mit Jörg Herrmann vom Dezember 2004)

Etwa zur gleichen Zeit geht Bruno J. Böttge aus Halle (Saale) nach Babelsberg. Mit den 1954 ebenfalls nach Babelsberg gezogenen Herbert K. Schulz und Kurt Weiler ist die erste Regiegeneration des künftigen DDR-Animationsfilmschaffens komplett.

Publikationen

  • Günter Jordan: Am Anfang war das Wort. Debatten um den Trickfilm 1946–1954. In: Die Trick-Fabrik. DEFA-Animationsfilme 1955–1990. Berlin 2003, S. 63 ff.
  • Jörg Herrmann: Die ersten Schritte. DEFA-Animationsfilme der fünfziger Jahre und ihre Pioniere. In: Die Trick-Fabrik. DEFA-Animationsfilme 1955–1990. Berlin 2003, S. 73 ff.

 

15. Oktober 1953. Premiere des Silhouettenfilms Der Wolf und die sieben Geißlein

Der Wolf und die sieben Geißlein, Bruno J. Böttge, DDR 1952. ©DIAF/Nachlass Böttge

Der Wolf und die sieben Geißlein, Bruno J. Böttge, DDR 1952. ©DIAF/Nachlass Böttge

Im DEFA-Studio für populärwissenschaftliche Filme Potsdam-Babelsberg stellt Bruno J. Böttge im Dezember 1952 den ersten DEFA-Silhouettenfilm Der Wolf und die sieben Geißlein fertig. Er kommt am 15. Oktober 1953 in die Kinos.

„Zwischen Fertigstellung und Premiere kommt es zu heftigen Auseinandersetzungen um die Kunst des Silhouettenfilms. Das Staatliche Komitee für Filmfragen und die Filmabnahmekommission in Berlin lehnen den Vorschlag des Studiodirektors Dr. Heino Brandes ab, Böttge mit dem neu gestifteten Heinrich-Greif-Preis zu ehren.“
(Ralf Schenk: Eine kleine Geschichte der DEFA. Berlin 2006, S. 63)

„Ausgesprochen hübsch ist der Silhouettenfilm Der Wolf und die sieben Geißlein. Ein feiner Gedanke, sich nicht auf strenge Schwarz-Weiß-Kunst zu beschränken, sondern Halbtöne mit einzubeziehen, wodurch der Film reizvolle Tiefenwirkungen erzielt. Ferner legt er, im Gegensatz zu den von Lotte Reiniger in den zwanziger Jahren geschaffenen Schattenfilmen, erfreulicherweise großen Wert auf eine zusammenhängende sauber aufgebaute Handlung mit entsprechend ausgefeilten Bewegungen.“
(BKD: Zwei Überraschungen. In: Neue Zeit, Nr. 235, 9.10.1953)

Publikationen

  • Bruno J. Böttge: Der Silhouettenfilm kommt wieder. In: Neue Film-Welt, Nr. 7/1953, S. 10 f.

 

15. Oktober 1953. Premiere des Puppentrickfilms Frau Holle

Frau Holle, Johannes (Jan) Hempel, DDR 1953. ©DEFA-Stiftung/DIAF

Frau Holle, Johannes (Jan) Hempel, DDR 1953. ©DEFA-Stiftung/DIAF

Der erste DEFA-Puppentrickfilm Frau Holle von Johannes Hempel startet in den Kinos der DDR.

„Schon oft war unter Hinweis auf die zahlreichen Puppenfilme aus der Tschechoslowakei an die DEFA appelliert worden, ebenfalls solche Filme, namentlich für die Kinder, zu drehen. Wenn sich auch lange nichts zu rühren schien, – geschlafen hat man in Babelsberg nicht. […] Bei diesem ersten Versuch der DEFA darf man über Schwächen, die vornehmlich in der fehlenden Märchenatmosphäre, der Grobschlächtigkeit der Puppen und in der Starre ihrer Mienen bestehen wohlwollend hinwegschauen. […] Unverzeihlich allerdings ist die starke Abweichung von der Handlung des Originalmärchens.“
(BKD: Zwei Überraschungen. In: Neue Zeit, Nr. 235, 9.10.1953)

Publikationen

  • h. br.: Frau Holle schüttelt die Betten aus. Vom ersten Puppentrickfilm der DEFA. In: Neue Film-Welt, Nr. 11/1952, S. 22 ff.
  • Der erste Puppentrickfilm der DEFA. In: Neue Film-Welt, Nr. 1/1953, 2. US

 

6. November 1953. Deutscher Kinostart von Panik in New York

Warner Bros. Continental Films, Inc. bringt The Beast from 20,000 Fathoms (USA 1953, Regie: Eugène Lourié) unter dem Titel Panik in New York in die bundesdeutschen Kinos. Paul Christian (Hubschmid) spielt die Hauptrolle in dem abendfüllenden Schwarzweiß-Film, Ray Harryhausen animiert den „Rhedosaurus“. Es ist seine erste Solo-Stop Motion.

 

22. Dezember 1953. Peter Pans heitere Abenteuer kommt in die bundesdeutschen Kinos

Der Disney-Weihnachtsfilm der deutschen RKO ist Peter Pans heitere Abenteuer (Peter Pan, USA 1953, Regie: Hamilton Luske, Clyde Geronimi, Wilfried Jackson).

Außerdem erscheint bei der RKO in diesem Jahr eine kleine Zusammenstellung von Disney-Kurzfilmen unter dem Titel Lustige Parade: The Brave Little Tailor, Three Little Wolves, Ferdinand the Bull.

 

1954. Werbefilme von Hans Fischerkoesen

Im Fischerkoesen-Atelier entstehen Ein Buch mit sieben Siegeln, Da ist alles drin! (Werbung für Autoral-Öl und -Benzin von Rheinpreußen), Hatschi!, Sie kommen! (Werbung für Linde’s Kaffee), Liebling der Hausfrau, Eine lustige Gold-Dollar Geschichte, Meine Wolldecke und ich (Werbung für Wolldecken mit Gütesiegel), Müffi’s Ende (Werbung für Air-fresh-Spray), Die neue Linie (Werbung für Triumph-Miederwaren), Ein weißer Schwan (Werbung für Dr. Thompson’s Wäschestärke) sowie Wussten Sie …? (Werbung für Salamander-Schuhe).

 

1954. Werbefilme von Wolfgang Kaskeline

Wolfgang Kaskeline wirbt 1954 mit Schlangen-Geschichten für den Wasserschlauch der Fa. Goldschlange und mit Märchen im Regen für Schirme der Marke Bremshey.

 

1954. Neues von den Gebrüdern Diehl

Die Diehls produzieren 1954 für die Wochenschau Die Karre im Dreck, Feierabend – Mecki filmt, Mecki der Gerechte, Mecki und die Kaktusblüte sowie Schlaf Kindchen schlaf.

Für die Werbung sind sie aktiv mit Des Rätsels Lösung, Die Wette, Der dritte Punkt, Musik – Musik! und Herrn Meiers Haus (Werbung für AEG), Die Erfindung (Werbung für Kabuco) sowie Die gute Wahl (Werbung für das Textilhaus Anton Kopfmiller).

 

Januar 1954. Eröffnung des Ateliers Koboldfilm-Kollektiv Ernst Uchrin in Ost-Berlin

Der gelernte Kaufmann sowie vormalige Kino- und Produktionsleiter Ernst Uchrin (1901–1973) eröffnet unter dem Markenzeichen „Koboldfilm-Kollektiv“ sein Werbefilmatelier in der Ost-Berliner Rosenthaler Straße 72 a. Für ihn arbeitet auch der Dresdner Grafiker und Karikaturist He Hellerau (Heinz Engelmann). Als privater Filmhersteller produziert Uchrin 1954 im Auftrag der DDR-Werbeagentur DEWAG die Zeichentrick-Filme Eine Duftnovelle (Parfümwerbung), Feodora, Hier stimmt was nicht (Werbung für Delicia-Insektenbekämpfungsmittel), Hilf mit! (Erstaufführung 10. August 1954, Agitation zur Buntmetallsammlung), Martin, warum weinest Du? (Erstaufführung am 10. Juni 1954, Agitation zur Schrottsammlung), Der Meisterdetektiv (Füllfederhalter-Werbung) und Mutti weiß sich zu helfen (Zulassung 4. Januar 1955, Waschmittelwerbung).

Außer Martin, warum weinest Du?, Hilf mit! und Eine Duftnovelle müssen alle Filme als verschollen betrachtet werden.

Publikationen

  • Simone Tippach-Schneider: Tausend Tele-Tips. Das Werbefernsehen in der DDR. Berlin 2004
  • Ralf Forster, Volker Petzold: Im Schatten der DEFA. Private Filmproduzenten in der DDR. Konstanz 2010

 

Juli 1954. Welturaufführung von Till Eulenspiegel und der Bäcker von Braunschweig in Karlovy Vary

Bei den Dreharbeiten zu Till Eulenspiegel und der Bäcker von Braunschweig, 1954: die Animatoren Herbert K. Schulz und Rosemarie Küssner (v. l.), Beleuchter Paul Trempler, Kameramann Rolf Sperling und Regisseur Johannes Hempel. ©DIAF/Nachlass Schulz/Küssner

Bei den Dreharbeiten zu Till Eulenspiegel und der Bäcker von Braunschweig, 1954: die Animatoren Herbert K. Schulz und Rosemarie Küssner (v. l.), Beleuchter Paul Trempler, Kameramann Rolf Sperling und Regisseur Johannes Hempel. ©DIAF/Nachlass Schulz/Küssner

Während der VIII. Internationalen Filmfestspiele im tschechoslowakischen Karlovy Vary (11.–25. Juli 1954) erlebt der knapp halbstündige Puppentrickfilm von Johannes Hempel Till Eulenspiegel und der Bäcker von Braunschweig aus dem DEFA-Studio für populärwissenschaftliche Filme Potsdam-Babelsberg im Rahmen eines DDR-Programmes seine Weltpremiere. Es ist zugleich das erste Mal, dass ein DDR-Animationsfilm auf einem internationalen Filmfestival gezeigt wird. In den DDR-Kinos startet er am 13. August 1954.

„Diesmal hatte der Regisseur Johannes Hempel einen neuen Weg beschritten, indem er erstmalig den Hauptdarstellern unter den Puppen einen beweglichen Mund konstruierte. […] Doch die Wirkung auf den Zuschauer ist so, daß er der Puppe trotz Mundbewegung das Sprechen nicht glaubt, – die Nahaufnahme ernüchtert ihn, denn sie zeigt brutal die Starrheit der Maske.“
(Inge Borde: Till Eulenspiegel und der Bäcker von Braunschweig. In: Deutsche Filmkunst, Heft 5/1954, S. 20)

Der Film läuft zudem auf der 1. Gesamtdeutschen Kultur- und Dokumentarfilmwoche Leipzig (11.–17. September 1955) im Programm „Puppen- und Zeichentrickfilme“ und wird dort mit dem Preis des Clubs der Filmschaffenden der DDR ausgezeichnet.

Publikationen

  • Ralf Schenk: Bilder einer gespaltenen Welt. 50 Jahre Dokumentar- und Animationsfilmfestival Leipzig. Berlin 2007
  • Andreas Kötzing: Kultur- und Filmpolitik im Kalten Krieg. Die Filmfestivals von Leipzig und Oberhausen in gesamtdeutscher Perspektive 1954–1972. Göttingen 2013

 

Juli 1954. Beginn der Dreharbeiten zu Die Wippe von Kurt Weiler

Kurt Weiler (r.) bei der Arbeit an Die Wippe, Kurt Weiler, DDR 1955. Im Hintergrund Herbert K. Schulz. ©DIAF/Nachlass Schulz/Küssner

Kurt Weiler (r.) bei der Arbeit an Die Wippe, Kurt Weiler, DDR 1955. Im Hintergrund Herbert K. Schulz. ©DIAF/Nachlass Schulz/Küssner

Nach der zweiten Drehbuchvorlage über angetrunkene und randalierende US-amerikanische Soldaten in einer „westdeutschen Großstadt“ beginnt Kurt Weiler noch in Babelsberg die Dreharbeiten zu seinem DEFA-Debüt Die Wippe. Der Film wird von der Hauptverwaltung Film (HV Film) nicht zugelassen.

Archiv

  • BArch, DR 116/552 und 554

 

6. August 1954. Premiere des Zeichentrickfilms Katzenmusik

Katzenmusik, Lothar Barke, DDR 1954. ©DEFA-Stiftung/DIAF

Katzenmusik, Lothar Barke, DDR 1954. ©DEFA-Stiftung/DIAF

Mit der Musiksatire Katzenmusik von Lothar Barke aus dem DEFA-Studio für populärwissenschaftliche Filme Potsdam-Babelsberg wird nach den abgebrochenen Anfängen der erste DEFA-Zeichentrickfilm uraufgeführt.

„Seit 1953 arbeitet die DEFA auch am Zeichentrickfilm. Mit der Katzenmusik stellt das Kollektiv Lothar Barke einen ersten Versuch vor. Und als Versuch kann dieser Streifen auch nur bewertet werden. Denn bis auf einige hübsche Regieeinfälle fehlt ihm der innere Zusammenhang. Eine Satire? Aber auch die dürfte nicht nur aus aneinandergereihten satirischen Einzelbildern bestehen.“
(G.K.: Puppen spielen Eulenspiegels Streiche. In: Neue Zeit, Nr. 188, 13.8.1954)

 

16. November 1954. FSK-Prüfung von Der Wundertisch

Der Dokumentarfilm Der Wundertisch von Herbert Seggelke über die Arbeit der Film-Schnittmeisterinnen und Schnittmeistern an ihren Schneidetischen enthält den Animationsteil Strich Punkt Ballett. Das abstrakte Spiel mit den Arbeitszeichen des Filmcutters, den Fettstift-Markierungen, ist rhythmisch zur Musik geschnitten. Inter Nationes vertreibt den Animationsteil als Auskoppelung unter dem Titel Strich-Punkt-Ballett als Beispiel für einen „absoluten Film“. Seggelke stellte bereits 1943 erste Versuche mit „Film ohne Kamera“ an.

