Chronologie zum Animationsfilm in Deutschland 1920–29

Die Abenteuer des Prinzen Achmed, Lotte Reiniger, D 1926, ©Christel Strobel, Agentur für Primrose Film Productions

Die Abenteuer des Prinzen Achmed, Lotte Reiniger, D 1926, ©Christel Strobel, Agentur für Primrose Film Productions

Zusammenstellung: Ralf Forster, Rolf Giesen, Jeanpaul Goergen, Volker Petzold

Redaktion: Rolf Giesen, Volker Petzold

 

Die drei Säulen des deutschen Animationsfilms nach dem Ersten Weltkrieg sind:

  • der abstrakte und experimentelle Animationsfilm,
  • der Silhouettenfilm,
  • der Werbe- und Beiprogrammfilm.

 

1920. Der nach Deutschland zurückgekehrte Louis (Luis) Seel produziert den kurzen Animationsfilm Robinson Crusoe

In den USA ist Louis Seel Zeuge der ersten Cartoonfilm-Produktionen Robinson Crusoe gewesen:

„Im Jahre 1911 wurden in New York die ersten Versuche [mit dem Trickfilm] unternommen. Ich war damals politischer Karikaturist des ‚Brooklyn Daily Eagle’, der größten Nachmittagszeitung New Yorks. Gleichzeitig mit meinem Kollegen Windsor McKay [sic! Winsor McCay] von der ‚New York World’ und verschiedenen anderen Karikaturisten wie Mac Cauly und F. M. Follett richteten wir unser Augenmerk auf das Werk ‚Analysis of Motion’ von Muybridge. […] Und so entstand der erste amerikanische Zeichenfilm von 150 Meter Länge, der sich aus 2500 Einzelzeichnungen zusammensetzte. Es war eine einfache ‚Story’. Man sah den Kopf eines schlafenden Mannes und ein Moskito stach ihm in die Nase. Der Film lief als größte Attraktion in Varieté-Theatern, während Windsor McKay einige einleitende Worte vor der Leinwand sprach.“ [Hier irrt Seel: Nicht A Mosquito Operates war McCays erste Arbeit, sondern ein handkolorierter Little Nemo-Film nach seinen eigenen Comic Strips.] „Schon seit Jahren erschienen in der ‚New York World’ die Karikaturen des genialen Karikaturisten Bud Fisher ‚Mutt and Jeff’. Nichts lag näher als diese Serie zu verfilmen. Wöchentlich erschien ein Film von 150 Meter von Mutt and Jeff. Die Lichtreklame der Broadway-Kinos für Mutt and Jeff überragte die Reklame des Großfilmes. Erst nach 350 [sic! 300] Filmen starb Mutt and Jeff an Altersschwäche. Mittlerweile erfolgte die Herstellung von Colonel Heezaliar der Bray-Studios, von Bringing up Father des Hearst-Konzerns, meiner eigenen Serie von Screen Novelties [sic! Screen Follies] und anderen. Bereits 1915 wurde ich als Mitarbeiter von Bud Fisher für Mutt and Jeff gewonnen. 1918 leitete ich meine eigene Produktion und führte den Verleih-Vorspann ein, in Trickfilmform, mit getönten Hintergründen. 1920 führte ich den gezeichneten Trickfilm in Deutschland ein.“
(Film-Kurier, 1.10.1940)

Robinson Crusoe entsteht in zwei je fünfminütigen Teilen: Mein Schiff (1. Teil) und Husaren des Meeres (2. Teil).

 

1920. Helmuth Viking Fredrik Eggeling kreiert seinen ersten Experimentalfilm

Der Schwede Helmuth Viking Fredrik Eggeling, der in der Schweiz Kunstlehrer gewesen ist und sich 1918 in Zürich der Dada-Bewegung angeschlossen hat, entwirft zusammen mit seinem Freund Hans Richter in Berlin „Rollenbilder“, die den Übergang zum Filmmedium darstellen. Geometrische Zeichnungen werden zu Rollen von über zehn Meter Länge zusammengeklebt. Der Bildeindruck entsteht für den Betrachter im Vorbeigehen. Eggelings Ziel ist es, eine eigene Bewegungskunst zu schaffen, die er in Berlin kinematografisch reproduziert. Eines dieser Rollenbilder, Horizontal-Vertikal Messe von 1919, nutzt Eggeling, um damit kinematografisch zu experimentieren. Das ca. fünfminütige Experiment Horizontal-Vertikal Orchester ist nicht überliefert, denn Eggeling war mit dem 1921 vorliegenden Ergebnis noch nicht zufrieden.
(Ein historischer Überblick hin zur Entwicklung von ‚Motion Graphics‘ anhand des Musikvideos. Diplomarbeit von Mona Schwaiger. Universität Wien 2010, S. 37)

 

1920. Trick- und Experimentalfilm-Atelier bei der Ufa

John Heartfield 1959, Quelle: Wikimedia Commons/Bundesarchiv, Bild 183-69249-0004, Lizenz: CC-BY-SA 3.0

John Heartfield 1959, Quelle: Wikimedia Commons/Bundesarchiv, Bild 183-69249-0004, Lizenz: CC-BY-SA 3.0

George Grosz, 1930, Quelle: Wikimedia Commons, Lizenz: gemeinfrei

George Grosz, 1930, Quelle: Wikimedia Commons, Lizenz: gemeinfrei

John Heartfield und George Grosz machen bei der Ufa ein Trick- und Experimentalfilm-Atelier auf. Nur wenig später zerstreiten sie sich mit der Ufa-Leitung. Zurück bleibt nur ihr Kollege Svend Noldan.

 

1920. Zensurfreigabe für Der Schreiber und die Biene

Der einminütige Werbefilm für „Beyer’s Taifuntinte“ Der Schreiber und die Biene wurde bereits 1918 im Auftrag der Pinschewer-Film AG Berlin produziert, Animation Otto Hermann. Hermann ist auch als Spielfilmkameramann und Dokumentarist aktiv und führt ab etwa 1922 die Produktionsfirma Ulk-Film. Bei der von ihm angewandten Technik benutzt er ganz offensichtlich schon den Flachfigurentrick (Legetrick):

„Es handelt sich bei diesem Film um die Vorform eines Zeichentrickfilms, auch wenn er den Anschein eines Phasen-Zeichentricks erweckt. Aus Pappe ausgeschnittene Figuren, die an ihren Gelenken beweglich waren, sind Bild für Bild verstellt und in einer Art ‚Hampelmann-Technik’, die Lotte Reiniger später in ihren Silhouettenfilmen anwandte, animiert worden. Möglicherweise war der Entwerfer dieser Figur Otto Hermann.“
(Zentrale Filmografie Politische Bildung, Institut Jugend Film Fernsehen München/Hg., Band IV: 1987, A: Katalog, Leverkusen 1987, S. 180)

 

25. April 1920. Künstlerische Werbefilme von Julius Pinschewer

Der Verein der Plakatfreunde, Ortsgruppe Dresden, veranstaltet in den Dresdner Kammer-Lichtspielen eine Filmvorführung aus der Werkstatt von Julius Pinschewer.

„Nach den begrüßenden Worten des Vorsitzenden, Buchdruckereibesitzer Hans Laube, verbreitete sich Julius Pinschewer, Berlin, in klarer eindringlicher Weise über die praktische Bedeutung dieser Filme, deren werbende Kraft von Geschäftsleuten wie von Behörden zu gemeinnützigen Zwecken ausgenützt werden sollte. Man sah, staunend über diese ans Zauberhafte grenzende Vervollkommnung der Filmkunst, u.a. neben einem gutgelungenen politischen Film die ausgesprochenen Geschäftsreklame-Vorführungen, Scheren, die selbsttätig arbeiten, Nähnadeln und Stahlfedern in geisterhaft anmutender Tätigkeit. Vorzüglich waren ebenfalls die Silhouettenfilme […].“
(Dresdner Lokal-Anzeiger, Nr. 65, 27. April 1920, S. 2)

 

27. Juni 1920. Walter Ruttmanns „Verfahren und Vorrichtung zum Herstellen kinematographischer Bilder“ wird patentiert

Walter Ruttmann eröffnet seine Firma Ruttmann-Film GmbH, sehr wahrscheinlich 1920, mit dem Geschäftszweig „gezeichnete Filme“ in München, Zuccalistraße 2. Im gleichen Jahr erhält er das erste Tricktisch-Patent in Deutschland. Am 27. Juni 1920 wird das Patent auf sein „Verfahren und Vorrichtung zum Herstellen kinematographischer Bilder“ ausgegeben (Patentschrift Nr. 338774, Klasse 57a, Gruppe 37).

„Deutsches Reich Reichspatentamt Patentschrift – Nr. 338774 – Klasse 57a, Gruppe 37, Walther Ruttmann in München.

Verfahren und Vorrichtung zum Herstellen kinematographischer Bilder.

Patentiert im Deutschen Reich vom 27. Juni 1920 ab.

Mit der Erfindung wird bezweckt, ein Verfahren zum Herstellen kinematographischer Aufnahmen nach sich nicht bewegenden, zwischen den Einzelaufnahmen veränderten Vorlagen zu schaffen.