Publikationen

  • Jeanpaul Goergen: Traumspiele. Künstlerische Animationsfilme der Bundesrepublik: Die fünfziger Jahre. In: Filmblatt, Nr. 22, Sommer 2003, S. 4–9
  • Sabine Seggelke (Zusammenstellung): Herbert Seggelke. Düsseldorf: Privatdruck 2005

 

14. Dezember 1954. Kinostart von Drei Caballeros in der Bundesrepublik

Bei der RKO erscheint Disneys Mischfilm Drei Caballeros (The Three Caballeros, USA 1944, Regie: Norman Ferguson) mit Donald Duck:

„Man darf hier nicht fragen, was das alles soll. Ein Kulturfilm ist es, wie es zunächst den Anschein hat, jedenfalls nicht. Das hat mit Südamerika so viel zu tun wie türkischer Honig mit der Türkei. Es soll bunt sein, lecker und exotisch. Es soll wohl so etwa das Gefühl wiedergeben, das einem Nordamerikaner zu alleroberst und in die alleräußersten Gelenke kommt, wenn er an Südamerika denkt: ein vages Gefühl von Lebensfreude und südlicher Sonnenglut. Es bleibt alles äußerliche Stimmung, von der Oberfläche geschöpft und für das lässige Hinsehen ausgebreitet. Dunkelhäutige Schönheiten tanzen und singen, und die Disney’schen Trickfilm-Tierfiguren tummeln sich immer munter dazwischen herum.“
(W.B.: Drei Caballeros. In: Film-Dienst, 8. Jahrgang, Lieferung 2, Kritik Nr. 3812. Düsseldorf, 14. Januar 1955)

 

1955. Werbefilme von Hans Fischerkoesen

In den Ateliers von Hans Fischerkoesen entstehen 1955:

Alles für alle (Werbung für Aral), Der direkte Weg, Durch Nacht zum Licht (Werbung für Magenbitter-Likör Underberg), Esso hat’s in sich! (Werbung für Esso-Benzin, -Extra und -Diesel), Express Paris-Konstantinopel, Express-Spot, Die glückliche Insel (Werbung für Besmer-Teppiche), Glückliche Kinder, Der Güte wegen …, Der kleine Wipp, König der Genießer, Der lachende Mund, Das Lied von Acella (Werbung für Stoffe der gleichnamigen Firma), Linde’s Kaffee – Sieg nach Punkten, Linde’s Schlager (beide Werbung für Linde-Kaffee), Mehr Zeit für Freizeit (Werbung für Rapid-Staubsauger der Firma Siemens), Prüfung bestanden, Schönheit der Formen, Der Schuss ins Schwarze, Der tote Punkt (Werbung für Afri-Cola), Träumende Farben und Ein zarter Traum.

 

1955. Werbefilm-Kaleidoskop

Die Gebrüder Diehl produzieren den Kurzfilm Kasperl und die Wunderschachtel. Mit Die Wette (II) und Das große Wunder werben sie für AEG, mit Das Paradies für Steiff-Puppen (Mecki) und mit Weißt Du schon? für das Textilhaus Anton Kopfmiller in Pasing.

Im Atelier von Wolfgang Kaskeline entsteht Spots für Pril (Werbung für Geschirrspülmittel) und Raspa (Werbung für Orangenlimonade). Kauka Film-Produktion München bringt Der wohlklingende Akkord (Werbung für Salamander-Schuhe) heraus.

 

1955. Werbe- und Agitationsfilme des Koboldfilm-Kollektivs Ernst Uchrin

Koboldfilm mit Ernst Uchrin stellt 1955 in Ost-Berlin für die DEWAG die Zeichentrickfilme her: Aus der Schule geplaudert (Zulassung 14. Februar 1956, Werbung für Maiskernpudding), Besuch in der Schatzkammer (Zulassung 23. November 1955, Werbung für Frisiercreme), Professor Hummel hilft (Zulassung 23. November 1955, Werbung für Kosmetik-Erzeugnisse), Sensationen (Zulassung 25. August 1955, Werbung für Tierkraftfutter Mykostin) und Die Zauberformel (Zulassung 16. März 1955, Lotteriewerbung).

Alle Titel müssen als verschollen angesehen werden.

 

1955. Puppentrickfilm Hänsel und Gretel aus den USA in den Kinos der Bundesrepublik

Anstelle von Disney, der inzwischen einen eigenen US-Verleih (Buena Vista) aufgemacht hat und in der Bundesrepublik neue Produktionen über den Herzog-Filmverleih vertreibt, bringt die RKO einen abendfüllenden Puppentrickfilm Hänsel und Gretel (USA 1954, Regie: John Paul) mit „elektronischen“, in Wirklichkeit klassisch animierten Puppen heraus, den Michael Myerberg in New York nach der Märchenoper von Engelbert Humperdinck produziert hat.

 

1955. Disney fürs Heimkino

Dank eines Lizenzvertrags mit Film Office Paris kann die Münchner Globus Film in der Bundesrepublik Deutschland den Heimkino-Vertrieb der Disney-Schmalfilme übernehmen. Die Filme sind gekürzt etwa 15 Meter (Normal 8mm) bzw. 30 Meter (16mm) lang und erscheinen in Farbe und Schwarz-weiß. Die Kopien werden direkt aus Frankreich bezogen.

 

1955. „Tom und Jerry“-Comics bei Semrau

Im Alfons Semrau-Verlag Hamburg, dem wichtigsten deutschen Comicverlag der 1950er Jahre, erscheinen erstmals deutsche Lizenz-Ausgaben der „Tom und Jerry“-Comics.

 

1955. Trickfilmklasse in Berlin-Charlottenburg stellt sich neu auf

Mit dem Weggang von Bernhard Klein formiert sich die Trickfilmklasse der Meisterschule für das Kunsthandwerk Berlin-Charlottenburg neu. Die Klasse wird nun auch „offiziell“:

„… wurde sie vor etwa acht Jahren offiziell in den Schuletat mit aufgenommen. Geleitet wird die Klasse mit ihren neunzehn Schülerinnen und Schülern von Horst Nebauer, einem durch viele Zeichentrickfilme bekannten und erfahrenen Dozenten. […] Die Ausbildung dauert in der Regel drei Jahre und umfaßt alle Gebiete des Zeichentrickfilms wie Schreiben von Drehbüchern, Herstellung von wirksamen Werbefilmen, Konturieren, Kolorieren, Phasenzeichnen, Entwickeln der Filme sowie Bedienung und Führung der Kamera. Da gute Trickfilmzeichner Mangelware sind, verläßt der größte Teil der Schüler oft schon nach vier Semestern die Ausbildungsstätte, um Stellungen bei den Werbefilmgesellschaften anzutreten.“
(Dieter Witzke: Trickfilmzeichner – ein umworbener Beruf. Deutschlands einzige Ausbildungsstätte liegt in Berlin. In: Der Tagesspiegel, 21.10.1962)

Über Horst Nebauer ist nichts weiter bekannt. Zu den Absolventen der Fachrichtung Trickfilm gehören in den nächsten knapp drei Jahrzehnten u. a. Joachim Albrand, Manuela Alexejew, Dieter Parnitzke, Peter Radzuweit, Herbert Schramm und Peter Völker. Die Klasse existiert bis etwa 1979.

 

17. Januar 1955. FSK-Prüfung von Eine Melodie – vier Maler

In dem Kulturfilm Eine Melodie – vier Maler von Herbert Seggelke schaffen Jean Cocteau, Gino Severini, Ernst Wilhelm Nay und Hans Erni „mit Pinsel, Farbstift und Stanze“ abstrakte Kurzfilme.

Publikation

  • DVD: Geschichte des deutschen Animationsfilms – Kritik und Experiment. Der westdeutsche Animationsfilm. Berlin (absolut Medien)

 

9. März 1955. Erstausstrahlung von Man in Space im amerikanischen Fernsehen

Ein Medienereignis in den USA ist nicht ohne Bedeutung für Deutschland. Im US-Fernsehen läuft im Rahmen der Reihe Disneyland die Folge Man in Space. Beratend tätig sind die Deutschen Willy Ley, Heinz Haber und vor allem Wernher von Braun. In den USA wurde von Brauns Vergangenheit verdrängt: Wernher von Braun (1912–1977) war Mitglied der NSDAP und SS gewesen, hatte aber gleichzeitig beim amerikanischen Militär Begehrlichkeiten geweckt, weil er der führende Raketenwaffen-Ingenieur Hitler-Deutschlands gewesen war, der technische Leiter der V2-Versuche. Disney, der gute Kontakte zum Pentagon pflegt, tut sich mit von Braun zusammen und popularisiert beim amerikanischen Steuerzahler die Ziele der Weltraumfahrt. Zwei weitere Teile folgen: Man and the Moon und Mars and Beyond. Der erste Teil wird unter dem Titel Menschen im Weltraum auch im Beiprogramm der deutschen Kinos gezeigt. Die Regie der animierten Teile führt Ward Kimball.

 

1. April 1955. Rückwirkende Gründung des VEB DEFA-Studio für Trickfilme Dresden

Das junge DEFA-Studio für Trickfilme im ehemaligen Gasthof "Zum Reichsschmied". ©DIAF

Das junge DEFA-Studio für Trickfilme im ehemaligen Gasthof »Zum Reichsschmied«. ©DIAF

Nach der Bildung des DEFA-Studios für Spielfilme, des DEFA-Studios für populärwissenschaftliche Filme und des DEFA-Studios für Wochenschau und Dokumentarfilme ist mit dem Spezialstudio für Animationsfilme die bis 1990 wirksame Gliederung der DEFA-Filmproduktion komplett. Der volkseigene Betrieb hat seinen Sitz in Dresden-Gorbitz, Kesselsdorfer Straße 208. Zuvor war dort die Boehner-Film beheimatet (1937–1945), nach 1945 arbeitete im ehemaligen Tanzgasthof „Zum Reichsschmied“ die DEFA-Produktion Sachsen und von 1952 bis 1955 befand sich auf dem Gelände eine Außenstelle des DEFA-Studios für populärwissenschaftliche Filme. Mit der neuen Studiogründung verfolgt die DDR-Filmpolitik das Ziel, nach dem Vorbild des Sojusmultfilmstudios Moskau die Spezialisierung auf Trickfilme auch institutionell nachzuvollziehen und Kräfte zu bündeln.

Das Gründungsdatum 1. April 1955 wird lt. Gesetz ganze zweieinhalb Monate später rückwirkend festgelegt. Da das neue DEFA-Studio für Trickfilme – wie die anderen DEFA-Studios vordem bereits auch – ausdrücklich als selbständiger volkseigener Betrieb (VEB), also nach dem Prinzip der wirtschaftlichen Rechnungsführung (Nettoprinzip) arbeiten soll, ist vermutlich ein verspäteter Quartalsbeginn ausschlaggebend für Bilanzeröffnungen und buchhalterische Startoperationen. Tatsächlich arbeitet ein Großteil der Beschäftigten schon seit Anfang des Jahres in der Kesselsdorfer Straße, und auch die Betriebsgründung war wohl ursprünglich schon lange vorher zum 1. Januar 1955 geplant:

„Mit Wirkung vom 1.1.1955 werden die Produktionsstäbe für Puppentrick-, Handpuppen-, Zeichentrick- und Silhouettenfilme aus dem VEB DEFA Studio für populärwissenschaftliche Filme in Babelsberg herausgelöst, und es wird ein selbständiger VEB DEFA Studio für Trickfilme mit dem Sitz in Dresden errichtet.“
(Aktennotiz HV Film – Abt. Filmproduktion v. 15. November 1954. BArch DR 1/4072a)

Gruppenfoto mit einigen der ersten Mitarbeiter auf der Eingangstreppe des Studios, um 1955. ©DIAF

Gruppenfoto mit einigen der ersten Mitarbeiter auf der Eingangstreppe des Studios, um 1955. ©DIAF

Produziert werden soll in insgesamt acht Produktionsstäben mit den zuvor bereits im DEFA-Studio für populärwissenschaftliche Filme tätigen Spezialisten: in drei Stäben für Zeichentrick (Lothar Barke, Klaus Georgi, Otto Sacher), in drei für Puppentrick (Johannes Hempel, Herbert K. Schulz, Kurt Weiler), in einem für Silhouettenfilm (Bruno J. Böttge) und einem Stab für Handpuppenspiel (Erich Hammer). Schwerpunkt ist die Produktion von Kino-Beiprogrammfilmen für Kinder. 1957 hat das größte Animationsfilmstudio der DDR 156 Beschäftigte.

Die „erste Klappe“ im neuen Studio fällt Anfang Februar 1955 für die Politsatire in Puppentrick Ausgang erlaubt von Herbert K. Schulz, eine Persiflage auf die amerikanische Besatzung in Westdeutschland (ursprünglicher Titel Liebe Freunde). Allerdings wird der Film im November 1955 von der HV Film nicht zugelassen. Es werden dafür neben künstlerischen Gründen in Puppenführung und -gestaltung auch ideologische geltend gemacht. So wird beispielsweise bemängelt, der Film ließe „falsche Schlußfolgerungen“ dahingehend zu, „die darauf hinauslaufen können, daß die Soldaten in Zivil die deutsche Bevölkerung nicht belästigen und sich selbst zerfleischen“. (Protokoll der Vorführung vor der HV Film vom 25.11.1955. BArch DR 1-Z)

So gelangt kurz vor Weihnachten 1955 als erster Titel des neuen Studios der Handpuppenfilm Das Gespenst im Dorf von Erich Hammer in die Kinos.

Publikationen

  • Anordnung vom 15. Juni 1955 über die Bildung des VEB DEFA-Studio für Trickfilme (GBl. II, 1955, S. 221)
  • Die Entwicklung des VEB DEFA Studio für Trickfilme Dresden. Internes Material. Dresden 1960
  • André Eckardt: Wurzeln. Filmproduktion in Dresden-Gorbitz 1938–1955. In: Die Trick-Fabrik. DEFA-Animationsfilme 1955–1990. Berlin, Dresden 2003, S. 31 ff.
  • Jörg Herrmann: Die ersten Schritte. DEFA-Animationsfilme der fünfziger Jahre und ihre Pioniere. In: Die Trick-Fabrik. DEFA-Animationsfilme 1955–1990. Berlin 2003, S. 73 ff.
  • Günter Jordan: Film- und Lichtspielwesen in der DDR – Daten Fakten Strukturen. Trickfilm (http://www.defa-stiftung.de/trickfilm)

 

Juni 1955. Deutsche Premiere von Aufstand der Tiere

Auf der Berlinale in West-Berlin findet die deutsche Premiere der mit Geldern der CIA nach George Orwells antistalinistischer Fabel entstandenen Technicolor-Zeichentrickproduktion Aufstand der Tiere (Animal Farm, UK 1954, Regie: Joy Batchelor, John Halas) statt. Während im Original alle Tiere von einem Schauspieler, Maurice Denham, gesprochen werden, verteilt der Disney-erfahrene Dialogregisseur Eberhard Cronshagen die Rollen auf mehrere Sprecher. Am 29. April 1958 hat der Film seine bundesdeutsche Fernsehpremiere. Viele Jahre ist er im 16mm-Format über Bildstellen auch Schulen und kirchlichen Organisationen zugänglich.

„Manche Filmhistoriker sind davon überzeugt, dass die Verfilmung, entstanden in London zwischen 1951 und 1954, ohne den Einfluss des amerikanischen Geheimdiensts niemals zustande gekommen wäre. An der Oberfläche sieht der als antikommunistische Propaganda konzipierte Animationsfilm aus wie ein Kinderfilm, den unsere FSK auch brav ab 6 Jahren freigegeben hat.

Vielleicht entsprach dies genau den Intentionen der Hintermänner. Der Irrglaube von der Harmlosigkeit des Zeichentricks im Kino hat sich wohl bis heute gehalten – nicht einmal Videospiele haben ihm ein Ende bereiten können.“
(Hans Günther Pflaum: Als „Animal Farm“ den Kommunismus bekämpfte. In: Die Welt, 30.3.2009)

 Publikation

  • Rolf Giesen: Lexikon des Trick- und Animationsfilms. Berlin 2003, S. 47 ff.

 

16. Juni 1955. FSK-Freigabe für Die kleine Lok von Gerhard Fieber

EOS Film Göttingen produziert im Auftrag der Bundesbahn-Filmstelle unter Regie von Gerhard Fieber Die kleine Lok, Günter Schilling animiert und Gerhard Huttula steht an der Kamera.

„Für Die kleine Lok von Graham Greene habe ich auch einen Preis gekriegt. Und diese beiden großen Aufträge haben meine Grundkosten in Göttingen gedeckt. Und alles andere, was ich noch machte, war reiner Verdienst. Das ist wirklich schön gewesen, wenn ein junger Produzent ein paar leistungskräftige Firmen hatte, die das bezahlen.“
(Gerhard Fieber im Gespräch mit J. P. Storm, 25. Juli 1988 in Schlangenbad)

 

16. Juli–18. September 1955. documenta 1 Kassel mit Filmen von Norman McLaren

Auf der documenta 1 in Kassel wird mit dem begleitenden Filmprogramm zum ersten Mal in Deutschland ein breiteres Publikum mit Animationen des schottisch-kanadischen Avantgarde-Filmemachers Norman McLaren bekannt gemacht. Es laufen die kanadischen Produktionen Hen Hop (1942), Stars and Stripes (1943), Là-haut sur ces montagnes (Kanadisches Abenteuer, 1946), Begone Dull Care (Jazz in Farben, mit Evelyn Lambart, 1949) und Blinkity Blank (1952). Letzterer wurde gut eine Woche zuvor auf der Berlinale mit dem „Silbernen Bären“ ausgezeichnet.

Publikation

  • Simon Großpietsch, Kai-Uwe Hemken (Hg.): documenta 1955. Ein wissenschaftliches Lesebuch. Kassel 2018

 

25. September 1955. Bundesdeutscher Kinostart von Däumlings wundersame Reisen und Abenteuer

Schongerfilm bringt im Jugendfilm-Verleih die deutsche Fassung des Langmetrage-Zeichentrickfilms Jeannot L’intrépide (Frankreich 1951, Regie: Jean Image) unter dem Titel Däumlings wundersame Reisen und Abenteuer heraus.

 

Oktober 1955. Delegation des DEFA-Studios für Trickfilme Dresden in der Tschechoslowakei

Anfang Oktober 1955 besuchen Direktor Carl Deutschmann, Chefdramaturg Rolf Cichon sowie die Regisseure Johannes Hempel und Kurt Weiler vom Dresdner DEFA-Trickfilmstudio die Zentren der Trickfilmproduktion in der Tschechoslowakei – die Studios in Prag und Gottwaldov (bis 1949 und ab 1990 „Zlín“). Beim ersten Auslandskontakt des Dresdner Trickfilmstudios treffen sie dort vor allem mit ihren Kollegen Jiří Trnka, Hermína Týrlová und Karel Zeman zusammen. Im zwölfseitigen Reisebericht gibt Deutschmann detailliert die Erfahrungen der Begegnungen wieder, die arbeits- und stilprägend für die weitere Tätigkeit des DEFA-Studios werden sollen:

„Unsere hauptsächlichste Aufgabe war es, uns über den Stand der künstlerischen und technischen Arbeiten im Puppenfilm zu informieren, um unsere Arbeit auf diesem Gebiet schneller vorantreiben zu können. Darüberhinaus haben wir uns ebenfalls auf dem Gebiet des Zeichenfilms, der Flachfigurenproduktion, der Dramaturgie, der Verwaltung und Leitung des Betriebes informiert.“
(Carl Deutschmann: Bericht über die Ergebnisse der Studienreise der Delegation des Trickfilmstudios in die CSR. In: BArch, DR 1/4072a, S. 1)

 

11. Dezember 1955. Deutsche Erstaufführung des tschechoslowakischen Farbfilms Reise in die Urzeit

Filmwerbung zu Reise in die Urzeit, Karel Zeman, ČSR 1955. Quelle: Filmspiegel Nr. 20/1955

Filmwerbung zu Reise in die Urzeit, Karel Zeman, ČSR 1955. Quelle: Filmspiegel Nr. 20/1955

Der kombinierte tschechoslowakische Farbfilm Reise in die Urzeit (Cesta do Pravěku, 1955) von Karel Zeman erlebt seine deutsche Erstaufführung. Das in den Studios von Gottwaldov entstandene und auf den Filmfestspielen von Venedig mit einer Goldmedaille für den besten Kinderfilm ausgezeichnete Werk wird im Rahmen einer von der „Gesellschaft zur Verbreitung wissenschaftlicher Kenntnisse“ durchgeführten festlichen Sonntags-Matinee im Berliner „Babylon“ gezeigt.

Vier Jungen werden in eine von Stop-Motion-Dinosauriern aus der Werkstatt von Karel Zeman bevölkerte Urzeit versetzt.

„Der Film […] ist eine wissenschaftliche Darstellung der Entwicklung der Erde und des pflanzlichen und tierischen Lebens. Er beweist die Unhaltbarkeit der religiösen, unwissenschaftlichen Anschauung vom Schöpferakt der Entstehung der Welt. […] Die Schwierigkeit bei diesem Film bestand vor allem darin, Spiel-, Puppen- und Trickfilm zu verbinden und jede Zerrissenheit und Unwirklichkeit zu vermeiden.“
(H. Schl.: Reise in die Urzeit. Neues Deutschland, Nr. 291, 13.12.1955)

Der Film wird in der DDR in der DEFA-Synchronfassung vorgeführt, die Erzählerstimme spricht Arno Wyzniewski. Erst nach 1976 dürfte das Werk erstmals im Westen Deutschlands im ZDF mit dem Titel Dinomania – Reise in die Urwelt zu sehen sein, hier übernimmt den Sprecherpart Jens Wawrczeck.

Publikation

  • Reise in die Urzeit. Der Filmspiegel, Nr. 20, 1955 [bebilderte IV. Umschlagseite]

 

23. Dezember 1955. Das erste Heft „Mosaik“ erscheint in der DDR

Unter dem Titel „Mit Dig, Dag, Digedag auf der Jagd nach dem Golde“ erscheint das erste „Mosaik“-Heft aus der Feder von Hannes Hegen (=Johannes Hegenbarth) am 23. Dezember 1955 im Ostberliner Verlag Neues Leben.

Die drei Kobolde „Digedags“ agieren bis 1975, dann steigen die „Abrafaxe“ unter anderer künstlerischer Ägide als Handlungsträger ein. Filmische Umsetzungen erfolgen erst Jahrzehnte später. Den – leider nicht beendeten – Versuch eines ersten Zeichentrickfilms unternimmt 1995 der Produzent Tony Loeser mit Dig, Dag und Ritter Runkel, und 1998 erscheint als VHS-Version die zwanzigminütige Trickkombination Die Digedags in grauer Vorzeit nach einem Drehbuch von Rolf Giesen. Mit Die Abrafaxe – Unter schwarzer Flagge gibt es 2001 eine abendfüllende Adaption von „Mosaik“-Geschichten durch Gerhard Hahn und Anthony Power.

Publikation

  • Bernd Lindner: Die drei Leben des Zeichners Johannes Hegenbarth. Nürnberg 2017

 

1956. Werbefilme von Hans Fischerkoesen

Aus Fischerkoesens Studio stammen 1956 die Werbefilme: Fix (Werbung für Teefix aus dem Hause Teekanne), Die frohen Drei, Im Garten Eden, Die Licht-Biennale (Werbung für Osram-Leuchtstofflampen), Mein schönstes Lied, Das Sonnenkind und Stragula-Linoleum-Teppiche – Gut aufgelegt (Werbung für Fußbodenbeläge und für Linoleum der Deutschen Linoleum Werke A.-G.).

 

1956. Filme der Gebrüder Diehl

Von den Gebrüdern Diehl stammt der Kurzfilm Kasperl im Wilden Westen (Kasperl Larifari im Wilden Westen). Mit den Werbefilmen Infratherm und Airotherm sowie Beendeter Kampf beliefern die Diehls 1956 die AEG, mit Des Pudels Kern werben sie für Walther Rechenmaschinen.

 

1956. Animationsfilme aus dem DEFA-Studio für Trickfilme Dresden

Im ersten vollen Jahr ihres Bestehens liefern die neugegründeten Dresdner Ateliers u. a. an den staatlichen Verleih Progress:

 

15. März 1956. Liquidation der Deutschen Zeichenfilm GmbH

In West-Berlin wird die Deutsche Zeichenfilm GmbH endgültig mangels Masse liquidiert. Es liegt hierzu vom 15. März 1956 vor ein

„Bericht des Wirtschaftsprüfers Dipl.-Kfm. Martin Böttcher Berlin-Charlottenburg über die Prüfung der Jahresabschlüsse vom 31. Mai 1945 bis 31. Mai 1955 der Deutschen Zeichenfilm G.m.b.H. i. L. Berlin

Kurzbericht

über die rechtlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse

der Deutschen Zeichenfilm G.m.b.H. i. L., Berlin sowie über die Entwicklung der Bilanzen in der Zeit vom

31. Mai 1945 bis zum 31. Mai 1955“

Darin heißt es u. a.:

„Gegenstand des Unternehmens war gem. § 2 des Gesellschaftervertrages die Herstellung und der Vertrieb von künstlerisch hochstehenden Zeichenfilmen aller Art. Das Unternehmen war als selbständige Produktionsgesellschaft aufgezogen und wurde aus dem sogenannten Kulturfilm-Förderungsfonds finanziert. Die Subventionen wurden jedoch bereits während des Krieges eingestellt, wodurch die Produktion der Deutschen Zeichenfilm G.m.b.H. noch vor dem Zusammenbruch zum Erliegen kam. Nach dem Kriege hat die Gesellschaft keinerlei Geschäftstätigkeit mehr ausgeübt. Die Wahrnehmung der Gesellschaftsinteressen und die Verwaltung der in Westberlin verbliebenen Vermögenswerte erfolgte durch die Ufa-Film G.m.b.H. i. L.

Die bei Kriegsende noch im heutigen Ostsektor von Berlin vorhanden gewesene Geschäftseinrichtung (maschinelle Anlagen, Inventarien, Hilfs- und Betriebsstoffe) wurden von der sowjetischen Besatzungsmacht beschlagnahmt bzw. von der DEFA übernommen.“ (S. 2)

„Für die Filmrechte an den hergestellten bzw. projektierten Trickzeichenfilmen wurde in dem Status ein Erinnerungsposten von RM 1.– ausgewiesen, der mit DM 1.– in die DM-Eröffnungsbilanz übernommen und seitdem unverändert fortgeführt wurde. Inwieweit eine Aus- bzw. Verwertung dieser Rechte auch heute noch möglich ist, kann abschließend nicht beurteilt werden, zumal unbekannt ist, ob und in welchem Umfange hierfür noch Material vorhanden ist.“ (S. 3 f.)
(Dokument in: BArch, R 109/1/4495, Kopie in DIAF/Sammlung J. P. Storm)

 

7.–12. Mai 1956. DEFA-Puppentrickfilme zur 5. Mannheimer Kultur- und Dokumentarfilmwoche

Während der 5. Kultur- und Dokumentarfilmwoche laufen in Mannheim zwei Puppentrickfilme der DDR-Regisseure Johannes Hempel und Kurt Weiler:

„Daß in dem angekündigten Programm ‚Die besten Puppenfilme der Weltʻ auch die DEFA- Filme Die gestohlene Nase von Kurt Weiler und Till Eulenspiegel als Türmer von Johannes Hempel gezeigt wurden und beide starken Beifall erhielten, stellt unserem jungen Puppen- und Zeichentrickstudio in Dresden ein gutes Zeugnis aus.“
(Horst Knietzsch: Das Festival der Dokumentarfilme. In: Neues Deutschland, Nr. 121, 10.5.1956)

 

18. Mai 1956. Kinostart von Der kleine Häwelmann

Nach dem nicht abgenommenen Debüt Ausgang erlaubt bringt Regisseur Herbert K. Schulz seinen ersten Film, die Real-Trick-Kombination Der kleine Häwelmann in die Kinos. Kameramann Erich Günther, der auch für Kurt Weiler arbeitet, wird nach dem Weggang aus Dresden zu einem der gefragtesten Trickspezialisten der DEFA in Babelsberg. Im Kleinen Häwelmann hat er im DEFA-Trickfilmstudio Dresden zum ersten Mal den „Spiegeltrick“ angewandt, für den er sich „extra aus Berlin bedampfte Metallspiegel besorgt“ habe. (Erich Günther im Gespräch mit Volker Petzold, 6.7.2005 in Kleinmachnow)

 

1. August 1956. Gerhard Behrendt und Rolf Sperling wechseln zum DFF

Der Gestalter Gerhard Behrendt und der Kameramann Rolf Sperling, beide im Stab von Johannes Hempel aktiv, beenden ihre Tätigkeiten im DEFA-Trickfilmstudio Dresden und wechseln zum DFF nach Berlin-Adlershof. Sie folgen damit einem Ruf des DFF-Programmchefs Walter Heynowski. Das Dresdner DEFA-Studio beschwert sich hernach beim Ministerrat der DDR über „Abwerbung von Fachkräften durch den Deutschen Fernsehfunk“. Behrendt solle „auch an andere Mitarbeiter des Dresdner Studios herangetreten sein, um diese ebenfalls für den Deutschen Fernsehfunk zu gewinnen“. (Aktennotiz des DFF vom 29.8.1956. In: BArch, DR 8/353)

 

29. August 1956. „Der Spiegel“ titelt mit Hans Fischerkoesen

„Der Spiegel“ bringt in seiner Ausgabe 35/1956 eine Titelgeschichte über Hans Fischerkoesen – ungewöhnlich, weil es die einzige ist, die jemals einem deutschen Animationsfilmhersteller gewidmet wird. Das Titelblatt der Ausgabe zeigt Fischerkoesen mit Zigarre inmitten seiner humorvollen Tier- und Werbefiguren, ein Werbe- und Animationsfilmpatriarch im Wirtschaftswunder.

Anlass des Beitrags ist die Premiere seines innovativen Werbeanimationsfilms Durch Nacht zum Licht Mitte August 1956.

„Hans Fischerkoesen – so nennt sich der kleine korpulente Herr mit der herrisch in den Mundwinkel gestülpten Zigarre – fühlt sich endlich stark genug, Walt Disney in dessen Heimatland herauszufordern. Seine wirtschaftliche und künstlerische Vormachtstellung als Werbe-Zeichenfilmfabrikant in Deutschland ist gesichert: Mit einem Jahresumsatz von sechs Millionen Mark steht Fischerkoesen weit an der Spitze der westdeutschen Werbetrickfilmproduzenten.“

Jetzt plane er, den amerikanischen Fernsehmarkt zu erobern:

„Mit dem Bau eines Ateliers, in dem die Werbefilme für die amerikanischen Fernseh-Sender hergestellt werden sollen, will er in den nächsten Wochen beginnen.“ Die Versuche scheitern schließlich.