Hierzu werden erfindungsgemäß die aufeinanderfolgenden, zur Darstellung eines kinematischen Vorganges gehörenden photographischen Aufnahmen von mehreren in dem Lichtweg hintereinanderliegenden, durchsichtigen und gegeneinander beweglichen Bildplatten abgenommen, an denen die erforderlichen Änderungen, z. B. der Stellung, der Beleuchtung u. dgl. vorgenommen werden; diese Änderungen können sich auf Bildteile erstrecken oder auch die ganzen Bildplatten erfassen.“
(Ruttmann zit. nach: Film als Film, 1910 bis heute. Vom Animationsfilm der zwanziger bis zum Filmenvironment der siebziger Jahre. Herausgegeben von Birgit Hein und Wulf Herzogenrath. Kölnischer Kunstverein, Stuttgart 1977 und Jeanpaul Goergen: Walter Ruttmann. Eine Dokumentation. Berlin o.J. [1989], S. 21)

Publikationen

Jeanpaul Goergen: Walther Ruttmann. Eine Dokumentation. Berlin (West), o. J. [1989]

Walther Ruttmann. In: CineGraph. Lexikon zum deutschsprachigen Film. München 1984 ff.

 

7. September 1920. Uraufführung John Hagenbecks lustige Jagden und Abenteuer

ehemaliges Filmtheater Marmorhaus Berlin, Quelle: Wikimedia Commons/A.Savin, Lizenz: CC-BY-SA 3.0

ehemaliges Filmtheater Marmorhaus Berlin, Quelle: Wikimedia Commons/A.Savin, Lizenz: CC-BY-SA 3.0

Im Marmorhaus in Berlin läuft unter dem Titel Die Löwenjagd der 1. Teil einer von Kurt Wiese gestalteten Zeichentrickfilm-Reihe John Hagenbecks lustige Jagden und Abenteuer, produziert von John Hagenbeck selbst. Weitere Teile, die bis 1921 entstehen, sind: Die Eisbärenjagd, Die Elefantenjagd, Die Känguruhjagd, Die Affenjagd und Die Nashornjagd.

 

20. September 1920. Zensurfreigabe für Die letzte Pflaume

Der kurze, von der Ufa-Trickfilmabeilung hergestellte Animationsfilm von Harry Jäger Die letzte Pflaume wird von der Zensur freigegeben. Jäger war 1918 in das im Jahr zuvor vom Kriegsministerium als Propagandainstrument geschaffene Bild- und Filmamt (Bufa) eingetreten.

 

6. Dezember 1920. Zensurfreigabe für Krüppelnot und Krüppelhilfe

Der von der Ufa Berlin für das medizinische Filmarchiv unter der Regie von Dr. med. Nicholas Kaufmann produzierte Dokumentarfilm Krüppelnot und Krüppelhilfe enthält Trick-Animationen von Svend Noldan.

 

16. Dezember 1920. Filme des Instituts für Kulturforschung in der Berliner Urania

Zur Uraufführung gelangen die ersten reinen Silhouettenfilme von Lotte Reiniger Das Ornament des verliebten Herzens, Amor und das standhafte Liebespaar sowie Jorinde und Joringel von Toni Raboldt. Die beiden letztgenannten werden am 18. Dezember 1920 von der Berliner Filmprüfstelle zensiert. Reiniger war zuvor mit Silhouettenarbeiten für Paul Wegener hervorgetreten und hatte u. a. Titelumrahmungen für seinen Spielfilm Der Rattenfänger (1918) angefertigt.

Amor und das standhafte Liebespaar sowie Jorinde und Joringel sind nicht erhalten.

Publikation
Gesellschaft für Kulturforschung. In: Film-Kurier, Nr. 278, 15.12.1920

 

24. Dezember 1920. Zensurfreigabe für Im Lande der Apachen

Die Werbefilm GmbH Julius Pinschewer hat Harry Jäger mit der Animation Im Lande der Apachen betraut.

 

1921. Hans Fischerkoesen startet als Werbefilmer

Die Leipziger Schuhfirma Nordheimer kauft Hans Fischerkoesen seinen ersten Reklamefilm ab: Der Bummel-Petrus. Fischerkoesen hat ihn auf eigenes Risiko in wochenlanger Arbeit animiert. Schließlich gründet er in Leipzig im gleichen Jahr ein eigenes Atelier, die Dux-Film Hans Fischer-Kösen. Er etabliert sich von den frühen 1920er bis in die 1960er Jahre als einer der produktivsten und kreativsten Zeichner im Bereich des Werbefilms.

Neben der Tätigkeit für seine eigene Firma animiert Fischerkoesen ab Frühjahr 1921 vor allem für die Werbefilm GmbH von Julius Pinschewer kurze humorvolle Reklamefilme (Die drei Mohren, Juni 1922, Werbung für Sarotti).

Im Jahr 1927 wechselt er zur mächtigen Ufa, seine Filme erscheinen fortan unter dem Label „Ein Fischerkoesen-Film der Ufa“. Auch fertigt er einige Animationsfilmpassagen für Kulturwerbefilme (Der gläserne Motor, 1931). Seit 1940 betreibt Hans Fischerkoesen ein Werbefilmatelier in Potsdam. Zu seinen herausragenden Werken gehören die drei in Potsdam entstandenen werbefreien Animationsfilme Verwitterte Melodie (1943), Der Schneemann (1944) und Das dumme Gänslein (1944). Nach 1945 setzt Fischerkoesen seine Kariere im Westen Deutschlands fort und unterhält seit 1949 in Mehlem bei Bad Godesberg ein großes Werbefilmstudio, das sich zum Marktführer für kurze Produktwerbespots im Vorfernsehzeitalter entwickelt.

Im gleichen Jahr entstehen von ihm in seiner Firma Dux die Zeichentrickfilme

Ebenfalls als gezeichnete Filme realisiert er für Transocean-Film

Für Venus-Film Leipzig, Hermann Grau, fertigt er Der Kaiser der Sahara.

Publikationen

William Moritz: The Case of Hans Fischerkoesen (1992): www.awn.com

Günter Agde: Hans Fischerkoesen – Zum 100. Geburtstag. In: Begleitheft zu Hans Fischerkoesen. Die besten Kinospots der 50er Jahre (VHS, Deutsches Werbemuseum 1996), S. 6–30

Günter Agde: „Ohne Verfallsdatum“. Der deutsche Werbefilmregisseur Hans Fischerkoesen 1896–1973. In: epd/Film, 9/1996, S. 20–25

Hans Fischerkösen. In: CineGraph. Lexikon zum deutschsprachigen Film. München 1984 ff.

Rolf Aurich: Pinschewer, Julius. In: www.deutsche-biographie.de

 

1921. Start der Serie Münchner Filmbilderbogen des Zeichners Louis (Luis) Seel

Louis Seels Zeichentrickfilme mit Realaufnahmen nach dem Rotoskopie-Verfahren der Serie Münchner Filmbilderbogen [auch: Münchener Filmbilderbogen] entstehen für die Möve-Film GmbH (im Münchner Emelka-Konzern), dann für seine eigene Firma Louis Seel GmbH. Zwischenzeitlich arbeiten auch Oskar Fischinger und Seels Frau, Olivette Thomas, an der Serie mit. Die Titel fertigt der Theatermaler Rudolf Pfenninger.

„Die bekannteste Produktion der Möve-Film wurden die ab 1921 14-tägig erschienenden Wochenberichte Münchner (Film)Bilderbogen, in denen Seel (als deutsche Neuheit) Real- und (Zeichen)Trickfilm miteinander kombinierte. […] Anfang 1922 verließ Seel die Moeve-Film, den Münchner Bilderbogen setzte Seels Frau ab August mit Oskar Fischinger fort. Nach der Fusionierung der Moeve-Film mit der Emelka-Kulturfilm Mitte 1923 übernahm Seel den Bilderbogen in seine eigene Firma Seel-Thomas-Film, die bis [Sommer] 1927 existierte. 1924 gründete er in New York die Louis-Seel-Incorporated und in München, als Tochter, die Louis-Seel-GmbH (Produktion und Verleih), deren technischer Leiter Oskar Fischinger war.“
(Klaus Sigl /Hg.: Von „A“ bis „Zip/Zip“. Trickfilme aus München 1918–1987, München 1987, S. 109, zit. nach Louis Seel: Aus der Anfangszeit des Trickfilms. In: Film-Kurier, Nr. 230, 1.10.1940)

1939 kehrt Louis Seel nach Deutschland zurück.

Von den schätzungsweite 80 produzierten, durchschnittlich fünf Minuten langen Episoden sind 50 filmografisch nachweisbar, fünf gelten als physisch überliefert.