„An heutigen graphischen Gesichtspunkten gemessen, sind Fischerkoesens Figuren in überraschend simpler, provinzieller Manier gezeichnet, die einen Vergleich etwa mit Walt Disneys urbaner, kräftig konturierter und einfallsreicherer Zeichentechnik nicht bestehen kann. Die Charakteristiken der Fischerkoesen-Figuren könnten von einem Grundschüler entworfen sein; rote Knollennasen, runde Apfelbäckchen, Punkt-Augen, Kartoffelbäuche, Streichholzbeine.“

Publikationen

 

7. September 1956. Sendestart der Reihe Zeitgezeichnet im DFF

Der dänische Karikaturist Herluf Bidstrup (r.) in der 100. Sendung Zeitgezeichnet. v.l. Walter Heynowski, Rolf Sperling. Quelle: Archiv Petzold

Der dänische Karikaturist Herluf Bidstrup (r.) in der 100. Sendung Zeitgezeichnet. v.l. Walter Heynowski, Rolf Sperling. Quelle: Archiv Petzold

Die Idee für kurze, auf die aktuelle Politik reagierende Filme stammt von dem zuvor bei der Satirezeitschrift „Der Eulenspiegel“ als Redaktionsleiter tätigen und späteren Dokumentarfilmer Walter Heynowski. Seine Reihe Zeitgezeichnet wird erstmals ausgestrahlt am 7. September 1956: Der Münchener Karikaturist Harry Müller-Ebing hinterfragt darin die Bundesrepublik als Wirtschaftswunderland. In einem Zyklus von Zeichnungen werden gefüllte Schaufenster und die militärische Aufrüstung nebeneinander gestellt. Der Karikaturist skizziert seine Bilder vor laufender Kamera auf eine große Planglasscheibe; in späteren Folgen kommen animierte Passagen hinzu.

„Hilfsmittel waren dabei Kamerafahrten (etwa an einer längeren Zeichnung entlang), Überblendungen und der Einsatz beweglicher und/oder verschiebbarer Figuren bzw. die Lege- und Zeichentricktechnik.“
(Jens Thiel, Ralf Forster: „SS wählt Adenauer“. Die Bundesrepublik im politischen Trickfilm des DDR-Fernsehens bis 1961. In: Filmblatt, Nr. 17, Herbst 2001, S. 26 f.)

Mit der wenig später, am 27. September 1956 gegründeten Redaktion Zeichen- und Puppensatire entsteht unter DFF-Programmchef Walter Heynowski die „Urform“ des TV-eigenen Trickfilmstudios, dessen politische Ausrichtung bis 1959 bestimmend bleibt. Hauptangriffspunkte der bissigen, zum Teil animierten politische Satirefilme sind die Bundesrepublik Deutschland, die dortige Aufrüstung und nationalsozialistische Verstrickungen führender BRD-Politiker.

Im Bereich „animierte Grafik“ arbeiten u. a. Rolf Sperling, der „Eulenspiegel“-Zeichner Peter Dittrich und der bekannte Karikaturist und „Maler von Theresienstadt“ Leo Haas, während in der Abteilung „Puppe“ (kurz darauf „Puppenstudio“) der spätere Sandmann-Erfinder Gerhard Behrendt (1929–2006) erste Erfahrungen mit animierten Puppenfilmen sammelt. Neben den Serien Zeitgezeichnet (bis 1959, 245 Folgen), Kammerdiener Schlinge und Tele-Studio West realisiert die Redaktion Zeichen- und Puppensatire auch aktuell-politische Karikaturen für die Hauptnachrichtensendung des DFF, die Aktuelle Kamera, sowie – in Regie von Gerhard Behrendt – die Rätselsendereihe Zweierlei – und doch nur eins (Prof. Köpfchen, 1957–59, 36 Folgen) und den Stabpuppenfilm Wo blieb der General von Tickenstein? (1959).

Von Walter Heynowski gibt es zu jener Zeit ganz spezielle Visionen:

„In Berlin unter der Obhut des Deutschen Fernsehfunks könnte sich in weiterer Zukunft ein Graphisches Studio für die Bedürfnisse aller sozialistischen Fernsehstationen entwickeln. Die Gleichheit der politischen und künstlerischen Auffassungen (Soz. Realismus) lassen eine solche Perspektive möglich erscheinen.

Die Puppensendungen sollten in einem Puppenstudio ebenfalls weiterentwickelt werden, wobei allerdings in der weiteren Perspektive eine internationale Konzentration in Prag erfolgen könnte. Dort ist das beste Puppenspiel der Welt zu Hause. Und warum könnten nicht später Genossen wie Behrendt in diesem Zentrum in Prag arbeiten?“
(Walter Heynowski: Eins – zwei – drei – vier – usw. Jahre vorwärts geschaut. Eine Zukunftsplauderei mit dem Genossen Intendanten. Internes Material [1958], BArch, DR 8/456, S. 3)

Publikationen

  • Jens Thiel, Ralf Forster: Leo Haas und der Film. Politische Satire „in einer harten, ironischen Weise“. In: Filmblatt, Nr. 10, Sommer 1999, S. 24 ff.
  • Jens Thiel, Ralf Forster: „SS wählt Adenauer“. Die Bundesrepublik im politischen Trickfilm des DDR-Fernsehens bis 1961. In: Filmblatt, Nr. 17, Herbst 2001, S. 26 ff.
  • Volker Petzold: Das Trickfilmstudio des DDR-Fernsehens. In: Lexikon des Kinder- und Jugendfilms. 14. Erg.-Lfg. Juli 2003, S. 1 ff.
  • Jörg-Uwe Fischer: Propaganda im Puppenspiel. Politische Puppenfilme des Deutschen Fernsehfunks in den 50er Jahren. In: Medien – Archive – Information, 3/2004, S. 177 ff.

 

28. September 1956. Zauber im Zeichenfilm von FSK geprüft

Der Dokumentarfilm Zauber im Zeichenfilm stammt vom Altmeister des deutschen Werbetrickfilms, Wolfgang Kaskeline (1897–1973), er entsteht zusammen mit seinem Sohn Heinz Kaskeline (1926–2011).

Der Film verfolgt die Herstellung eines Zeichentrickfilms vom Entwurf bis zur fertigen Kopie. Er erhält das Prädikat „wertvoll“ und ist offizieller bundesdeutscher Beitrag auf der Biennale, September 1956 in Venedig.

„Das Festprogramm wurde glücklich und stimmungsvoll eingeleitet mit einem possierlichen deutschen Film, der sich Zauber im Zeichenfilm nennt und ganz so ist wie der Name seines Schöpfers: Kaskeline, heiter, skurril und unangestrengt – eine technisch gewitzte und wenige Arbeit bei tragbarem Text und hingehörter Musik.“
(Die Welt)

Aus dem Kaskeline-Atelier stammen 1956 noch die Werbefilme Die traurige Prinzessin und Gavotte (beide Werbung für Sarotti-Schokolade).

Kaskeline-Film ist nach dem Zweiten Weltkrieg in Berlin-Charlottenburg, Reichsstraße 9 (später Charlottenburger Chaussee 51–55), ansässig und realisiert – entsprechend des Metiers des erfahrenen Firmenchefs Wolfgang Kaskeline – vorwiegend gezeichnete Werbekurzfilme. In den 1950er Jahren dehnt die Firma das Profil auf kurze Dokumentarfilme aus. 1962 übernehmen die Söhne Heinz und Horst Kaskeline das Unternehmen. 1988 wird es in eine private Filmakademie umgewandelt.

 

Oktober 1956. Preis für tschechische Animationsfilme in Oberhausen

Im Zuge der politischen Öffnung nach Osten der damals noch im Herbst stattfindenden III. Westdeutschen Kulturfilmtage Oberhausen (ab 1959 „Westdeutsche Kurzfilmtage“) gelangen 1956 auch tschechische Animationsfilme ins Programm. Zu einem der wohl markantesten künstlerischen Ereignisse des damaligen Festivals wird die Präsenz Jiří Trnkas und seines Zeichentrickfilms Federmann und die SS (Pérák a SS, ČSR 1946), der gemeinsam mit Břetislav Pojars Puppentrickfilm Ein Gläschen zuviel (O skleničku víc, ČSR 1953) einen „1. Preis“ des Festivals erhält.

Publikation

  • Andreas Kötzing: Kultur- und Filmpolitik im Kalten Krieg. Die Filmfestivals von Leipzig und Oberhausen in gesamtdeutscher Perspektive 1954–1972. Göttingen 2013, S. 70 ff.

 

November 1956. Erstmals animierte Werbetrenner im deutschen Werbefernsehen

Werbetrenner "Löwe Leo" vom Bayerischen Rundfunk. ©BR, Historisches Archiv/Sessner

Werbetrenner »Löwe Leo« vom Bayerischen Rundfunk. ©BR, Historisches Archiv/Sessner

Der Bayerische Rundfunk beginnt mit Werbefernsehsendungen im Vorabendprogramm. Aufgrund des Fernsehvertrages der Länder aus dem Jahr 1953 muss der Beginn der Fernsehwerbung durch ein optisches Signal unmissverständlich für den Zuschauer gekennzeichnet werden. Die Folge sind animierte Werbetrenner (auch Zwischenblenden oder Inserts genannt), bevorzugt figürliche. Sogleich 1956 führt der Bayerische Rundfunk Löwe Leo ein, den unter dem Kürzel JOB Johannes Behler zeichnet.

 

14. Dezember 1956. Bundesdeutscher Kinostart von Susi und Strolch

Disney hat inzwischen auch in der Bundesrepublik einen neuen Verleih: Herbert Tischendorfs Herzog-Filmverleih bringt den CinemaScope-Farbfilm Susi und Strolch (Lady and the Tramp, USA 1955, Regie: Hamilton Luske, Clyde Geronimi, Wilfried Jackson) in die bundesdeutschen Kinos. Dr. Kurt Simon hat die RKO Synchron-Abteilung privatisiert und daraus die Simoton Film GmbH in Berlin-Lankwitz gemacht, die für die nächsten zwei Jahrzehnte exklusiv alle Disney-Filme bearbeitet. Dr. Hermann Gressieker schreibt das Dialogbuch für den Hundefilm.

 

26. Dezember 1956. Erstausstrahlung von Alarm unterm Weihnachtsbaum im DFF

Gerhard Behrendt bei der Arbeit an Alarm unterm Weihnachtsbaum, Gerhard Behrendt, DDR 1956. ©Archiv Petzold

Gerhard Behrendt bei der Arbeit an Alarm unterm Weihnachtsbaum, Gerhard Behrendt, DDR 1956. ©Archiv Petzold

Gerhard Behrendt realisiert als Regisseur und Gestalter in der DFF-Redaktion „Zeichen- und Puppensatire“ innerhalb von drei Wochen seinen ersten Puppentrickfilm für Kinder Alarm unterm Weihnachtsbaum (auch: Alarm im Weihnachtsbaum). Gedreht wird in Schwarz-weiß auf 16mm-Umkehrfilm. Die Musik des zwanzigminütigen Streifens wird während der Sendung am 26. Dezember 1956 direkt vom Jazz- und Unterhaltungsmusiker Willibald Winkler eingespielt, nachdem die Programmzeitschrift „Unser Rundfunk“ angekündigt hat:

„Ein Puppentrickfilm des Deutschen Fernsehfunks für Kinder und alle, die es wieder werden wollen“
(Unser Rundfunk, Heft 52, 23.– 29.12.1956, Eintrag für den 26.12.1956)

 

1957. Werbefilme von Hans Fischerkoesen

Hans Fischerkoesen zeigt 1957 die Werbefilme Die Augenweide, Die blaue Blume, Dichosa tranquilidad, Endstation Mahlzeit, Der entscheidende Punkt, Faber Castell – Spiel mit Kugeln, Der Fernsehkoch, Die große Liebe, Hinter verschlossenen Türen (Werbung für Hakle-Toilettenpapier), Die Jungmühle, Das lockende Ziel (Werbung für Cornelia-Kaffee der Firma Cornelius Stüssgen Köln), Das Nervenbündel (Werbung für Buer-Licithin), Non plus Ultrapas (Werbung für Kunststoffplatten Ultrapas), Revue, Das Rezept (Werbung für Aral), Die Sportkanone, Star-Revue (Werbung für Film- und Fernsehzeitschrift), Unübertroffen und Waschtag adé!

 

1957. Neues von den Gebrüdern Diehl

Neben dem von der Bundeszentrale für Heimatdienst, Bonn, in Auftrag gegebenen Wochenschau-Beitrag Der Liebesbrief mit Igel Mecki werben die Gebrüder Diehl mit Märchen und Wirklichkeit, Die guten Geister, Das Herz des Heims, Eine ideale Sache, Die Stoppelballade für AEG und mit Es geht um Zeitgewinn für Kabuco.

 

1957. Animationsfilme aus dem DEFA-Studio für Trickfilme Dresden

 

Ernte gut, alles gut, Klaus Georgi, DDR 1957. ©DEFA-Stiftung/DIAF

Ernte gut, alles gut, Klaus Georgi, DDR 1957. ©DEFA-Stiftung/DIAF

Im Jahre 1957 bringt das DEFA-Studio für Trickfilme Dresden u. a. ins Kino:

 

1957. Buchpublikation „Gezeichnete Filme“ erscheint

Titel des Buches "Gezeichnete Filme“ von John Halas, Bob Privett und Frank Frese (1957). Quelle: Buch

Titel des Buches »Gezeichnete Filme“ von John Halas, Bob Privett und Frank Frese (1957). Quelle: Buch

Ziemlich genau 30 Jahre nach seiner in Halle (Saale) herausgegebenen Publikation „Der gezeichnete Film“ (Animated Cartoons) bringt der Knapp-Verlag – nun ansässig in Düsseldorf – den Band „Gezeichnete Filme“ (How to Cartoon for Amateur Films, Focal Press, London 1951) von John Halas und Bob Privett in die Buchhandlungen. Er ist übersetzt, bearbeitet und ergänzt von Frank Frese.

 

1. April 1957. Bundesdeutscher Kinostart von Der Fluch vom Monte Bravo

Das amerikanisch-mexikanische CinemaScope Der Fluch vom Monte Bravo (Beast of Hollow Mountain, 1956, Regie: Edward Nassour, Ismael Rodríguez) basiert auf einer Idee des Stop-Motion-Meisters Willis H. O’Brien, der allerdings an den Replacement-Animationen selbst nicht beteiligt gewesen ist.

 

19. April 1957. Kinostart von Bauer Sorglos

Das Gegenwartssujet Bauer Sorglos von Johannes Hempel kommt am 19. April 1957 in die Kinos der DDR. In dem Puppentrickfilm gelangen erstmals bei der DEFA Drahtfiguren zur Anwendung, die in diesem Falle Gerhard Behrendt gestaltet hat. Ist es hier noch sperriger Eisendraht, nutzt Hempel wenig später in seinem Großprojekt Die seltsame Historia von den Schiltbürgern (1961) Bleidraht als „Skelett“ der Figuren. Ab 1961/62 entwickeln dann Jörg Herrmann und Günter Rätz Figuren aus Aluminiumdraht, der flexibler und weniger brüchig ist. Er kommt erstmals in der Drahtfigurenserie (später auch Filopat & Patafil) zum Einsatz. Von da an wird Regisseur Günter Rätz, der bereits für Bauer Sorglos animiert hat, in seinen Filmen nur noch Figuren aus Draht einsetzen.

 

29. April 1957. FSK-Prüfung von Gerhard Fiebers Es war einmal

Der Kurz-Animationsfilm Es war einmal (Eine wahre Geschichte von höherer Vogelwarte aus gesehen) von Gerhard Fieber (Drehbuch: Boris von Borresholm, Kamera: Gerhard Huttula) erscheint nach der FSK-Prüfung als Beiprogramm bei MGM.

 

14. Mai 1957. Bundesdeutscher Kinostart von Fliegende Untertassen greifen an

Die Columbia-Filmgesellschaft bringt den amerikanischen Science-Fiction-Film Fliegende Untertassen greifen an (Earth vs. the Flying Saucers, 1956, Regie: Fred F. Sears) heraus. Der Low-Budget-Spielfilm mit Stop-Motion-Sequenzen gilt als Blaupause von Independence Day. Die von seinem Vater Fred aus Aluminium gebauten UFO-Modelle hat Ray Harryhausen animiert, der mit dem deutschen Emigranten Curt Siodmak auch an der Story arbeitet.