Publikationen

Louis Seel: Aus der Anfangszeit des Trickfilms. In: Film-Kurier, Nr. 230, 1.10.1940

Klaus Sigl (Hg.): Von „A“ bis „Zip/Zip“. Trickfilme aus München 1918–1987, München 1987, S. 109

 

1921. Wolfgang Kaskeline startet mit Werbefilmen

In seinem Haus in Berlin-Tempelhof nimmt der 1914 schwer kriegsversehrte ehemalige Zeichenlehrer einer Oberrealschule, Wolfgang Kaskeline, eine Zeichen- und Animationsfilm-Produktion auf. Anfangs werden seine Werbefilme durch Mendelfilm, Arminius-Film und Werbekunst Epoche GmbH in Frankfurt/Main vertrieben. An der Kamera unterstützt wird Kaskeline von einem seiner ehemaligen Schüler, Gerhard Huttula.

Wolfgang Kaskeline, geboren am 23. September 1897 in Frankfurt am Main und von Beruf Oberzeichenlehrer, stirbt am 13. März 1973 in Berlin (West).

(Quelle: Erinnerungen von Gerhard Huttula. Gespräch mit Rolf Giesen um 1994)

 

Februar 1921. Animationsfilme der Werbedienst GmbH für Manoli-Zigaretten

Paul Simmel, Anfang 1930er Jahre, Quelle: Neues Paul Simmel-Album, Wikimedia Commons, Lizenz: gemeinfrei

Paul Simmel, Anfang 1930er Jahre, Quelle: Neues Paul Simmel-Album, Wikimedia Commons, Lizenz: gemeinfrei

Lucian Bernhard, 1929, Quelle: Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten, 64/1929/Wikimedia Commons, Lizenz: gemeinfrei

Lucian Bernhard, 1929, Quelle: Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten, 64/1929/Wikimedia Commons, Lizenz: gemeinfrei

Beauftragt werden unter anderem der bekannte Plakatgestalter Lucian Bernhard und der Karikaturist Paul Simmel. Der Werbedienst betreibt ein eigenes Atelier für Werbefilme „und erwirkt die Aufführung der von ihm hergestellten Bildstreifen in mehr als 1000 der besten Lichtspielbühnen Deutschlands.“ (Anzeige in: Die Reklame, Nr. 4, April 1921, S. 128) Bereits Mitte 1921 wird der neue Service unter dem Motto „Das lebende Plakat“ wahrscheinlich wieder eingestellt.
Die Filme sind nicht überliefert.

Publikation
Ralf Forster: Ufa und Nordmark. Zwei Firmengeschichten und der deutsche Werbefilm 1919–1945. Trier 2005, S. 63 f.

 

3. Februar 1921. Uraufführung von Der verlorene Schatten

Der von Rochus Gliese geschriebene und inszenierte Paul-Wegener-Film Der verlorene Schatten der Projektions-AG „Union“ (Berlin) PAGU nach Motiven der Erzählung „Peter Schlemihl“ von Adelbert von Chamisso wird zum ersten Mal im Berliner U.T. Kurfürstendamm gezeigt. Die Silhouetten der Zwischentitel besorgt Lotte Reiniger.

 

1. April 1921. Wachsexperimente von Oskar Fischinger

Bei der Voraufführung von Lichtspiel Opus 1 von Walter Ruttmann im Rahmen einer geschlossenen Veranstaltung im U.T. im Schwan in Frankfurt am Main macht der Dramaturg, Literatur- und Theaterkritiker Dr. Bernhard Diebold den jungen Künstler und Ingenieur Oskar Fischinger mit Walter Ruttmann bekannt, der sich 1917 der abstrakten Malerei zugewendet hat. Fischinger schildert seine Idee einer für Animationsaufnahmen präparierten Wachsschneidemaschine, die auf Film einen „lebendigen“ Querschnitt durch den Wachsblock erzeugt.

„Die Herausbildung einer reinen Filmsprache […], verbunden mit der Absage an Erzählstrukturen des Handlungsfilms, geht in Deutschland in den 1920er Jahren vor allem von der Malerei aus. Grundlage sind Überlegungen bildender Künstler des Konstruktivismus, mit Hilfe des Mediums Film ihre Arbeiten der starren Leinwand zu entreißen und sie in der Zeit fortzusetzen.“
(Matthias Knop: Zwischen Expressionismus und Avantgarde. Lotte Reiniger – die Filmdichterin der Schattenwelt. In: Animation und Avantgarde. Lotte Reiniger und der absolute Film. Tübingen 2015, S. 27)

Noch im selben Jahr wird Fischinger seine Wachsexperimente mit der Filmkamera aufnehmen: Bereits diese gehen, die mediale Zukunft vorausahnend, „als perfekte Trip-Bebilderung einer vorzeitlichen Flash-Animation“ durch und lassen „Assoziationen zwischen Kosmos und weiblichem Geschlecht“ zu. (Heinrich Deisl: Absolute Bilderwelten. www.ray-magazin.at)

Wie die Maler so formuliert auch Diebold das Postulat, dass der Film sich vom Naturalismus lösen müsse, um Kunst zu werden: „Wie gelänge ihm volle ästhetische Ausnutzung seines technischen Wunderwesens für eine wirkliche Eigenkunst, die der Photographie nicht mehr prinzipiell für ihre Erscheinung, sondern nur noch technisch vorbereitend bedürfte.“ (Bernhard Diebold: Film und Kunst. In: Frankfurter Zeitung, 7. September 1920)

Im November 1922 schließt Walter Ruttmann mit Oskar Fischinger einen Lizenzvertrag für eine seiner Wachsschneidemaschinen.

Publikation

DVD/BluRay: Oskar Fischinger – Ten Films (absolut Medien)

 

6. April 1921. Patent von Svend Noldan und Hans Pander

„Verfahren zum Herstellen von Kino-Trick-Filmen“ (Deutsches Patentamt, Patentschrift Nr. 355784, Klasse 57a, Gruppe 37)

„Die Erfindung betrifft ein kinematographisches Trickverfahren, das dazu dienen soll, die Aufnahmen einer Naturszene und einer phasenweise gezeichneten Szene oder einer echten Naturszene und einer trickmäßig bewegten Naturszene oder zweier Naturszenen derart auf einem Bildbande zu vereinen, daß dessen Vorführung einen einheitlichen Vorgang vortäuscht. Solche Trickfilme sind zur Unterhaltung wie zur Belehrung geeignet, denn sie ermöglichen überraschende, an sich unmögliche Szenen wie Erscheinungen u. dgl. und sind imstande, bei Lebewesen, bei Maschinen usw. Bau und Bewegung im Innern trickmäßig innerhalb echter Naturaufnahmen zu zeigen.“
(aus der Patentschrift)

Publikation

DEPATISnetDatenbank zu Patentveröffentlichungen aus aller Welt

 

27. April 1921. Uraufführung von Lichtspiel Opus 1 von Walter Ruttmann

Der von seiner Ruttmann-Film GmbH, München, produzierte erste abstrakte Animationsfilm Lichtspiel Opus 1 hat im Berliner Marmorhaus Premiere. Er war in einem Dreivierteljahr in 10.000 Filmphasen animiert und verschiedenfarbig viragiert worden. Max Butting komponierte die Begleitmusik. Der knapp viertelstündige Streifen wird am 29. Oktober 1921 von der Film-Prüfstelle in München zensiert.

„Dieses photodramatische Werk bildet den Anfang einer durchaus neuen Art von Kunstschöpfung. Als Beginn einer wirklich selbständigen Filmkunst sieht man Gestaltungen, Farbe und Geschehen in einer bisher noch nie gezeigten Einigung zum Kunstausdruck werden. Absehend von der Verkörperung der Ereignisse dieser Welt erhebt sich diese junge Kunst in einer Reinheit, die der Musik vergleichbar ist, zum Spiel und Gegenspiel von Motiven und Harmonien, die uns vielleicht an den Anfang einer neuen Kunstepoche führen. Die Symphonie des Optischen […] wird hier Ereignis.“
(Aus der Einladung zur Uraufführung)

„Farbige Dreiecke bekämpften farbige Kreise, die anschwollen und zusammenschrumpften. Strahlenbündel schwangen. Sonnen kreisten. Es gab nur ein Gesetz, das sie gegeneinander- und auseinandertrieb, das die Formen sich dehnen und schwinden ließ: den Rhythmus. Ein Bewegungsspiel von seltener Reinheit. Im Grunde war es die Urform des Filmspiels (zu der hier erst eine späte Entwicklung kam): Formen in rhythmischer Bewegung zu zeigen, unabhängig von stofflichen Hemmungen, unabhängig von Belastung durch die Materie. Sichtbare Musik, hörbares Licht. Dieser Film war nicht photographiert. Er war gemalt. Und wurde direkt übertragen.“
(Herbert Ihering in: Berliner Börsen-Courier, Nr. 201 vom 1.5.1921)

Auch Alfred Kerr findet lobende Worte für Walter Ruttmanns Experimente. Expressionistenbilder seien unbewegsam: „Chagalls Leuchtparadiese bleiben doch starr. Die Funkelfuturismen der neuesten Pariser versteinern reglos – im Rahmen. Hier aber flitzen Dinge, rudern, brennen, steigen, stoßen, quellen, gleiten, schreiten, welken, fließen, schwellen, dämmern; entfalten sich, wölben sich, breiten sich, verringern sich, kugeln sich, engen sich, schärfen sich, teilen sich, krümmen sich, heben sich, füllen sich, leeren sich, blähen sich, ducken sich; blümeln und verkrümeln sich.