 

6. September 1957. Bundesdeutscher Kinostart von Die Bestie aus dem Weltenraum

Ein weiterer Spielfilm mit Stop-Motion-Effekten von Ray Harryhausen erlebt im Verleih der Columbia seine deutsche Premiere: Die Bestie aus dem Weltenraum (20 Million Miles to Earth, USA/Italien 1956, Regie: Nathan H. Juran, Lawrence W. Butler). Die Außenaufnahmen zu diesem Film entstehen in Rom, die Atelieraufnahmen in Hollywood.

 

September/Oktober 1957. Bundesdeutscher Kinostart von Die Tierwelt ruft mit einer animierten Dinosauriersequenz

Irwin Allens Dokumentarfilm Die Tierwelt ruft (The Animal World, USA 1957), der im Verleih der Warner Bros.-Continental herauskommt, beginnt mit einem Prolog unter animierten Dinosauriern, den Willis O’Brien und Ray Harryhausen gestaltet haben.

 

27. November bis 10. Dezember 1957. Jiří Trnka-Ausstellung in West-Berlin

Im Rathaus Berlin-Kreuzberg findet eine umfangreiche Ausstellung „Jiří Trnka – Prag“ statt. Sie wird zunächst auch im Ostteil der Stadt wohlwollend wahrgenommen, am Ende kommt es zu einem Eklat:

„Man hatte im Bezirk Kreuzberg eine Ausstellung des weltberühmten tschechoslowakischen Künstlers Jiri Trnka veranstaltet, die sehr großen Anklang bei der Westberliner Bevölkerung fand. Vor dem Ausstellungssaal wehte die Flagge der CSR. […] Dort genügt eine Fahne […], um die von Goebbels erfundene ‚kochende Volksseele‘ Gift sprudeln zu lassen. Gift des Antikommunismus und des Chauvinismus! Im Falle der Trnka-Ausstellung wurde der sogenannten Sudetendeutschen Landsmannschaft die Rolle der Volksseele zugedacht. […] Die Fahne der CSR mußte niedergeholt werden. Auf Anordnung des Senats!

Wie hinterhältig war das alles eingefädelt! Die Landsmannschaften gehören nämlich zu dem Rattenschwanz von faschistischen und Agentenorganisationen, derer sich der Senat in seiner Politik bedient, die er mitgeschaffen hat und die er aus den Steuergeldern unserer Westberliner Mitbürger nach Kräften finanziert.“
(Wi.: Bestellte Empörung. In: Berliner Zeitung, Nr. 290, 12.12.1957)

Die Ausstellung tourt danach noch durch die Bundesrepublik, nächste Station sind die nun im Februar 1958 stattfindenden Westdeutschen Kurzfilmtage Oberhausen, wo erneut auch ein Filmprogramm des Meisters gezeigt wird.

 

1958. Werbefilme von Hans Fischerkoesen

Hans Fischerkoesens Studio produziert 1958 Barcarole, Blau & weiß (Werbung für Tempo-Taschentücher), Consul Crown (Werbung für Gasfeuerzeuge), Die drei Delikaten nach Schweizer Art (Werbung für Thomys Senf, Mayonnaise und Remoulade in Tuben), 300, Das Familienalbum, Gestern und Heute, Höhere Diplomatie, In 1 Minute, Instantina, K 2 r, Das Konzert (Werbung für Aral), Spüli, Die Stadtrundfahrt (Werbung für Tchibo-Kaffee), Ein Tip – Freude zu bereiten und Wertvolle Schätze.

 

1958. Onkel Otto erscheint im Hessischen Rundfunk

"Onkel Otto", das Maskottchen des Hessischen Rundfunks. ©HR

»Onkel Otto«, das Maskottchen des Hessischen Rundfunks. ©HR

Hans Fischerkoesen entwickelt 1958 für den Hessischen Rundfunk eine Figur in Zeichentrick als Werbetrenner und Pausenfüller, die – das Wortspiel bewusst nutzend – als Fern-See(h)hund daherkommt. Die Zuschauer taufen sie wenig später Onkel Otto.

 

1958. Festwochen und Revuen

MGM startet ihre Tom & Jerry-Festwochen. Die bereits von der Auflösung bedrohte RKO Radio Filmgesellschaft folgt dem Beispiel und bringt Die neue Micky Maus Revue (Micky Maus total verrückt) in die Kinos. Die Kompilation enthält Cartoons wie Shanghaied, Midnight in a Toy Shop, Monkey Melodies und Goofy and Wilbur.

 

1958. Das HB-Männchen entsteht

Dr. Werner Kruse betreibt nach dem Krieg zuerst die Trias-Film in Berlin-Schlachtensee, später die Kruse-Film. Mit ihr übersiedelt er 1959 nach München.

HB-Männchen um 1970 (originale Zeichenfolie auf Hintergrund). ©DIAF/Nachlass Schulz/Küssner

HB-Männchen um 1970 (originale Zeichenfolie auf Hintergrund). ©DIAF/Nachlass Schulz/Küssner

Ab 1958 stellt er im Auftrag von „Haus Bergmann“ (British American Tobacco B.A.T.) mehr als 400 Spots mit dem HB-Männchen her. Haus Bergmann war eine 1923 von Carl Bergmann in Dresden gegründete Zigarettenfabrik, die 1932 durch Aufkauf von B.A.T. zu deren Tochter wurde. Nach dem Krieg produziert B.A.T. in Hamburg, Ahrensburg, West-Berlin und Bayreuth.

Das HB-Männchen ist strategischer Teil einer seit 1958 laufenden großen Werbekampagne, um die „HB“ als Marke und Filterzigarette deutschland- und weltweit zu etablieren. Die Idee zu einem Männchen und dessen charakterlichem Profil stammt wohl von Karl-Heinz Gramm, dem Chef von B.A.T.s Düsseldorfer Agentur Werbe-Gramm. Ausgebaut und zur Blüte gebracht hat das Konzept Roland Töpfer.

Töpfer, 1929 in Chemnitz geboren, technischer Zeichner und Textildesigner, gerät 1951 nach einem Studium an der Kunstakademie in Dresden an die DEFA in Babelsberg, wo er die Gründung des DEFA-Studios für populärwissenschaftliche Filme und die Errichtung des Trickateliers Anfang 1953 miterlebt. Im August 1953 geht er zu Kruse nach West-Berlin und arbeitet fortan in dessen Firma als Zeichner und Animator.

Mit der unverwechselbaren Gestalt, die hilflos den Tücken des Lebens und des Alltags ausgesetzt ist, und dem erlösenden, gottesähnlichen Kommentar „Halt, mein Freund! Wer wird denn gleich in die Luft gehen? Greife lieber zur HB, dann geht alles wie von selbst!“ wird das HB-Männchen, intern auch „Bruno“ genannt, zur wohl berühmtesten Werbefigur Nachkriegs-Deutschlands, zur „Kultfigur“ schlechthin. Und „ganz nebenbei“ baut es die Zigarettenmarke „HB“ zur Nr. 1 in der Bundesrepublik der 1960er Jahre aus. Nach Töpfer waren die Vorgaben der Auftraggeber zur Figur:

„Das was er tut, musste eine Tätigkeit sein, die jedem Privatmann passiert. Er darf keinen bestimmten Beruf haben. Er darf sozial nicht zu hoch und nicht zu niedrig angesetzt werden, sollte etwa in der Mitte angesiedelt sein. Er ist immer allein. Er hat keine Verwandtschaft.“
(Roland Töpfer zit. in: Gerhard Paul: Das HB-Männchen. Die Werbefigur der Wirtschaftswundergesellschaft. In: Gerhard Paul (Hg.): Das Jahrhundert der Bilder – 1949 bis heute. Göttingen 2008, [2. Band] S. 273)

Das Zigarettenwerbeverbot im Fernsehen verdrängt Bruno 1972 vom Fernseh-Bildschirm, wegen Verstoßes gegen die Werberichtlinien des Verbandes der Zigarettenindustrie von 1966 muss 1984 auch die Kinowerbung eingestellt werden. Roland Töpfer verstirbt 1999.

Publikationen

  • Wir stellen vor: Roland Töpfer. Trickfilmbrief Nr. 7. Berlin, 1/1978, S. 22 ff.
  • Günter Agde: Flimmernde Versprechen. Geschichte des deutschen Werbefilms im Kino seit 1897. Berlin 1998
  • Hans Otto Eglau: HB – Deutschlands Dauerbrenner. Die Zeit, Nr. 35, 28.8.1970
  • Gerhard Paul: Das HB-Männchen – Werbefigur des Wirtschaftswunders. In: Zeithistorische Forschungen, Heft 1-2/2007. https://zeithistorische-forschungen.de/1-2-2007/4633
  • Gerhard Paul: Das HB-Männchen. Die Werbefigur der Wirtschaftswundergesellschaft. In: Gerhard Paul (Hg.): Das Jahrhundert der Bilder – 1949 bis heute. Göttingen 2008, S. 218 ff. [2. Band]
  • DVD: Das HB-Männchen in seinen besten Spots, Tacker-Film Köln

 

1958. Neues von den Diehls und von Rolf Kauka

Von den Gebrüdern Diehl erscheint 1958 Das Werkkonzert, ein Wochenschau-Beitrag mit Mecki.

In der Kauka-Film-Produktion wird in Zagreb und München im Auftrag von BMW von Walter Neugebauer ein Isetta-Spot hergestellt. Anschließend werden Animationsfilm-Projekte mit Fix und Foxi und Münchhausen begonnen, aber nicht fertiggestellt. Rolf Kauka hat auch Ambitionen, eine Puppenfilm-Produktion unter Werner Hierl zu entwickeln, aber der Plan scheitert.

 

1958. Comics und Veröffentlichungen

Im Bastei-Verlag Gustav H. Lübbe erscheinen die frühen „Felix“-Bildergeschichten des Animationsfilmpioniers Otto Messmer. Der Alfons Semrau-Verlag bringt erstmals den frankobelgischen „Lucky Luke“ von Morris (Maurice de Bevere) in deutscher Sprache. Im Verlag Lange in Braunschweig erscheint in der Schmalfilm-Truhe ein 48-seitiger Band von Klaus Unbehaun: „Tricks beleben den Film“.

 

1958. Animationsfilme aus dem DEFA-Studio für Trickfilme Dresden

Ferienerlebnisse, Otto Sacher, DDR 1957. ©DEFA-Stiftung/DIAF

Ferienerlebnisse, Otto Sacher, DDR 1957. ©DEFA-Stiftung/DIAF

Im Jahre 1958 bringt das DEFA-Studio für Trickfilme Dresden u. a. ins Kino:

 

15. Januar 1958. Uraufführung des Spielfilms Das Wirtshaus im Spessart

Die erfolgreiche bundesdeutsche Filmkomödie Das Wirtshaus im Spessart (Regie: Kurt Hoffmann) feiert ihre Uraufführung im West-Berliner Gloria-Palast. Den teilanimierten Vorspann entwirft die Malerin und Grafikerin Bele (Renate Gabriele) Bachem.

 

30. Januar 1958. FSK-Prüfung von Die Geburt des Lichts

Die erste Episode des Maya-Kompilationsprojekts mit unterschiedlichen avantgardistischen Filmkünstlern passiert die FSK-Prüfung und erscheint als Beiprogrammfilm im Verleih der deutschen Metro-Goldwyn-Mayer (MGM). In Die Geburt des Lichts knüpft der Maler Franz Schömbs an die Filmavantgarde der 20er Jahre an. Sein „Integrator“, ein selbstentwickelter Tricktisch, ermöglicht formenreiche Farbspiele, die durch Tiefe und Trennschärfe überraschen.

Publikation

  • DVD: Geschichte des deutschen Animationsfilms – Kritik und Experiment. Der westdeutsche Animationsfilm. Berlin (absolut Medien)

 

28. Februar 1958. Deutsche Erstaufführung von Die zwölf Monate

Filmprogramm zu Die zwölf Monate, Iwan Iwanow-Wano, UdSSR 1956. Quelle: Progress-Filmprogramm 28/1958

Filmprogramm zu Die zwölf Monate, Iwan Iwanow-Wano, UdSSR 1956. Quelle: Progress-Filmprogramm 28/1958

Der knapp einstündige Zeichentrickfilm Die zwölf Monate (Dwenadzat mesjazew, 1956), produziert vom sowjetischen Trickfilm-Konzern „Sojusmultfilm“, läuft in der deutschen Bearbeitung des DEFA-Studios für Synchronisation in den Kinos der DDR an. Regie führte der „sowjetische Walt Disney“ Iwan Iwanow-Wano nach einer literarischen Vorlage von Samuil Marschak.

„Der einfache Mensch hatte die Last zu tragen, aber keinen Lohn von der Königsherrschaft zu erwarten. Diese gesellschaftliche Wahrheit findet man in vielen Märchen als Grundmotiv der Handlung. Zauber und Wunder mußten dem Guten zum Recht verhelfen. […] Was diesen Streifen besonders liebenswert macht, ist der Zauber seiner gezeichneten Figuren, die Atmosphäre des Waldes mit kalter Schneepracht und roten Sommerbeeren. Dazu hübsch gesungene Lieder und gut synchronisierte Texte. Kein schauerlich anzusehender Unhold jagt Schrecken ein. Die Kleinsten werden Freude haben, die Größeren werden nachdenken.“
(Pressenotiz, Progress-Werbehelfer, 1958)

Publikation

  • Volker Petzold: Dwenadzat mesjazew. In: Lexikon des Kinder- und Jugendfilms. Meitingen 1998 ff. (47. Erg.-Lfg. April 2015)

 

März 1958. Mehr Phantasie und Zeitbezogenheit gefordert

Die DDR-Filmwissenschaftlerin und Journalistin Ruth Herlinghaus wendet sich gegen „belanglose und uninteressante Themen“ des DEFA-Studios für Trickfilme:

„Die Hauptschwierigkeiten des Studios liegen […] nicht in der Meisterung der filmischen Form, sondern in erster Linie im Mangel an interessanten, mit unserer Zeit und unserer sozialistischen Ordnung verbundenen Themen. […] Mehr Phantasie, mehr Temperament, mehr Mut und Liebe zu unserem sozialistischen Leben und eindeutige Hinwendung zu klaren sozialistischen Erziehungszielen, von denen auch die künstlerische Linie des Studios geprägt sein muß, das wünschen wir uns von den Dresdner Trickfilmkünstlern.“
(Ruth Herlinghaus: Mehr Phantasie und Zeitbezogenheit. In. Deutsche Filmkunst, Nr. 3, S. 72 ff.)

 

Mai 1958. DEFA-Trickfilm in „kritischer Sicht“

„Die Leitung des Clubs der Filmschaffenden im VEB DEFA-Studio für Synchronisation hatte im Mai eine Reihe von Mitarbeitern des DEFA-Trickfilm-Studios zu einer kritischen Unterhaltung eingeladen. […] Der Einsatz aller vorhandenen künstlerischen Kräfte des Studios für die Erziehung der Menschen zum Aufbau des Sozialismus sollte nun, nach dem Stadium des Suchens, die Hauptaufgabe des Trickfilm-Studios sein.“
(H.B.: Trickfilm in kritischer Sicht. In: Deutsche Filmkunst, 7/1958, S. 223)

Zur Diskussion stehen der Silhouettenfilm Die Geschenke des Graumännchens (1957, Regie: Bruno J. Böttge), der Puppentrickfilm Schnaken und Schnurren (1957, Regie: Johannes Hempel) sowie die Zeichentrickfilme Ernte gut, alles gut (1957, Klaus Georgi) und Ferienerlebnisse (1957, Regie: Otto Sacher). Mit Lob bedacht wird einzig der letztgenannte Titel.

 

Mai 1958. Der erste Werbefilm der DDR in Puppentrick entsteht bei der DEWAG

Der Regisseur Herbert K. Schulz, die Animatorin Rosemarie Küssner und der Kameramann Erich Günther verlassen das DEFA-Studio für Trickfilme Dresden im Frühjahr 1958. In Berlin fassen sie Fuß im Filmstudio der DDR-Werbeagentur DEWAG.

Filmstill aus Moped Export „prima“, Herbert K. Schulz, DDR 1958. ©DIAF/Nachlass H. K. Schulz

Filmstill aus Moped Export „prima“, Herbert K. Schulz, DDR 1958. ©DIAF/Nachlass H. K. Schulz

Hauptsitz des um 1957 gegründeten DEWAG-Studios für Werbefilme ist Berlin, Prenzlauer Straße 47, Nebenstelle ist ein ehemaliger Tanzsaal, Rosenthaler Straße 36. Dort richten Schulz, Küssner und Günther ein Puppentrick-Studio ein. Als Auftakt entsteht der Film Moped Export „prima“, eine Außenhandels-Werbung für das gerade entwickelte neue Kleinkraft-Rad vom VEB Simson Suhl „SR 2“. Die Bauten und Fahrzeuge gestaltet Peter Blümel. Der Film muss als verschollen gelten. Lediglich Schnittreste mit knapp einem halben Dutzend Bildmotiven sind überliefert.

Publikationen

  • Stefan Gööck, Volker Petzold: Filme des DEWAG-Werbefilmstudios im Sächsischen Staatsarchiv. In: Archivblatt, 1/2018, S. 18 ff.
  • Volker Petzold: Was macht ein Seemann, wenn er Sehnsucht hat? – Die Anfänge des DDR-Puppentrickfilms in Werbung und Unterhaltung. In: Stefan Zahlmann (Hg.): Wie im Westen, nur anders – Medien in der DDR. Berlin 2010, S. 239 ff.
  • Simone Tippach-Schneider: Tausend Tele-Tips. Das Werbefernsehen in der DDR. Berlin, 2004

 

Mai 1958. Der kleine Maulwurf erstmals in den Kinos der DDR

Zdenĕk Milers später überaus erfolgreiche Zeichentrick-Serie Der kleine Maulwurf startet mit der Episode Jak krtek ke kalhotkám přišel (1957) auch in der DDR:

„Jetzt kommt aus dem Prager Trickfilmstudio ein kleiner amüsanter Film Wie der Maulwurf zu seinem Höschen kam. Der Regisseur Zdenek Miller [sic!] gibt durch diesen Film die Lehre: in der Gemeinschaft, im gemeinsamen Handeln liegen die Voraussetzungen für einen Erfolg. Bestechend die kluge Kameraarbeit Iwan Masniks und die exakten Bewegungen der Figuren.“
(K.F.: Vom Maulwurf und seinem Höschen. Neue Zeichen- und Trickfilme in unseren Kinos. In: Neue Zeit, Nr. 127, 5.6.1958)

Miler hatte eigentlich den Auftrag, einen Film über die Herstellung von Leinen zu produzieren und erfand dafür eine zeitlos liebenswerte Figur, die sich eine Hose mit großen Taschen wünscht:

„Woher nehme ich nur das Höschen? Und wirklich findet sich ein Weg, wenn alle mithelfen. Auf den spitzen Stacheln des Igels wird der Flachs gekämmt. Die geschickte Spinne zaubert daraus den Faden, die fleißigen Ameisen weben das Tuch, und saftige reife Beeren geben ihre wunderschöne blaue Farbe. Wozu hat der Krebs schließlich seine Schere? Er schneidet den Stoff zu, und der Rohrspatz näht, geübt wie ein richtiger Schneider. Dem kleinen Maulwurf bleibt nur noch, das neue blaue Höschen mit den beiden großen Taschen darauf anzuziehen …“
(St. N.: Wie der Maulwurf zu seinem Höschen kam. Progress-Filmprogramm – Kinderprogramm Nr. 12/1958)

In diesem ersten Film gibt es noch kurze Dialoge zwischen den Tieren. In den folgenden Filmen wird Miler seinen Maulwurf lediglich noch mit wenigen Lauten – Originalaufnahmen seiner kleinen Tochter – sprechen lassen. Die deutsche Fassung des DEFA-Studios für Synchronisation greift auf die Original-Musikeinspielung des tschechischen Filmsinfonieorchesters zurück.

Für die BRD erwirbt 1960 das Institut für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht (FWU) die Rechte und beauftragt eine Synchronfassung, in der eine Frau die Geschichte erzählt. Hans Posegga, der später auch die Titelmusik für Die Sendung mit der Maus schaffen wird, komponiert eine sparsame Musik. Der WDR Köln erwirbt vom FWU für diese Fassung die Fernsehrechte für die Bundesrepublik und strahlt den Film erstmals am 22. September 1969 in der ARD aus.

1958 erscheint bei ARTIA Prag auch eine Buchausgabe mit dem Titel „Wie der Maulwurf zu Hosen kam“. Wie üblich werden die bei ARTIA erschienenen deutschsprachigen Titel in beiden deutschen Staaten vertrieben.

Publikation

  • Gert K. Müntefering: Leserzuschrift. In: TELEVIZION, WDR Köln 5/1992/2, S. 36

 

Juni 1958. Walt Disney in West-Berlin

Arrangiert vom Ufa Filmverleih, dem Nachfolger von Tischendorfs Herzog, besucht Walt Disney die Berlinale, um seinen „Dokumentarfilm“ Perri (USA 1957, Regie: N. Paul Kenworthy jr., Ralph Wright) vorzustellen, und trägt sich im Rathaus Schöneberg in das Goldene Buch West-Berlins ein. Der Regierende Bürgermeister Willy Brandt sagt: „Unsere Kinder erinnern uns täglich an Ihre Figuren.“

 

September 1958. Karel Zeman im DEFA-Studio für Trickfilme Dresden

Im Rahmen der deutsch-tschechoslowakischen Freundschaftswoche, die in der DDR und der ČSR vom 1.–7. September 1958 veranstaltet wird, weilt der tschechische Animationsfilmregisseur Karel Zeman zu Besuch im Dresdner Trickfilmstudio:

„Die Mitarbeiter des VEB Trickfilmstudio Dresden behalten eine besonders wertvolle Erinnerung. Sie empfingen einen sehr bescheidenen und sehr populären Besuch – den berühmten Trickfilmregisseur Staatspreisträger Karel Zeman. Ihn führte seine erste Reise in unsere Republik zu den Dresdner Kollegen, wo er doppelt willkommen war durch das Gepäck, das er mit sich führte: Die Erfindung des Verderbens, ein Film, der noch viele Auszeichnungen sammeln wird. […] Der Film […] ist angekauft und erfährt augenblicklich die deutsche Bearbeitung.“
(E. Kartier: Meisterregisseur und Meisterfilm. Karel Zeman mit gutem Gepäck im Dresdner DEFA-Trickfilm-Studio. In: Sächsische Zeitung, 4.10.1958)

 

8. Oktober 1958. Erstmals „gestalteter Schlager” im DDF

Was macht ein Seemann, wenn er Sehnsucht hat?, Peter Blümel, DDR 1958. Arbeitsfoto mit Kameramann Horst Walther und Animatorin Ingeborg Blümel. ©Archiv Blümel

Was macht ein Seemann, wenn er Sehnsucht hat?, Peter Blümel, DDR 1958. Arbeitsfoto mit Kameramann Horst Walther und Animatorin Ingeborg Blümel. ©Archiv Blümel

In der am 23. Juli 1958 gestarteten neuen Unterhaltungssendung des DFF Gut aufgelegtPlaudereien einer Schallplattenverkäuferin sollen kleine Begebenheiten und Geschichten zu damals allseits bekannten Hits des DDR-Schallplattenlabels „Amiga“ erzählt werden. Aus Mangel an Bildmaterial wird für die zweite Folge am 8. Oktober 1958 im DFF-Puppenstudio von Peter Blümel (Regie, Puppengestaltung und Bauten; Animation: Ingeborg und Peter Blümel) eine Puppenanimation entwickelt, damals als „gestalteter Schlager“ bezeichnet. Es ist faktisch das erste animierte „Musik-Video“ der DDR: Was macht ein Seemann, wenn er Sehnsucht hat?

Bis 1962 entstehen insgesamt 25 derartiger Musikfilme (Bauten später: Harald Serowski) für Gut aufgelegt. Im September 1959 übernimmt Gerhard Behrendt als Regisseur und Animator mit Die Primadonna in meinem Herzen einen Part.

Ramona, Peter Blümel, DDR 1962. ©Archiv Blümel

Ramona, Peter Blümel, DDR 1962. ©Archiv Blümel

Mit der bebilderten DDR-Coverversion des Welthits Ramona (Puppen: Achim Freyer) endet 1962 die Reihe Gut aufgelegt und damit auch die Produktion der „gestalteten Schlager“, da Produzent Tilo Philipp bereits im Herbst 1961 die DDR verlassen hat.

Publikation

  • Volker Petzold: Was macht ein Seemann, wenn er Sehnsucht hat? – Die Anfänge des DDR-Puppentrickfilms in Werbung und Unterhaltung. In: Stefan Zahlmann (Hg.): Wie im Westen, nur anders – Medien in der DDR. Berlin 2010, S. 239 ff.

 

8. Oktober 1958. Start der Sende-Rubrik Abendgruß im DFF

Ab 8. Oktober 1958 wird im DFF allabendlich kurz vor sieben Uhr die Kindersendung Abendgruß ausgestrahlt. Anknüpfend an Hörfunktraditionen sind Gründe für die Einführung, „den Kindern vor dem Schlafengehen noch eine kleine Geschichte oder ein Lied, verbunden mit einigen Hinweisen auf dem Gebiet der charakterlichen Erziehung, zu bringen“ und „einen weitverbreiteten Fehler beseitigen zu helfen, der darin besteht, daß viele Kinder für sie völlig ungeeignete Sendungen des Abendprogramms sehen. Nach unseren Erfahrungen fruchten hier einige Worte über den Bildschirm viel mehr, als mahnende Worte vieler Eltern.“ (DFF-Kollegiumsvorlage vom 27.6.1958. In: BArch, DR 8/11-12)

Im ersten Jahr ihres Bestehens agieren in den Abendgrüßen lediglich bekannte Figuren des  bereits bestehenden Kinderfernsehens, Animationen finden noch keinen Platz. Dies ändert sich erst mit der Hinzuziehung des Puppentrick-Vorspannes Unser Sandmännchen im November 1959. Von da an gibt es auch innerhalb der Abendgrüße immer wieder animierte Serien und Einzelfilme in allen Trickarten – und dies bis in die Gegenwart.

Publikationen

  • Volker Petzold: Das Ost-West-Sandmännchen-Lexikon. Berlin 2009
  • Volker Petzold: Das Sandmännchen – Alles über unseren Fernsehstar. Hamburg 2009

 

1. November 1958. Erste Schöpferische Konferenz des DEFA-Studios für Trickfilme Dresden in Siebeneichen bei Meißen

Die Konferenz legt die Mitarbeiter auf die „weitere Durchsetzung des sozialistischen Realismus“ fest. Ruth Herlinghaus kommentiert: Die Konferenz habe „erst den Anfang für die weitere Auseinandersetzung vor allem über ideologisch-künstlerische Probleme und Fragen der Spezifik gelegt. […] Die Presse aber […] sollte endlich die Arbeit des Studios, wie es ihr zukommt, in die regelmäßige Berichterstattung einbeziehen.“ (Ruth Herlinghaus: Gedanken zu einer Konferenz. In: Deutsche Filmkunst, Nr. 12, 1958, S. 389

Archiv

  • Protokoll, in: BArch, DR 1/4327

Publikationen

  • Entschließung der Ersten Schöpferischen Konferenz des VEB DEFA-Studio für Trickfilme Dresden. In: Deutsche Filmkunst, Nr. 12, 1958, S. 378
  • Ruth Herlinghaus: Gedanken zu einer Konferenz. In: Deutsche Filmkunst, Nr. 12, 1958, S. 379+389
  • Evelin Matschke: Die Sprachgestaltung im Trickfilm. In: Deutsche Filmkunst, Nr. 1, S. 42 f.
  • Jörg Herrmann: Die ersten Schritte. DEFA-Animationsfilme der fünfziger Jahre und ihre Pioniere. In: Die Trick-Fabrik. DEFA-Animationsfilme 1955–1990. Berlin 2003, S. 73 ff., hier S. 92 f.

 

17. Oktober 1958. Hans Richter-Ausstellung in West-Berlin

Anlässlich einer Ausstellung gibt die Akademie der Künste in West-Berlin den Katalog „Hans Richter. Ein Leben für Bild und Film“ heraus. Gestaltung von Katalog und Ausstellung: Lothar Juckel.

 

17. Oktober 1958. Die Schneekönigin erstmals in den DDR-Kinos

Filmprogramm zu Die Schneekönigin, Lew Atamanow, UdSSR 1957. Quelle: Progress-Filmprogramm 27/1958

Filmprogramm zu Die Schneekönigin, Lew Atamanow, UdSSR 1957. Quelle: Progress-Filmprogramm 27/1958

Der einstündige sowjetische Zeichentrickfilm Die Schneekönigin (Snjeshnaja koroljewa, 1957, Regie: Lew Atamanow) von Sojusmultfilm startet in den Kinos der DDR.

 

5. Dezember 1958. Kinostart von Sindbads 7. Reise

Der Fantasy-Film mit den Stop-Motion-Animationen von Ray Harryhausen Sindbads 7. Reise (The 7th Voyage of Sinbad, USA, Spanien, UK 1958, Regie: Nathan H. Juran) startet in der Bundesrepublik am 5. Dezember 1958. Wegen eines Musikerstreiks in Hollywood wird Bernard Herrmanns Musik für die Charles H. Schneer/Morningside/Columbia-Produktion vom Orchester Kurt Graunke in München eingespielt.

 

25. Dezember 1958. Erstsendung von Der Teufel muß weg im DFF

Der Teufel muß weg, Gerhard Behrendt, DDR 1958. ©Foto: Peter Blümel/Archiv Blümel

Der Teufel muß weg, Gerhard Behrendt, DDR 1958. ©Foto: Peter Blümel/Archiv Blümel

Im DFF wird der kombinierte Real- und Puppentrickfilm Der Teufel muß wegEin merkwürdiger Puppenaufruhr erstausgestrahlt. Vom fernseheigenen Puppenstudio produziert, inszeniert Gerhard Behrendt den Viertelstünder nach einer Geschichte von Peter Palm. Ausstattung und Puppengestaltung übernimmt Peter Blümel, der auch bei der Regie assistiert. Unter dem Arbeitstitel Zwischenfall am Weihnachtsabend sollte der Film ursprünglich unter den Händen von Rosemarie Küssner und Herbert K. Schulz entstehen, die aber wegen Streits ums Honorar absagen.