Kurz: Expressionismus in Bewegtheit. Ein Rausch für die Pupille … Aber kein Menschenfilm.“ (Berliner Tageblatt, 16.6.1921)

Lotte Reiniger: „Ich sah zunächst Ruttmanns Filme im Marmorhaus in Berlin in einer Nachtvorstellung. Wir hatten gehört, da kommt ein Künstler aus München, der abstrakte Filme macht. Und da wir an dieser speziellen Arbeit sehr interessiert waren, gingen wir da hin und sahen uns die Filme an, und wir waren ungeheuer begeistert, waren hingerissen von dem musikalischen Rhythmus dieser Sache, von der wirklichen Darstellung einer musikalischen Bewegung – optisch – das war für uns etwas gänzlich Neues und wir trachteten dann auch danach, diesen Künstler kennenzulernen, und luden ihn ein, sich in unserem Institut unsere Filme anzusehen, d. h. meine kleinen Silhouettenfilme, dann ein Film, den mein Mann gemacht hatte, und dann auch die Trickfilme von Bartosch.“
(Zit. nach: Jeanpaul Goergen: Walter Ruttmann. Eine Dokumentation. Berlin (West), o. J. [1989], S. 23 f.)

Publikationen

Jeanpaul Goergen: Walter Ruttmann. Eine Dokumentation. Berlin (West), o. J. [1989]

Walther Ruttmann. In: CineGraph. Lexikon zum deutschsprachigen Film. München 1984 ff.

Malte Hagener: Moving Forward, Looking Back. The European Avantgarde and the Invention of Film Culture 1919–1939. Amsterdam 2007

DVD: Walther Ruttmann. Berlin, die Sinfonie der Großstadt & Melodie der Welt (Edition Filmmuseum 39)

 

3. Juni 1921. Zensurfreigabe für Der Zahnteufel von Harry Jäger

Der Werbe-Animationsfilm Der Zahnteufel wurde produziert von der Werbefilm GmbH, Julius Pinschewer.

 

17. August 1921. Zensurfreigabe für Knutt und Jupps Jagdabenteuer

Knutt und Jupps Jagdabenteuer ist der wohl erste filmografisch nachweisbare Titel der Firma Plastrick-Film AG Berlin, den sie gemeinsam mit Alba-Film Berlin koproduziert. In der Folge wird sie bis 1924 noch gut zwei Dutzend Animationsfilme herstellen, zumeist in Zeichen- und Puppentrick.

Im Jahre 1921 entstehen noch von der Firma

  • Herkules Hopps (mit Alba-Film, Zensurfreigabe 18. Oktober 1921),
  • Höhenluft (mit Alba-Film, „plastischer Trickfilm“/= Stop Motion, von Otto Hermann und Theodor Leißer, Uraufführung am 18. November 1921 im Terra-Theater Motivhaus in Berlin),
  • Detektiv Fips (mit Alba-Film, Puppentrickfilm von Theodor Leißer, Uraufführung am 21. November 1921 im Terra-Theater Motivhaus in Berlin).

 

14. September 1921. Uraufführung von Der fliegende Koffer von Lotte Reiniger

Lotte Reinigers Silhouettenfilm Der fliegende Koffer – In beweglichen Schattenbildern erzählt erlebt seine Uraufführung im Berliner Terra-Theater Motivhaus. Die Zensurfreigabe erfolgt 29. Mai 1922. Der nach einer Geschichte von Hans Christian Andersen entstandene Streifen ist ihr frühester erhaltener Märchenfilm.

Pressestimmen: „Entzückend geschnittene Silhouetten mit feinen, grotesken Linien beleben die Leinwand auf ganz neue, aparte Weise.“ (Film-Kurier, 15.9.1921)

„… gehört zu den graziösesten und reizendsten Sachen, die je über die Leinwand gegangen sind. Er eröffnet der Filmkunst wirklich neue Perspektiven.“
(General-Anzeiger, 24.9.1921; beide zit. nach: Christel Strobel/Hg.: Lotte Reiniger. Märchen und Fabeln. DVD/BluRay, Begleitheft)

Publikation

Christel Strobel (Hg.): Lotte Reiniger. Märchen und Fabeln. DVD, Berlin (absolut Medien) 2006/2007

 

Oktober 1921. Uraufführung von Der Wettlauf zwischen dem Hasen und dem Igel

Der Ufa-Kulturfilm Der Wettlauf zwischen dem Hasen und dem Igel (auch: Der Wettlauf zwischen dem Hasen und dem Swinegel) wird im Berliner Mozartsaal uraufgeführt. Für Regie und Animation zeichnet Harry Jäger verantwortlich, nach einem Manuskript von Johannes Meyer, der 1920 bereits einen realen Langmetrage-Märchenfilm Der kleine Muck geschrieben hat.

Am 9. November 1922 legt die Ufa-Kulturabteilung der Zensur ein weiteres Grimm-Märchen von Harry Jäger und Johannes Meyer vor: Das tapfere Schneiderlein.

 

14. November 1921. Uraufführung des Silhouettenfilms Elfenzauber

Tauentzien-Palast Berlin, 1914, Quelle: historische Ansichtskarte, Verlag Heyer, Kinowiki, Lizenz: gemeinfrei

Tauentzien-Palast Berlin, 1914, Quelle: historische Ansichtskarte, Verlag Heyer, Kinowiki, Lizenz: gemeinfrei

Der Silhouettenfilm Elfenzauber der Berliner Colonna-Film GmbH, Hanns Walter Kornblum erlebt seine Uraufführung im Tauentzien-Palast Berlin. Die Gestaltung hat Ernst Mathias Schumacher inne, ein Silhouettenkünstler.

 

1. Dezember 1921. Uraufführung von Der Stern von Bethlehem von Lotte Reiniger

Der wieder vom Institut für Kulturforschung produzierte Silhouettenfilm Der Stern von Bethlehem von Lotte Reiniger passiert die Zensur am 21. Dezember 1921. Am gleichen Tag erlebt er in Berlin seine Uraufführung im Terra-Theater.

Der Film gilt als nicht überliefert. 1956 gibt es ein „Remake“ in London: The Star of Bethlehem – Regie: Vivian Milroy, Technik und Animation: Carl Koch und Lotte Reiniger.

 

1922. Start des Werbefilmers Curt Schumann

Curt Schumann, der an der Leipziger Akademie für Grafik und Buchhandel studiert hat, folgt dem Beispiel seines Freundes Hans Fischerkoesen und fängt im Werbefilm bei Hermann Graus Firma in Leipzig an: Die Geschichte des bösen Rasselmann (verschollen). 1922 folgen Arbeiten an Die Bürgschaft als Zeichner für Hermann Grau und Berühmte Zeitgenossen für den Unitas Film-Vertrieb (Zensurfreigabe für beide Titel am 16. Mai 1922). Noch im selben Jahr arbeitet er für Fischerkoesens Firma Dux-Film. Später wird er nach Berlin gehen und dort das Atelier der Heinrich-Heine-Werbefilm leiten.

Publikation

Günter Agde: Flimmernde Versprechen. Geschichte des deutschen Werbefilms im Kino seit 1897. Berlin 1998, S. 61 f.

 

1922. Filme der Plastrick-Film

Im Jahre 1922 produzierte die Plastrick-Film AG die folgenden Animationsfilme:

 

Januar 1922. Ewald-Film GmbH in Berlin-Spandau gegründet

Die Firma des Major a. D. Hans Ewald bezweckt die „Herstellung von Unterhaltungs-, Werbe-, wissenschaftlichen und Lehrfilmen.“ (Film-Kurier, Nr. 34, 13.2.1922) Sie spezialisiert sich schließlich auf technische und wissenschaftliche Animationsfilme.

„Die Ewald-Filmgesellschaft stellt Industrie-, Werbe- und wissenschaftliche Filme her und ist nicht nur auf die Lieferung hochwertiger humoristischer Zeichen-Trickfilme, sondern ganz besonders auch auf technische und medizinische Lehrfilme eingerichtet, die eine wissenschaftliche Durcharbeitung und schwierige Konstruktionszeichnungen […] erfordern. […] Die Herstellung solcher Zeichenfilme erfordert vollwertige Künstler mit großen Erfahrungen in ihrem Spezialfache. […] Ein Zeichenfilm ist keine Meterware, sondern ein Kunstwerk.“
(Firmenkatalog, ca. 1929)

Zum Portfolio des Betriebs gehören nicht nur Titel wie Hochofenbegichtung durch Trichterkübel mittels Schrägaufzugs nach dem patentierten System der P. Poling A.-G., Köln (Zensurfreigabe 11. August 1922), sondern auch kurze Märchenfilme wie Das Schlaraffenland (Zensurfreigabe 26. März 1924), hergestellt in Zusammenarbeit mit der Weinschenk-Film AG.

Zum Verkaufsschlager und Aushängeschild des Unternehmens entwickelt sich die zwischen 1926 und 1928 im technischen Sachtrick ausgeführte elfteilige Serie Der Motorwagen – mit durchweg instruktiven Folgen wie Der Vergaser, Die Zündung, Die Bremsen, Das Kreuzgelenk (Kardan) oder Die Kühlung. 1941 verkündet Ewald den Absatz von 7.000 Kopien in alle Welt.