Publikation

  • Volker Petzold: Was macht ein Seemann, wenn er Sehnsucht hat? – Die Anfänge des DDR-Puppentrickfilms in Werbung und Unterhaltung. In: Stefan Zahlmann (Hg.): Wie im Westen, nur anders – Medien in der DDR. Berlin 2010, S. 252

 

1959. Telebärchen im SFB von Ernst Joachim Schienke

Ernst J. Schienke gezeichnet von seinem Freund Heinz Tischmeyer (1950er Jahre). ©Familienbesitz

Ernst J. Schienke gezeichnet von seinem Freund Heinz Tischmeyer (1950er Jahre). ©Familienbesitz

Der Animator Ernst Joachim Schienke (auch: Ernst J. Schienke, 1912–1998) hat ab Anfang der 1950er Jahre im Trickatelier des Kopierwerks „Mosaik-Film GmbH“ in Berlin-Lankwitz Trailer- und deutsche Titel gestaltet insbesondere für den Metro-Goldwyn-Mayer-Verleih. Danach fertigt er diverse gezeichnete Kinowerbefilme an.

Für die Fernsehwerbung des Berliner Senders Freies Berlin (SFB) entwickelt er 1959 die in Zeichentrick ausgeführten Werbetrenner und Spots Telebärchen. Unklar ist, ob Schienke die Figur des Bärchens selbst kreiert hat.

„Damit der Zuschauer die beworbenen Produkte nicht durcheinander brachte, schickte [der Chef des Vorabend-Programms Hans Bodo] von Dincklage den ‚blonden Maxe‘ zum Herumalbern zwischen die Werbespots. ‚Der war als Marionette den Leuten aber zu langsam‘, sagt Dincklage. Daraufhin wurde, inspiriert von Leo, dem unternehmungslustigen Löwen des Bayerischen Rundfunks, das Telebärchen als Maskottchen für den SFB erdacht.

Telebärchen war besonders bei den Kindern beliebt. Denn die durften damals weder in Spots auftreten noch direkt zum Kauf eines Produktes aufgefordert werden. Dincklage erinnert sich noch gut: ‚Wie Kinderschokolade schmeckt, das haben damals die Erwachsenen vor der Kamera erklärt‘.“
(Julia Siepmann: Als die Reklame noch mit dem Flugzeug kam … In: Die Welt, 3.12.2006)

Publikation

  • Maximilian Schmidt: Der Trickfilm in West-Berlin. Der Standort Berlin von den Anfängen im Deutschen Reich bis zur Gegenwart in der Bundesrepublik Deutschland. Diplomarbeit (Studiengang Animation), Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolf Potsdam-Babelsberg 2004, S. 18

 

1959. Werbetrenner des Südwestfunks

Von 1959 bis 1971 produziert Insel-Film für den Südwestfunk (SWF) die Werbetrenner Der gestiefelte Kater (Zeichner: JOB=Johannes Behler).

 

1959. Sarotti-Serenade von Wolfgang Kaskeline

Kaskeline stellt den letzten in einer Reihe von kurzen Filmen mit dem Sarotti (Schokoladen-) „Mohr“ her: Sarotti-Serenade.

„Es handelte sich um einen Zeichentrickfilm, in dem ein junger Mann versucht, seine Angebetete mit Gitarrenspiel zu betören. Da seine Darbietung jedoch sehr zu wünschen übrig lässt, schließt sie ihr Fenster im oberen Stockwerk. Dem verzweifelten Mann kommt nun der Sarotti-Mohr zu Hilfe, pfeift eine liebliche Serenade und überreicht der Dame eine Tafel Sarotti-Schokolade. Das Happy End wird gekrönt durch den Slogan ‚Sarotti-Möhrchen pfeift die Serenade – und alle träumen von Sarotti-Schokoladeʻ und die Aufforderung „Wenn Sie nach Schokolade fragen – bitte immer Sarotti sagen.“
(Rita Gudermann, Bernhard Wulff: Der Sarotti-Mohr: Die bewegte Geschichte einer Werbefigur. Berlin 2004)

 

1959. Amerikanische Cartoons in der Bundesrepublik

Cartoons mit dem Spinatmatrosen Popeye sind das Gerüst von Paramounts Lachparade. Der amerikanische Universal-Filmverleih startet die erste Cartoon-Film-Kompilation in deutscher Sprache: Woody Woodpecker auf Abenteuer. Als verbindender Rahmen der Walter-Lantz-Cartoons dient ein auseinandergeschnittener Kurzfilm International Woodpecker von 1957:

„Woody Woodpecker, der Held dieser Kurzfilmsammlung, ist ein Buntspecht. Weder als Figur noch in der Originalität seiner Abenteuer kann es der flinke Vogel mit der Disney- oder Tom-und-Jerry-Konkurrenz aufnehmen. Schon als einzelne Vorprogrammfüller wirken diese Streifen für unseren Geschmack übertrieben grob und nur mäßig erheiternd. In einer solchen, ohne Geschick zusammengefügten Folge mehr als eines runden Dutzends Cartoons fühlt man sich rasch strapaziert von den unaufhörlichen, lautstarken Listen und Ränken, mit denen sich Woody seiner Feinde zu entledigen sucht.“
(Ev.: Woody Woodpecker auf Abenteuer. In: Film-Dienst 12. Jahrgang, Lieferung 52, Kritik Nr. 8735. Düsseldorf 24. Dezember 1959)

 

1959. Animationsfilme des DEFA-Studios für Trickfilme

Im Jahre 1959 kommen ins Kino

 

1959. Realfilme von Kurt Weiler

Obwohl weiterhin noch offiziell beim DEFA-Studio für Trickfilme Dresden angestellt, arbeitet Kurt Weiler auf freiberuflicher Basis in Ost-Berlin und Babelsberg und versucht sich in kurzen Spielfilm-Sujets für Kinder. Beim DFF inszeniert er den Viertelstünder Die Wette auf der Basis eines gemeinsamen Szenariums mit seiner Frau Hanna (Erstausstrahlung 4. August 1959), nachdem er sich bereits bei Unternehmen Langohr als Autor eingeschrieben hat (Regie: Günter Puppe, Erstausstrahlung 14. Juni 1959). Im DEFA-Studio für Spielfilme führt er Regie bei dem knapp halbstündigen Streifen Der verlorene Ball (Uraufführung 20. September 1959).

 

9. Januar 1959. DDR-Premiere von Die Erfindung des Verderbens

Nach seinem bereits in Kombinationstechnik ausgeführten Abenteuerfilm Reise in die Urzeit beendet Regisseur Karel Zeman in der ČSR sein drittes abendfüllendes Werk. Vynález zkázy basiert auf dem 1896 entstandenen Roman „Face au Drapeau“ von Jules Verne, in Deutschland ein Jahr darauf erschienen als „Vor der Flagge des Vaterlands“, später berühmt geworden unter dem Titel „Die Erfindung des Verderbens“.

In der DDR startet der Film am 9. Januar 1959. Schon vor seinem Erscheinen wird er ausgiebig gewürdigt und Karel Zeman Gelegenheit zum eigenen Kommentar gegeben:

„Jules Verne lockte mich als Filmschaffenden, der ausprobieren will, bis wohin die Grenzen des Filmtricks reichen.

Mein Film spricht in der Sprache der alten Stiche, mit denen die französischen Maler Benett und Rieu zu Vernes Zeit seine Romane illustrieren. Den gewünschten Effekt erzielten wir durch viele Mittel: durch das sepiagefärbte Filmmaterial, durch Verbindung der Unmittelbarkeit des Handlungsmilieus – Dekorationen, Schauspielerkostüm und Maske, Requisit und der übrigen Inszenierungsmittel – mit einem gezeichneten Hintergrund und einem Trickhintergrund sowie mit einer ungewöhnlichen Beleuchtung der Szene. Neben dem Spiel der Darsteller wird in einigen Einstellungen unauffällig und unaufdringlich auch die Technik des phasierten Films – des Zeichen- und Puppenfilms – benutzt.“
(„Meine Helden dürfen nicht niesen“ – Karel Zeman dreht einen Film nach Jules Verne. In: Neue Zeit, 1.4.1958)

„Zeman […] machte die unfreiwillige Komik zur gewollten, gezielten und bezweckten. Er entwarf, immer getreu nach den Beschreibungen Vernes, eine ganze Musterkollektion, eine komplette Abnormitätenschau technischer Monströsitäten, die so unsagbar grotesk erscheinen, daß allein ihr Anblick den Zuschauer zu Tränen des Lachens rührt.“
(H. U. E.: Die Erfindung des Verderbens. Jules Vernes Utopien in einem meisterhaften tschechoslowakischen Film. In: Berliner Zeitung, 15.1.1959)

Publikationen

  • Die Erfindung des Verderbens. In: Der Filmspiegel Nr. 17/1958, S. 4
  • Karel Zeman über seinen Film. In: Deutsche Filmkunst, Nr. 3, 1959, S. 89

 

Februar 1959. Uraufführung von Die Purpurlinie auf den Westdeutschen Kurzfilmtagen in Oberhausen

Florenz von Nordhoff animiert in CinemaScope und Eastmancolor Die Purpurlinie. Die Produktion und Aufnahme übernimmt Karl-Ludwig Ruppel. Uraufführung auf den Westdeutschen Kurzfilmtagen in Oberhausen. 1960: Deutscher Filmpreis, Filmband in Silber, Bester sonstiger Kurzfilm. Der Film entwickelt eine surreale Landschaft, in der allegorische Formungen sittliche Haltungen wie Hochmut, Habgier und Sehnsucht darstellen:

„Das ‚Neue‘ an der Purpurlinie – der Titel ist auch nur so ein hingeworfenes Spielzeug – liegt in diesem Sich-selbst-Fabulieren der filmischen Möglichkeiten, in dem traumhaften Andeuten einer Anekdote, die schon verfliegt, wenn man sie formulieren will. Der Münchener Maler Florenz von Nordhoff hat hier in Farbe und Form beachtenswert viel Phantasie investiert; er zieht die frappierenden Bildeffekte wie ein Jongleur aus der Tasche und versteht es, im nächsten Augenblick unheimlich suggestive ‚Stimmungen‘ einzublenden, als deren ausgleichender Gegenpol auch ein bemerkenswerter ironischer Humor nicht fehlt.

Der hier beschrittene Weg könnte noch einiges spezifisch-filmische, also filmkünstlerische Neuland erschließen, wenn noch etwas mehr Mut zum Abweichen von amerikanischen Geschmacksnormen (sie spuken noch in gewissen zeichnerischen Einzelheiten, die zu sehr an Disneysche Tier-Comics erinnern) dazukäme und der musikalische Wirkungsfaktor sich ebensoweit vom Klischee der ‚Filmmusik‘ zu entfernen wagte.“
(A-th, „Purpurlinie“ – Filmspielzeug. In: Die Zeit, 29.4.1960)

 

27. März 1959. Der tapfere kleine Hirsch startet in den Kinos der DDR

Die zwanzigminütige sowjetische Antwort auf Walt Disneys Bambi, der farbige Zeichentrickfilm aus dem Filmstudio Sojusmultfilm Der tapfere kleine Hirsch (Chrabryj olenjok, UdSSR 1957, Regie: Leonid Aristow, Olga Chodatajewa) erlebt in der DEFA-Synchronisation seinen Kinostart in der DDR.

 

1. April 1959. Das Fern-Sehpferdchen erscheint erstmals im NDR

Titel des Buches "Sehpferdchen's muntere Abenteuer" von Hans Fischerkoesen, Rudolf Bär und Eva Klingberg (1962). Quelle: Buch

Titel des Buches »Sehpferdchen’s muntere Abenteuer« von Hans Fischerkoesen, Rudolf Bär und Eva Klingberg (1962). Quelle: Buch

Von 1959 bis 1969 produziert Hans Fischerkoesen die See(h)pferdchenSpots als Werbetrenner für den Norddeutschen Rundfunk (NDR).

„Am 1. April 1959 flimmerte es zum ersten Mal über den Bildschirm: Das Seepferdchen, liebevoll ausgedacht und gezeichnet von Menschen, die den Fernsehzuschauern Freude und Entspannung bereiten wollten. Seitdem ist es zum ‚Markenzeichenʻ eines täglichen Fernsehprogramms geworden.

Viele Freunde hat das ‚Fern-SEHPFERDCHENʻ inzwischen gewonnen.“
(Hans Fischerkoesen, Rudolf Bär, Eva Klingberg: Sehpferdchen’s muntere Abenteuer – ein Bilderbuch für große und kleine Leute. Fischerkoesen-Fernsehwerbung, Bad Godesberg-Mehlem 1962)

Das Fischerkoesen-Atelier verlassen 1959 zudem die Werbefilme: Im Handumdrehen, Name gesucht, Der neue Weg, Das Nieskonzert Opus 13 (Werbung für Tempo-Taschentücher) und Unter uns gesagt (Werbung für Die Nationalbank).

 

19. Mai 1959. FSK-Prüfung für den Kurzfilm Knalleidoskop

In dem Filmscherz Knalleidoskop montieren Herbert Hunger und Hans-Joachim Priebe Draht, Glasstückchen und alte Schrauben zu grotesken Etüden.

Publikation

  • DVD: Geschichte des deutschen Animationsfilms – Kritik und Experiment. Der westdeutsche Animationsfilm. Berlin (absolut Medien)

 

22.–23. Mai 1959. Autorenkonferenz des DEFA-Studios für Trickfilme

Die Zusammenkunft mit interessierten Autoren bestätigt „die inzwischen speziell von der Dramaturgie angestrengten Versuche, weitere Klarheit über die Aufgaben des sozialistischen Trickfilms und die spezifischen Eigenheiten des künstlerischen Schaffensprozesses“ zu gewinnen. (K.L.: Bemerkungen zu einer Autorenkonferenz. In: Deutsche Filmkunst, Nr. 7, 1959, S. 203)

 

25.–30. Mai 1959. DEFA-Trickfilme in Mannheim

Nach zwei Jahren Pause stehen im Programm der Kultur- und Dokumentarfilmwoche in Mannheim auch wieder DEFA-Animationsfilme auf dem Programm. Streit gab es vordem wegen der offiziellen Landesbezeichnung der DDR:

„In Mannheim wurde zum erstenmal bei westdeutschen Filmfestspielen die Deutsche Demokratische Republik offiziell genannt.“
(Kultur- und Dokumentarfilmwoche in Mannheim – Offizielle Beteiligung der DDR. Neues Deutschland, Nr. 146, 30.5.1959)

Zum 8. Mannheimer Filmfestival laufen während einer internationalen Kinderfilmtagung die Titel Teddy Brumm (Günter Rätz), Der Wunderbogen (Herbert K. Schulz) und Der Wunschring (Bruno J. Böttge).