Publikation
Hans Ewald sen. In: CineGraph. Lexikon zum deutschsprachigen Film. München 1984 ff.

 

15. Februar 1922. Zensurfreigabe für Lichtspiel Opus 2 von Walter Ruttmann

Nach einer Voraufführung in Frankfurt am Main im Januar des Jahres wird Lichtspiel Opus 2 von Walter Ruttmann am 15. Februar von der Zensur freigegeben. Die öffentliche Uraufführung erfolgt allerdings erst im Rahmen einer Matinee am 3. Mai 1925 in Berlin.

Publikationen

Jeanpaul Goergen: Walter Ruttmann. Eine Dokumentation. Berlin (West), o. J. [1989]

DVD: Walther Ruttmann. Berlin, die Sinfonie der Großstadt & Melodie der Welt (Edition Filmmuseum 39)

 

15. März 1922. Zensurfreigabe für Das Geheimnis der Marquise

Pinschewers Lotte-Reiniger-Film Das Geheimnis der Marquise wirbt für die Beiersdorf AG Hamburg. Zwischentitel: „Unwiderstehlich reizend macht Nivea Seif’ und Creme. Gut’ Nacht!“

Publikation

DVD: Lotte Reinigers Doktor Dolittle & Archivschätze, Berlin (absolut Medien/arte Edition) 2006/2007

DVD/BluRay: Lotte Reiniger: Die Abenteuer des Prinzen Achmed, mit Bonusfilm Das Geheimnis der Marquise, in HD restauriert. Fridolfing (absolut Medien/arte Edition) 2018

 

2. April 1922. Uraufführung von Die Grundlagen der Einsteinschen Relativitätstheorie

Der Dokumentarfilm der Colonna-Film GmbH Hanns Walter Kornblum Die Grundlagen der Einsteinschen Relativitätstheorie feiert seine Uraufführung am 2. April 1922 zur Eröffnung der Messe in Frankfurt am Main. Am Tag darauf erfolgt die Berliner Aufführung im U.T. am Nollendorfplatz. Der Film enthält animierte Passagen.

 

4. April 1922. Zensurfreigabe für Der Sieger. Ein Film in Farben

Der Sieger. Ein Film in Farben von Walter Ruttmann und Julius Pinschewer entstand im Auftrag der Hannoverschen Gummiwerke:

Der Sieger von 1922 ist der erste animierte Werbe-Kurzfilm des Bauhaus-Künstlers Walter Ruttmann. Er zeigt die Unverwüstlichkeit von Excelsior-Reifen, dargestellt mit Hilfe einer Kombination aus realistischen und abstrakten Elementen. Die Formen Kreis (Reifen) und spitze Dreiecke (Bedrohung) sind vorherrschend und scheinen einen Kampf gegeneinander zu führen, aus dem der Kreis schlussendlich als Sieger hervorgeht. Vorher wird auf ebenfalls abstrakte Art und Weise symbolisch die Entstehung eines solchen Reifens dargestellt: archaisch anmutende Elemente formen aus einem Ausgangskreis den fertigen Reifen. Zutaten dafür sind verschiedene Urstoffe, von denen einige Assoziationen zu Götterboten Hermes‘ geflügelten Schuhen oder zu Feuer auslösen. Der so entstandene Reifen muss sich durch verschiedene, immer herausforderndere Tests bewähren: von einfachen wellenförmigen Landschaften über treppenartige Plateaus bis hin zu unebenen, quasi-realistischen Gegebenheiten (die Silhouette der Excelsior-Fabrik wird hierbei gezeigt). Seine Stärke und Unzerstörbarkeit beweist der Reifen dann im schon erwähnten Kampf gegen die spitzen Dreiecke, über die er am Schluss als Sieger triumphiert.“
(Ansgar Striepens: Der Sieger – Ein Film in Farben, Köln 2018: www.bundesjazzorchester.de)

Publikationen

Jeanpaul Goergen: Walter Ruttmann. Eine Dokumentation. Berlin (West), o. J. [1989]

DVD: Walther Ruttmann. Berlin, die Sinfonie der Großstadt & Melodie der Welt (Edition Filmmuseum 39)

 

16. Mai 1922. Zensurfreigabe für Professor Sprit in Afrika

Als Zeichner des von der Unitas Film, Berlin, vertriebenen Films Professor Sprit in Afrika wird Hans Fischerkoesen genannt.

 

6. Juni 1922. Zensurfreigabe für Münchhausen von Otto Hermann

Der Animationsfilm Münchhausen wurde gestaltet und produziert von Otto Bergmann und seiner Berliner Firma Ulk-Film.

 

6. Juni 1922. Start der Animationsfilmreihe Plimps und Plumps

Mit Plimps und Plumps versuchte Otto Hermann mit seiner Firma Ulk-Trickfilm Berlin eine populäre Reihe aufzubauen, in deren Mittelpunkt ein skurriles Gaunerpaar steht. Die jeweils etwa zehnminütigen Filme entstanden – wie bereits auch schon der unter der Mitwirkung von Otto Hermann realisierte Pinschewer-Titel Der Schreiber und die Biene von 1920 – in einer sehr frühen Anwendung der Flachfiguren-Technik (Legetrick). Nachweislich wurden von Ulk-Trickfilm sieben Episoden produziert:

Die Episoden Plimps und Plumps, die lustigen Vagabunden, Plimps und Plumps reisen nach Afrika und Plimps und Plumps gründen eine Menagerie gelten als verschollen.

 

9. August 1922. Zensurfreigabe für Das Wunder

Der Werbefilm Das Wunder. Ein Film in Farben von Walter Ruttmann und Julius Pinschewer wird am 9. August 1922 zugelassen. Pinschewers Werbefilm GmbH produziert ihn im Auftrag der Hartwig Kantorowicz AG: „Kantorowicz-Liköre weltbekannt“.

 

9. August 1922. Zensurfreigabe für Schokoladenliebe

Hans Fischerkoesen stellt im Auftrag der Werbefilm GmbH Julius Pinschewer Schokoladenliebe her, der die Zensur am 9. August 1922 passiert.

 

23. Dezember 1922. Uraufführung des Lotte-Reiniger-Silhouettenmärchens von Dornröschen

Die Uraufführung von Dornröschen erfolgt im Rahmen einer geschlossenen Veranstaltung vor Kindern des Vereins „Berliner Presse“.

„Produktionsfirma: Deutsche Lehrfilm G.m.b.H (laut ‚Film-Kurier’) oder Sochatschewer, Berlin (laut ‚Filmportal’). / Das einzige überlieferte Filmmaterial von diesem in Berlin produzierten frühen Märchenfilm Lotte Reinigers ist im Filmarchiv des Dänischen Filminstituts als dänische Verleihfassung erhalten.“
(DVD: Lotte Reinigers Doktor Dolittle & Archivschätze, Berlin, absolut Medien/arte Edition 2006/2007, Begleitheft)

Publikation

DVD: Lotte Reinigers Doktor Dolittle & Archivschätze, Berlin, absolut Medien/arte Edition 2006/2007

 

1923. Hans Fischerkoesen zeigt Die Besteigung des Himalaja (Mount Everest)

Der Film Die Besteigung des Himalaja (Mount Everest) entsteht für Werbefilm GmbH, Julius Pinschewer.

 

1923. Curt Schumanns Heinzelmännchen von heute

Curt Schumann liefert für die Ufa den Trickfilm Heinzelmännchen von heute, eine Werbung für Union-Briketts. Der Film gilt als verschollen.

 

1923. Titel der Plastrick-Film

Die Plastrick-Film AG produziert 1923 die Titel

 

8. Februar 1923. Zensurfreigabe für Khasana, das Tempelmädchen

Für Pinschewer hat Toni Raboldt die Scherenschnitt-Werbung Khasana, das Tempelmädchen animiert, eine Parfümreklame für die gleichnamige Marke.

 

6. März 1923. Aschenputtel von Lotte Reiniger von der Zensur freigegeben

Das bereits 1922 fertiggestellte Silhouetten-Aschenputtel von Lotte Reiniger liegt der Zensur vor und wird freigegeben. Hans Cürlis hat es im Institut für Kulturforschung Berlin im Auftrag der I.G. Farbenindustrie (Agfa) produziert. Reinigers Mitarbeiter sind Toni Raboldt und Alexander Kardan.

„Eine künstlerische Meisterleistung. Die Atmosphäre ist hier eingefangen mit einer naiven Romantik und einem immanenten Humor. Diese Silhouetten haben individuelles Leben, in denen das Wesentliche der Märchengestalten Figur geworden ist.“
(Film-Kurier, 9.3.1923, zit. nach: Christel Strobel: Lotte Reiniger – Erfinderin des Silhouettenfilms. München 2013/2. Auflage 2018, S. 15)

 

16. März 1923. Zensurfreigabe für Die Flöte des Akajo

Der Silhouettenfilm Die Flöte des Akajo wurde produziert von der Neuen Kinematographischen GmbH (NKG) München.

 

10. April 1923. Zensurfreigabe für Kalif Storch

Das Silhouetten-Märchen Kalif Storch nach Wilhelm Hauff, gestaltet von Ernst Mathias Schumacher und hergestellt von der Colonna-Film GmbH, Hanns Walter Kornblum Berlin, wird von der Zensur freigegeben. Im Dänischen Filminstitut gelagertes Material zu diesem Film wurde über Jahrzehnte fälschlicherweise Lotte Reiniger zugeschrieben.

Publikation

DVD: Lotte Reinigers Doktor Dolittle & Archivschätze, Berlin, absolut Medien/arte Edition 2006/2007

 

23. Juni 1923. Ein Schreiben über inflationsgefährdete Honorare in der Trickfilmbranche

Mit der Ufa-Kulturabteilung arbeitet auch der Illustrator Hans Zoozmann. In einem Schreiben der Ufa Berlin-Steglitz vom 23. Juni 1923 heißt es, die inflationsgefährdeten Honorare betreffend, u. a.:

„Auf eine Bezahlung in Goldmark können wir uns nicht einlassen, da die Dollarschwankungen mit den Fabrikationspreisen der Filmindustrie nicht parallel laufen. Wenn Sie – begreiflicherweise – der Geldentwertung vorbeugen wollen, so ist es wohl am besten, die Tariferhöhungen der Filmindustrie, die der wachsenden Teurung Rechnung tragen, zur Berechnung zu verwenden.

Sie würden also pro Meter brauchbaren Trickfilms einen Grundpreis von 20 000.- M nach einem noch näher festzulegenden Datum erhalten. Auf diesen Grundpreis werden die Tarifzuschläge der Filmindustrie aufgerechnet. Natürlich müssen Sie aber den betreffenden Trickfilm in einer bestimmten, noch festzusetzenden Zeit fertigstellen, sodass sich die Tarifzuschläge nicht etwa durch eine Verschleppung der Arbeit abnorm erhöhen können.“
(Deutsches Trickfilm Kaleidoskop. Zusammengestellt von Peter A. Hagemann und Herbert K. Schulz. Deutscher Trickfilmverband und Deutsche Kinemathek, Berlin 1979)

 

6. Juli 1923. Uraufführung von Hans Richters Film ist Rhythmus

Weltweit erstmals läuft Hans Richters Avantgardewerk Film ist Rhythmus im Théâtre Michel in Paris. An der Trickkamera die Ufa-Mitarbeiter Svend Noldan und Otto Schmalhausen. Die deutsche Premiere findet erst am 10. Mai 1925 statt.

 

1924. Das Kulturfilmbuch erscheint

Das Grundlagenwerk zum Kulturfilm, herausgegeben von Edgar Beyfuß und Alexander Kossowsky (Carl P. Chryselius’scher Verlag Berlin), enthält Kapitel über den Animationsfilm von Lotte Reiniger, Hans Ewald sen., Hanns Walter Kornblum, Hans Cürlis, Julius Pinschewer und von Trickfilmzeichner Harry Jäger.

„Der Witz bei der Herstellung der Zeichenfilme ist, wie bei der Malerei und jedem anderen künstlerischen Beruf, Einfachheit und Beschränkung in der Wahl der Mittel. Die Zeichnung und die Aufnahme ist auch hier so einfach wie möglich zu gestalten. Und Zeichnung und Aufnahme marschieren zusammen und sind untrennbar miteinander verbunden. […] Gibt es nun einen Weg, um auch unsere besten Künstler für den Zeichenfilm zu gewinnen? […] Wir haben keine Unterrichtsstätte, um junge Zeichner mit dem Wesen des Zeichenfilms bekannt und vertraut zu machen. Wären solche vorgebildeten Kräfte vorhanden, dann brauchte der Künstler nur die Hauptzeichnungen zu liefern und der Zeichner könnte die dazwischenliegenden Bewegungszeichnungen getreu dem Original nachbilden und aufnehmen.“
(Harry Jaeger: Zeichenfilme. In: Das Kulturfilmbuch. Berlin 1924, S. 202 f.)

„Bei den von mir hergestellten Filmen [ist] alles und jedes mit der Schere geschnitten. Dadurch ergibt sich naturgemäß eine scharf umrissene Kontur in Hintergrund und Umrahmung sowie in der Figur und sonstigen Formgebung. Auch die Aufnahmetechnik ist diktiert. Die Figuren müssen sich auf einer von unten beleuchteten Fläche befinden, der Apparat muß über der Fläche Kopf stehen und auf diese heruntersehen. Die Figuren müssen aus Pappe und Blei sein, denn von dem starken Licht würden bloße Pappfiguren warm werden und sich wellen. Und schließlich müssen die Hintergründe aus durchsichtigem Papier sein. […] Die Figuren müssen unendlich beweglich sein und sehr sorgfältig geführt werden, um aus dem Mangel aller anderen Ausdrucksmittel – wie Innenkontur, weich gemalte Hintergründe – eine künstlerische Tugend zu machen und mit einer einfachen Bewegung der Umrißlinie dasselbe zu sagen, was sonst durch viele Einzelmomente erreicht wird.“
(Lotte Reiniger-Koch: Wie ich meine Silhouettenfilme mache. In: Das Kulturfilmbuch. Berlin 1924, S. 205)

„Der kurze Reklamefilm [hat sich] seinen festen Platz in dem Spielplan vieler Lichtbild-Theater erobert und bildet, namentlich in der Form des gezeichneten Trickfilms und des Schatten- oder Puppenspieles, einem vom Publikum wegen seiner erheiternden Wirkung gern gesehenen Bestandteil des Wochenprogramms.“
(Julius Pinschewer: Reklamefilme. In: Das Kulturfilmbuch. Berlin 1924, S. 204)

„Im Reklamefilm, der gleichsam zwischen Spiel- und Kulturfilm steht, ist die Beschäftigung bildender Künstler relativ häufiger zu beobachten. In erster Linie sind da die Pinschewer-Filme zu erwähnen, deren Zeichentricks Harry Jaeger und [Paul] Simmel häufiger ausführten, und ferner gehören einige Silhouettenreklamefilme von Lotte Reiniger und Toni Raboldt hierher. Auch das Institut für Kulturforschung hat gelegentlich einen Reklamesilhouettenfilm von [Berthold] Bartosch und [Richard] Felgenhauer herstellen lassen. Nicht unerwähnt bleiben dürfen die Münchner Bilderbogen. Daß von anderer Stelle selbst Versuche mit George Grosz angestellt werden, dürfte weniger bekannt sein.“
(Hans Cürlis: Bildende Kunst im Film. In: Das Kulturfilmbuch. Berlin 1924, S. 211)

„Bei der Ausführung des Films [Die Grundlagen der Einsteinschen Relativitätstheorie, 1922, Colonna-Film, Hans Walter Kornblum, 2045m/35mm] zeigte sich nun die große Schwierigkeit, diese zum größten Teil rein abstrakten Gedankengänge in bildliche Darstellung umzusetzen. Naturaufnahmen konnten, da es sich im allgemeinen um sehr schnelle Vorgänge (von Lichtgeschwindigkeiten) handelte, nur in ganz beschränktem Umfange benutzt werden, und so mußte man den ganzen Film fast ausschließlich aus Tricks zusammensetzen. Diese bittere Notwendigkeit erhöhte natürlich die Schwierigkeiten ungemein, und zwar sowohl hinsichtlich der technischen Durchführung wie auch den Anforderungen, die an das Publikum gestellt werden mussten. Deshalb war es nun die weitere Aufgabe, diese Trick-Darstellungen so abwechslungsreich wie möglich zu gestalten, um den Zuschauer […] nicht zu ermüden. So wechseln also in dem Film rein schematische Darstellungen mit bildhaften ab, nur selten unterbrochen von kurzen Naturszenen.“
(Hanns Walter Kornblum: Die Grundlagen der Einsteinschen Relativitätstheorie als Lehrfilm. In: Das Kulturfilmbuch. Berlin 1924, S. 149 f.)
Der Film ist nicht überliefert.

„Ein weiteres Gebiet des Trickfilms ist die Aufnahme nach Modellen. Die interessantesten Bilder dieser Art sind wohl von Hanswalter [Hanns Walter] Kornblum in dem Ufa-Film Wunder der Schöpfung [1925] gemacht worden. Die hundertfachen Bewegungen der Gestirne erforderten unsichtbare Uhrwerke, die für jedes Bild neu erdacht werden mußten.“
(Hans Ewald sen.: Der Trickfilm. In: Das Kulturfilmbuch. Berlin 1924, S. 201)

Publikationen

Antje Ehmann: Rede, Gerede und Gegenrede. Film und Kultur im Diskurs der Weimarer Jahre. (mit Abschnitt zum Kulturfilmbuch) In: Geschichte des dokumentarischen Films in Deutschland. Band 2 Weimarer Republik 1918–1933. Stuttgart 2005, S. 249 ff.