 

26. Juni 1959. Blaue Mäuse gibt es nicht von Klaus Georgi kommt in die DDR-Kinos

Der Zeichentrickfilm von Klaus Georgi Blaue Mäuse gibt es nicht verfehlt die erste Zulassungsprozedur der HV Film am 17. Februar 1958. Da die Farbe konsequent als Stilmittel genutzt wird, um ein „Anderssein“ zu visualisieren („blaue Mäuse“), werden dem Werk u. a. „Formspielereien“ und ein „Verlassen des Bodens des Realismus“ vorgeworfen. Witzige Einfälle werden als „formelle Gags“ verteufelt und insgesamt ein Wegführen „von unseren Auffassungen und Prinzipien in der Kunst“ gerügt. In einer veränderten und gekürzten Fassung wird der Streifen am 22. September 1958 erneut der Kommission vorgelegt (inzwischen Vereinigung Volkseigener Betriebe/VVB Film) und nun zugelassen, „obwohl die Schwächen nicht restlos beseitigt sind“. Erst am 26. Juni 1959 findet der Film den Weg in die Kinos.

Archiv

  • Gesamter Zulassungsvorgang in: BArch, DR 1-Z/2261

Publikation

  • Volker Petzold: „Du weiser, weiser Kaiser“. Inkriminierte DEFA-Trickfilme im Umfeld des 11. Plenums. In: Andreas Kötzing, Ralf Schenk: (Hg.): Verbotene Utopie. Die SED, die DEFA und das 11. Plenum. Berlin 2015, S. 375 ff.

 

4. August 1959. Johannes Hempels Petras blaues Kleid endgültig zugelassen

Das didaktisch orientierte Gegenwartssujet von Johannes Hempel Petras blaues Kleid wird mit einer mehrfachen Blockierung durch die VVB Film konfrontiert. Der kombinierte Real- und Puppentrickfilm integriert erstmals im DEFA-Studio für Trickfilme Dresden Flachfigurentrick-Sequenzen. Soll so die „Traumarbeit“ eines kleinen Mädchens mit mangelnder Ordnungsliebe mittels neuer Tricktechnik visualisiert werden, moniert die staatliche Abnahmekommission am 14. April 1958: „Die Verwendung der Flachfiguren grenzt nah ans Formalistische.“ Auch die durchaus moderne und schicke Ausstattung wird unter Hinweis auf den „kleinbürgerlichen Charakter des Kinderzimmers“ kritisiert. Nach Zurückstellung und nochmaliger Überprüfung am 22. Oktober 1958 wird der Film – ohne dass an ihm weiter gearbeitet wurde – unter dem Hinweis der zu hohen Kosten für Änderungen, und dass er „nicht schaden könne“, zugelassen. Er kommt am 27. März 1959 in die Kinos. Im Juni 1959 protestiert das Sekretariat der Zentralleitung der Pionierorganisation „Ernst Thälmann“ nach einer Vorführung des Films im Zentralhaus der Jungen Pioniere Berlin. Die Kritik entzündet sich wieder am „unwirklichen Milieu“, aber auch die Abwesenheit von „Eltern oder Erziehern“ in der Story sowie die Nutzung des Traums als „erzieherisches Mittel“ werden moniert. Das kleine Werk wird erneut auf Eis gelegt, nochmals begutachtet und schließlich am 4. August 1959 als zwar „schwacher“, aber „nicht schädlicher“ Film endgültig zugelassen.

Archiv

  • Gesamter Zulassungsvorgang in: BArch, DR 1-Z/3947

Publikation

  • Volker Petzold: „Du weiser, weiser Kaiser“. Inkriminierte DEFA-Trickfilme im Umfeld des 11. Plenums. In: Andreas Kötzing, Ralf Schenk: (Hg.): Verbotene Utopie. Die SED, die DEFA und das 11. Plenum. Berlin 2015, S. 375 ff.

 

14. August 1959. Bundesdeutscher Kinostart von Rakete 510

In der Bundesrepublik startet der MGM-Verleih den britischen Science-Fiction-Film First Man into Space (1959, Regie: Robert Day) unter dem deutschen Titel Rakete 510. Die optischen Effekte und Animationen des Prologs stammen von dem deutschen Team Ruppel und Nordhoff.

 

30. Oktober 1959. Disneys Dornröschen und der Prinz kommt auf bundesdeutsche Leinwände

Walt Disney hat in der Bundesrepublik einen neuen Verleih. Der deutsche Filialbetrieb des Briten J. Arthur Rank in Hamburg bringt Dornröschen und der Prinz (Sleeping Beauty, USA 1959, Regie: Clyde Geronimi, Wilfried Jackson, Hamilton Luske) heraus. Hans F. Wilhelm leitet die Synchronisation für Simoton Film.

„Walt Disney benutzte zur Verfilmung dieses Märchens eine französische Fassung von Charles Perrault, die älter, aber auch kühler und unromantischer zu sein scheint als die Grimmsche Nachdichtung. […] Die amüsanteste Schöpfung Disneys sind zweifellos die guten Geister: gutmütige, schrullige Kaffeetanten, so liebenswürdig ‚vermenschlicht‘, dass man sie gut und gern neben Donald Duck oder die Mickymaus stellen möchte. Mit den Prinzessinnen und Prinzen hat das amerikanische ‚Märchen‘ schon immer etwas Pech gehabt. Aurora wirkt denn auch mehr wie ein Operettenfigürchen, ihr Held erinnert leicht an diverse Comicbook-Gestalten, und Malefiz, die böse Fee, könnte einem Modejournal entsprungen sein. Überhaupt ist auch dieser Disney wieder mit amerikanischem Schmunzeln gedreht worden, mit einem breiten Erwachsenenschmunzeln – so sehr, dass über den allzu menschlichen Konkretionen die Elemente des deutschen Märchens, die klare Entscheidung zwischen Bös und Gut, die Symbolkraft, die Offenheit gegenüber der kindlichen Imagination viel zu kurz kommen.“
(Ha. M.: Dornröschen und der Prinz. In: Film-Dienst, 12. Jahrgang, Lieferung 48, Kritik Nr. 8637. Düsseldorf, 26. November 1959)

Um den Film angemessen zu bewerben, stellt Disney eine Wanderausstellung mit Original-Artwork zusammen. Die letzte Station ist das Münchner Stadtmuseum, wo das Material verbleibt und etliche Jahre später zum großen Teil verkauft wird.

 

4. November 1959. Unser Sandmännchen – eine Erfolgsgeschichte nimmt ihren Lauf

Eine Meldung in der „Westpresse“ war für den Stellvertreter des Intendanten und Programmchef des DFF Anlass genug, politische Angriffe zu vermuten. So kam Unser Sandmännchen auf die Welt:

„Auszug aus der ‚Vorschauʻ des SFB, 48. Woche

Am 1. Dezember um 18.55 Uhr beginnt das Fernsehen des Senders Freies Berlin im Regionalprogramm mit einer neuen Sendereihe, Sandmännchen – ein Gute-Nacht-Gruss für die Kinder. […]“

Walter Heynowski, Stellvertreter des Intendanten am 4. November 1959 in einer Hausmitteilung an das DFF-Kinderfernsehen:

„Beiliegende Notiz beweist, dass der Sender Freies Berlin mit seinem Sandmännchen unseren Abendgruß zur gleichen Minute täglich kontern will. Es zeigt sich also, dass wir mit unserer Sendung auch bei den Westberliner Kindern und deren Eltern ‚ankommen‘. Also große politische Wirkung durch Emotionen. Meines Erachtens kommt es darauf an, die Form des Abendgrusses und auch evtl. seinen Titel erneut zu überdenken. […] Ich glaube jetzt noch mehr als vor Wochen bei unserer Diskussion, daß eine solche Figur wie das Sandmännchen gut ausgewählt ist. Die Kinder werden nach dem Sandmännchen fragen und viele Eltern werden auch das Sandmännchen einschalten.

Die gegnerische Absicht, uns Zuschauer abzunehmen, darf nicht unterschätzt werden.“
(BArch, DR 8/224)

In Folge dieser Hausmitteilung ergeht an Gerhard Behrendt der Auftrag, dem SFB mit einem Sandmännchen-Vor- und Abspann für die bereits bestehenden Abendgrüße zuvorzukommen.

 

22. November 1959, 18:54 Uhr. Erster Sandmännchen-Fernsehauftritt im DFF

Pressefoto zum 30. Sandmann-Geburtstag 1989. ©Fernsehen der DDR/rbb

Pressefoto zum 30. Sandmann-Geburtstag 1989. ©Fernsehen der DDR/rbb

Der Sandmännchen-Rahmen zu den Abendgrüßen erscheint im DFF zum ersten Mal am 22. November 1959, exakt um 18:54 Uhr. Erst eine Woche später taucht in den Programmankündigungen der noch heute gültige Titel Unser Sandmännchen auf. Puppengestalter, Szenenbildner, Animator und Regisseur Gerhard Behrendt hat den insgesamt eineinhalbminütigen Puppentrickfilm Hauswand gemeinsam mit Kameramann Horst Walter in knapp drei Wochen geschaffen. Parallel dazu werden vom Autor Walter Krumbach für das Sandmann-Lied ein Text gedichtet und von Wolfgang Richter die Melodie komponiert. Das Sandmännchen des SFB, ein Vorspann mit einer nichtanimierten Hand-Stab-Puppe, ist bereits im Sommer 1959 produziert worden und erlebt, wie geplant, am 1. Dezember seine Premiere auf den Bildschirmen. Geschaffen haben es Ilse Obrig und Johanna Schüppel vom SFB-Kinderfernsehen.

Unser Sandmännchen vom DFF wird zur Erfolgsgeschichte. Nachdem weitere Folgen produziert wurden, gibt es im Sommer 1960 eine Verschönerungskur der Sandmann-Figur, an der auch die Puppengestalterin Diethild Dräger Anteil hat. Bis zur Abschaltung des DFF am 31. Dezember 1991 entstehen rund 350 Sandmännchen-Rahmen, die mehr als 10.000 Abendgrüße begleiten. Danach wird das kleine Magazin in den neuen ostdeutschen Rundfunkanstalten weiter produziert und ausgestrahlt.

„Gerhard Behrendt verlieh dem kleinen Schlafbringer liebevoll Gestalt, sowohl ‚Kindliches, als auch das Merkmal der Weisheit und der Würde des Altersʻ, wie er selbst sagt. Die warme und freundliche Ausstrahlung lässt die animierte Puppe fast zu einer realen Persönlichkeit werden, deren Charme sich kaum jemand entziehen kann.“
(http://www.sandmann.de/)

Publikationen

  • Volker Petzold: Das Ost-West-Sandmännchen-Lexikon. Berlin 2009
  • Volker Petzold: Das Sandmännchen – Alles über unseren Fernsehstar. Hamburg 2009

 

22. November 1959. Feierliche deutsche Premiere von Jiří Trnkas Ein Sommernachtstraum

Zur Premiere des tschechoslowakischen Langmetrage-Films Ein Sommernachtstraum (Sen noci svatojánské, 1959) von Jiří Trnka meldet „Neues Deutschland“ auf der Titelseite:

„Am Sonntag fand im Berliner Filmtheater Colosseum aus Anlaß des Staatsbesuches einer tschechoslowakischen Partei- und Regierungsdelegation die deutsche Erstaufführung des Puppentrickfilms Ein Sommernachtstraum statt. Der Regisseur, Staatspreisträger Jiří Trnka, der sich vorstellte, wurde für seine Verfilmung des Shakespeareschen Werkes vom Berliner Publikum mit minutenlangem, stürmischem Beifall gefeiert.“
(Trnkas Sommernachtstraum im Colosseum. Neues Deutschland, Nr. 323, 23.11.1959)

Es läuft die Originalfassung im anamorphotischen Scope-Format. Kinostart der von der DEFA synchronisierten Fassung ist am 7. Oktober 1960.

„An die Puppengestalter und -führer stellte der Film außergewöhnliche Anforderungen. Nach den Entwürfen Trnkas schufen sie aus dem sehr elastischen Lastex-Material die zahlreichen kleinen Darsteller, deren Größenverhältnis zwischen 2–30 cm liegt. Allein die Schleppe des Feengewandes der Elfenkönigin Titania wird von 200 winzigen Elfen geflogen. Das Ausgangsmaterial verleiht durch seine Geschmeidigkeit und Farbe den Figuren eine sehr lebendige Ausstrahlung. Trotzdem wird dadurch die sichere und geschlossene Stileinheit nicht im mindesten durch naturalistische Einbrüche beeinträchtigt. Der Zuschauer vergißt nie, daß sich auf der Leinwand Puppen bewegen, die sich durch ein Höchstmaß an Verallgemeinerung des Charakters und des Typus auszeichnen.“
(R.H.: Jiri Trnka in Berlin. In: Deutsche Filmkunst, Nr. 1, 1960, S. 33 f.)

In westdeutschen Kinos läuft der Film nicht.

 

Dezember 1959. Erste Arbeitstagung über schöpferische Probleme des sozialistischen Kinderfilmschaffens

Vertreter der einzelnen DEFA-Studios, der VVB Film und des Progress Filmvertriebs diskutieren in Ost-Berlin über den Mangel an Kinderfilmprogrammen. Der Plan an Kinderfilmen sei im letzten Jahr „bei weitem nicht“ erfüllt worden.

„Auch 1960 wird sich dieser Mangel bei einer Kapazität von sechs Kinderspielfilmen, zehn Trickfilmen und zehn Trick-Beiprogramm-Streifen nicht beseitigen lassen, wenn etwa 52 Programme für Kinder der verschiedensten Altersstufen zusammengestellt werden sollen. […] Peter Enderlein, künstlerischer Leiter des DEFA-Studios für Trickfilme, erklärte, daß es auch aus ökonomischen Gründen nicht möglich sei, die Produktion weiter zu steigern. Erst nach Ausbau der Dresdner Ateliers könnte etwa innerhalb von fünf Jahren die doppelte Zahl von Trickfilmen hergestellt werden.“
(C.Cz.: Mehr Kinderfilmprogramme. In: Deutsche Filmkunst, Nr. 1, 1960, S. 34)

Publikation

  • Kritische Gedanken nach der Kinderfilmtagung. In: Deutsche Filmkunst, Nr. 2, 1960, S. 38 ff. [Die Redaktion]

 

4. Dezember 1959. Bundesdeutscher Filmstart von Wenn es Nacht wird in Arabien

Die Columbia-Filmgesellschaft mbH bringt die abendfüllende UPA-Produktion 1001 Arabian Nights (USA 1959, Regie: Jack Kinney) unter dem für Kindervorstellungen etwas missglückten deutschen Titel Wenn es Nacht wird in Arabien heraus.

„Kinney hat die aus orientalischen Märchenmotiven und den Formeln der Magoo-Serie geklitterte Geschichte ganz im Stil der disneyschen Ladenhüter realisiert: in süßlichen Farben, mit durchgepausten Figuren und dreidimensionalen Szenerien. Kurze Sequenzen erinnern noch von fern an die kleinen Meisterwerke der guten Zeit von UPA – das Ganze hat aber eine fatale Ähnlichkeit mit den Saccharinaden von Cinderella und Dornröschen und der Prinz.“
(Enno Patalas in: Filmkritik 1/1960)

 

22. Dezember 1959. Uraufführung des Spielfilms Die Gans von Sedan

Der Spielfilm Die Gans von Sedan (Sans tambour ni trompette) wird am 22. Dezember 1959 in der West-Berliner Filmbühne Wien uraufgeführt. Für die unter der Regie von Helmut Käutner entstandene und vom Ufa Filmverleih vertriebene deutsch-französische Koproduktion gestaltet Kaskeline-Film die Tricktitel.

 

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