DVD: Wunder der Schöpfung (Edition Filmmuseum 43)

 

1924. Kater Felix in Deutschland

Mit amerikanischen Spielfilmen gelangen vermehrt auch Beiprogrammfilme, Slapsticks und Cartoons nach Deutschland:

„Der Kater Felix war auch in Deutschland, bis gegen Ende der zwanziger Jahre eine Zeichenfilmfigur, die sich großer Beliebtheit erfreute. Mit dem Erfolg, dass das erste Mal in der deutschen Filmgeschichte eine amerikanische Zeichenfilmfigur des bis zu diesem Zeitpunkt kaum beachteten Beifilmprogrammes auch in der deutschen Fachpresse umfangreich kommentiert wurde.

Allein die UFA-Filmgesellschaft führte zwischen den Jahren 1924 bis 1926 35 Felix-Zeichenfilme in ihrem Beifilmangebot. Insgesamt wurden in Deutschland bis zum Jahre 1930 53 verschiedene Zeichenfilme dieser amerikanischen Figur aufgeführt. Mit den Ausläufern des ‚schwarzen Freitags’ (Börsensturz in New York, 7. November 1929) sowie im Zuge der Weiterentwicklung des Tonfilmes, verblasste der Ruhm dieses Katers.“
(Jörg-Peter Storm, Mario Dreßler: Im Reiche der Micky Maus. Walt Disney in Deutschland 1927–1945. Berlin 1991, S. 16)

 

1924. Von Hans Fischerkoesen 1924 gestaltete Titel

Für die Pinschewer Werbefilm GmbH gestaltet Fischerkoesen 1924 die Werbetrickfilme

  • Der Brand im Wolkenkratzer (Werbung für Continental-Gummiabsätze),
  • Glück auf! (Werbung für Hallore-Briketts),
  • Der Glücksvogel (Werbung für die Feuersozietät Brandenburg),
  • Im Urwald (Werbung für Odol),
  • Nunak die Eskima (Werbung für die Gasverbrauch GmbH, Berlin),
  • Sonnenersatz (Werbung für Persil),
  • Das Zauberpferd (Werbung für Lilienmilch-Seife).

Alle Titel gelten als verschollen.

Für die eigene Firma Dux-Film Leipzig bringt Fischerkoesen 1924 den Werbetrickfilm für Zelida-Dauerwäsche Die Prinzessin von Honolulu heraus.

 

1924. Werbefilme von Curt Schumann

Curt Schumann stellt die beiden Werbefilme Tobias Ohneschwung (Zulassung am 26. November 1924) und Der Turmbau zu Babel für die Werbe-Kunst-Film AG Berlin her.

 

1924. Filme der Plastrick-Film

Die Plastrick-Film AG steuert 1924 mindestens fünf Beiträge zum Werbefilmmarkt bei:

 

1924. Zensurfreigabe für Der gerettete Skalp

Lutz Michaelis („Lumi“) wirbt bei Pinschewer mit dem Kurzfilm Der gerettete Skalp.

 

14. Februar 1924. Uraufführung von Fritz Langs Die Nibelungen, 1. Teil

Für den im Ufa-Palast am Zoo in Berlin uraufgeführten ersten Teil des Fritz-Lang-Films Die Nibelungen hat Walter Ruttmann Kriemhilds „Falkentraum“ animiert.

 

9. Mai 1924. Lotte Reinigers Die Barcarole wird zugelassen

Mauxion-Schokotrunk-Verkaufsstand auf der Internationalen Hygiene-Ausstellung in Dresden 1930, Quelle: historische Ansichtskarte, Wikimedia Commons, Lizenz: gemeinfrei

Mauxion-Schokotrunk-Verkaufsstand auf der Internationalen Hygiene-Ausstellung in Dresden 1930, Quelle: historische Ansichtskarte, Wikimedia Commons, Lizenz: gemeinfrei

Julius Pinschewer legt der Zensur Lotte Reinigers Silhouettenfilm Die Barcarole vor. Auftraggeber für den Werbefilm ist die Kakao- und Schokoladenfirma Mauxion, Herstellerin auch des im Film beworbenen „Mauxion Desserts“:

„Lotte Reiniger legte der Werbung für ‚Mauxion Desert’ eine Romeo-und-Julia-Geschichte zugrunde. Bei dieser geht die Liebe eindeutig durch den Magen, weder Blume noch Ständchen gewinnen das Frauenherz. Nachdem Romeo den buhlenden Rivalen ertränkt hat, muss er die schmollende Julia mit Fütterungen aus der Pralinenschachtel in seine Arme locken.“
(DVD: Lotte Reinigers Doktor Dolittle & Archivschätze, Berlin, absolut Medien/arte Edition 2008, Begleitheft)

Publikation

DVD: Lotte Reinigers Doktor Dolittle & Archivschätze, Berlin, absolut Medien/arte Edition 2008

 

16. Mai 1924. Zensurfreigabe für Aus einer alten Chronik

Der Werbefilm von Wolfgang Kaskeline Aus einer alten Chronik entstand für Arminius-Film Berlin-Lichterfelde.

 

23. Juni 1924. Zensur von Abbau auch im Harem

Der Film Abbau auch im Harem von Julius Pinschewer und Hans Fischerkoesen wirbt für Hautana-Büstenhalter. Er wird am 23. Juni verboten, weil „es sich hier um eine schmutzige, das Anstandsgefühl gröblich verletzende Reklame handelt“. Nach Beschwerde vor der Oberprüfstelle wird der Streifen am 28. Juni 1924 zugelassen, aber mit Jugendverbot belegt: „Die Darstellung hält sich in den Grenzen des Zulässigen […] und sucht insbesondere durch Anwendung des Trickbildes sowie durch Wahl des originellen Rahmens, in dem sich der Bildstreifen abspielt, peinliche Wirkungen zu vermeiden, die bei der Behandlung des Gegenstandes nahe liegen. Auch insoweit, als der Bildstreifen die Wirkungen der guten Figur auf erotischem Gebiete zum Ausdruck bringt, gibt die Darstellung […] zu ernsten Bedenken kein Anlass, weil sie in der hier gewählten Form des Trick-Bildes nicht geeignet ist, den normalen Zuschauer sinnlich zu reizen …“
(Protokolle der Filmprüfstelle Berlin vom 24.6.1924 und der Film-Oberprüfstelle Berlin vom 28.6.1924. Zit. nach: www.filmportal.de)

Der Film gilt als verschollen.

 

16. Oktober 1924. Zensurfreigabe für Maxens Sommerreise nach Tirol

Der Zeichentrickfilm Maxens Sommerreise nach Tirol von Otto Hermann und seiner Firma Ulk-Trickfilm Berlin passiert die Zensur. Er gilt als verschollen.

 

5. November 1924. Viking Eggelings Symphonie diagonale wird erstmals gezeigt

Filmstill aus Symphonie diagonale, Viking Eggeling, D 1925, Quelle: Wikimedia Commons, Lizenz: gemeinfrei

Filmstill aus Symphonie diagonale, Viking Eggeling, D 1925, Quelle: Wikimedia Commons, Lizenz: gemeinfrei

Vor Freunden in einer Privatvorstellung im Berliner Gloria-Palast stellt Viking Eggeling seinen siebenminütigen Kurzfilm Symphonie diagonale vor.

„Viking Eggelings Film Symphonie Diagonale entstand im Jahre 1923 in den Trickfilmateliers der UFA. Der tonlose Film hat eine Dauer von 7:45 Minuten, besteht aus 7.356 Bildern und ist in 40 kurze Sektionen unterteilt. Eggeling wählt bewusst keine musikalische Untermalung, da ein Rhythmus allein über das Bild hergestellt werden soll.“

Tatsächlich entsteht die Hauptarbeit in Eggelings Wohnung in der Wormserstraße in Berlin. Aufgenommen werden seine Bilder bei der Ufa. Für die Arbeit am Tricktisch benutzt Eggeling Stanniolpapier:

„Aus der Folie schnitt Eggeling die Formen aus. Durch das von unten auftretende Licht hatte es den Anschein, als wären die Figuren hell auf dunklem Licht abgebildet. Das Auf- und Abblenden der Kamera vermittelt den Eindruck des Auftauchens und Verschwindens der Formen. Die Figuren bewegen sich meist diagonal und entgegengesetzt. Der Eindruck, dass die Formen näher kommen oder sich verkleinern, entsteht durch das Bewegen der Folie und durch besagte Bild-für-Bild-Aufnahme der Kamera oder durch das Verstellen der Kameralinse. […]

Die Hauptelemente des Films sind die Bewegung und das Licht. Durch Hell-Dunkel-Kontraste, Richtungsveränderungen und eine aufbauende lineare Formendramatik aus Kurven, Linien, Harfen und Dreiecken versucht Eggeling den Aspekt der Zeit zu verdeutlichen. Gleichzeitig versucht er aber Formen zu schaffen, die nicht lediglich als Formen, sondern eher als Buchstaben, als arabeske Schriftzüge einer neuen, universellen Sprache gesehen werden müssen.

Eine ungewohnte Neuheit des Films ist der ruckartige Wechsel des Rhythmus und der Formen, deren Bedeutung man nur mit Hilfe der musikalischen Theorie erfassen kann. Eggelings Intention jedoch war es jene Augenmusik optisch erfassbar zu machen.“
(Susann Becker/Magdalena Pitt: Viking Eggeling – Musik für die Augen. Berlin 2011)

 

13. November 1924. Zensurfreigabe für Der Pfennig muß es bringen

Der Werbefilm Der Pfennig muß es bringen von Hans Fischerkoesen für Pinschewers Werbefilm GmbH wurde im Auftrag der Sparkasse hergestellt.

 

13. November 1924. Zensurfreigabe für Ewald-Film GmbH, Berlin

Mit Ewald-Film GmbH, Berlin werben Julius Pinschewer und Hans Fischerkoesen für Hans Ewald sen. und seine Ewald-Film GmbH. Es ist dies wohl das erste Mal, dass eine Filmfirma von einer anderen den Auftrag erhält, für sie Promotion zu machen.

 

10. Dezember 1924. Zensurfreigabe für Der Hölle entronnen

Der Film Der Hölle entronnen von Otto Hermann und seiner Firma Ulk-Trickfilm wirbt für Feuerlöscher. Er gilt als verschollen.

 

1925. Von Hans Fischerkoesen gestaltete Filme für die Pinschewer Werbefilm GmbH

Für Pinschewer gestaltet Fischerkoesen 1925 die Werbetrickfilme

Die beiden erstgenannten Titel gelten als verschollen.

 

1925. Werbefilme von Curt Schumann

Curt Schumann stellt die beiden Werbefilme Das Mädchen für alles und Der hartnäckige Selbstmörder für die Werbe-Kunst-Film AG Berlin her.

 

1925. Ferdinand Diehls Start beim Film

Nach einer Geigenbauer-Lehre und dem Besuch der Kunstgewerbeschule in München fängt Ferdinand Diehl bei der Emelka als Maler an. Er kommt schließlich bei der Kulturfilm-Abteilung des Filmkonzerns unter und arbeitet bei Zeichentrickfilmen mit. Wenig später kann er seinen Bruder Hermann nachholen.

Publikation

Mecki – Märchen & Schnurren. Die Puppenfilme der Gebrüder Diehl. Ausstellung/Retrospektive. Deutsches Filmmuseum, Frankfurt am Main 1995

 

14. Januar 1925. Zensurfreigabe von Dr. Bill, der Spiritist

Der Werbefilm Dr. Bill, der Spiritist von Wolfgang Kaskeline (für Arminius-Film Berlin-Lichterfelde) wurde bereits 1924 fertiggestellt.

 

9. Februar 1925. Freigabe des Werbefilms Jettes Ausgang

Der von Pinschewer produzierte Fischerkoesen-Film Jettes Ausgang ist von der Sunlicht AG in Auftrag gegeben.

 

3. Mai 1925. Filmmatinee „Der absolute Film“ der Novembergruppe

Diese erste Schau der französischen und deutschen Filmavantgarde findet im U.T. am Kurfürstendamm Berlin statt. Die „einmalige“ Matinee des „Absoluten Films“ wird von der Künstler-Vereinigung Novembergruppe in Gemeinschaft mit der Kulturabteilung der Ufa gezeigt.

Neben der „Dreiteiligen Farbensonatine“ aus den „Reflektorischen Farbspielen“ von Ludwig Hirschfeld-Mack und Filmen von Fernand Leger (Ballet mécanique) und René Clair (Entr’acte) ist die deutsche Avantgarde mit abstrakten Animationsfilmen vertreten: Symphonie Diagonale (Viking Eggeling), Film ist Rhythmus (Hans Richter) als deutsche Erstaufführung sowie Opus 2, Opus 3 und Opus 4 (Walter Ruttmann) als Uraufführungen. Die Vorführung wird wegen des großen Erfolges am 10. Mai 1925 wiederholt.

Publikation

Holger Wilmesmeier: Deutsche Avantgarde und Film. Die Filmmatinee „Der absolute Film“ 3. und 10. Mai 1925. Münster, Hamburg 1994

Jörg Gerle: Der absolute Film. In: FILM-DIENST, Nr. 13/2008, S. 39 nachzulesen im Internet: www.arte.tv

 

10. Mai 1925. Wiederholung der Matinee „Der absolute Film“

Als deutsche Erstaufführung läuft Rhythmus 21 von Hans Richters in einer Wiederholung der Matinee „Der Absolute Film“ im U.T. am Kurfürstendamm: Vierecke in verschiedener Größe und Tönungen (weiß, grau und schwarz) bewegen sich und scheinen die Tiefe des Raums auszuloten:

„So ließ ich meine Papier-Rechtecke und Quadrate in gut artikulierten Zeiten und geplanten Rhythmen wachsen und verschwinden, springen und gleiten. Indem ich das tat, fand ich eine neue Sensation, die sich mit meinen allerersten künstlerischen Versuchen verband: Rhythmus. Bis heute bin ich überzeugt, dass Rhythmus, d. h. die Artikulation von Zeiteinheiten, die eigentliche Sensation jedes Ausdrucks der Filmbewegung ist.“
(Hans Richter: Autobiografische Notizen des Künstlers, 1965. Zit. nach Geoffrey Nowell-Smith [Hg.]: Geschichte des internationalen Films. Aus dem Englischen von Hans-Michael Bock. Stuttgart, Sonderausgabe 2006, S. 125)

Nach Rhythmus 21 entstehen Richters Experimente Rhythmus 23 und Rhythmus 25.

 

12. Mai 1925. Uraufführung von Lebende Buddhas

Die Paul-Wegener-Produktion Lebende Buddhas erlebt ihre Uraufführung im Theater am Nollendorfplatz in Berlin nach Zensurentscheid und Jugendverbot am 9. Februar 1925. Die Trickkamera führte Guido Seeber, Walter Ruttmann sorgte für animierte Formenspiele. Der Film gilt bis auf wenige Minuten als verschollen.

 

19. Mai 1925. Viking Eggeling (*21.10.1880, Lund, Schweden) stirbt in Berlin

„Der absolute Film, an dem Egeling [Eggeling] fünfzehn Jahre lang arbeitete und dazu zehntausende Zeichnungen und farbige Darstellungen gefertigt hat, war eine Vorarbeit zu einer Grammatik der Malerei, welche Egeling [Eggeling] herausgeben wollte. Dieses Werk sollte die Ergebnisse der Forschung der modernen Licht- und Farbentheorien zusammenfassen. Der Verstorbene war von hause aus Maler, später hat er sich diesen wissenschaftlichen Studien zugewandt, in dem er im Film ein geeignetes Sprungbrett für seine Sache fand.“
(Berliner Börsen-Courier, 28.5.1925)

Von Viking Eggeling sind nur zwei Filme bekannt: Horizontal-Vertikal Orchester, der wohl unvollendet geblieben ist, und Symphonie Diagonale (auch: Diagonale Sinfonie). Letzterer erlebt bereits 1924 im Rahmen einer privaten Veranstaltung in Berlin seine Aufführung und wird am 21. April 1925 von der Berliner Film-Prüfstelle freigegeben.

Publikationen

Louise O‘Konor: Viking Eggeling 1880–1925. Artist and Film-maker. Life and Work. Stockholm 1971

Viking Eggeling. In: CineGraph. Lexikon zum deutschsprachigen Film. München 1984 ff.

 

28. Mai 1925. Zensurfreigabe von Der kluge Einfall

Der Werbefilm von Julius Pinschewer und Hans Fischerkoesen Der kluge Einfall ist von der Werbefilm GmbH, Julius Pinschewer produziert worden.

 

1. Juni bis 12. Oktober 1925. Präsentation von Zwischen Mars und Erde

Im Rahmen der Deutschen Verkehrsausstellung in München wird der Kurzfilm Zwischen Mars und Erde gezeigt, den F. [Friedrich Karl?] Möhl für die Eku (Emelka-Kulturfilm GmbH) gestaltet hat. Die Kamera führt Gustav Weiss, die Animationen besorgt Rudolf Pfenninger. Die Zensurfreigabe war am 30. April 1925.

 

18. August 1925. Zensurfreigabe für Das wiedergefundene Paradies

Der Werbefilm Das wiedergefundene Paradies von Walter Ruttmann und Julius Pinschewer (anderer Titel: Laßt Blumen sprechen) wird am 18. August 1925 von der Zensur freigegeben. Motto: „Schenkt Blumen, zur Freude, zum Troste!“

Publikation

DVD/BluRay: Berlin, die Sinfonie der Großstadt & Melodie der Welt. Edition Filmmuseum

 

14. September 1925. Uraufführung von Wunder der Schöpfung

Nach der Zensurfreigabe am 3. September 1925 hat der Film Wunder der Schöpfung seine Weltpremiere in den Kammerlichtspielen am Potsdamer Platz in Berlin: eine eindrucksvolle, aufwändige Produktion der Colonna-Film GmbH, Hanns Walter Kornblum und der Ufa-Kulturfilm-Abteilung. Der Film versucht das damalige Wissen der Menschheit über die Erde und über das Weltall darzustellen. 15 Spezialeffekt- und Animations-Experten, darunter auch Eugen Schüfftan mit seinem neuen Einspiegelungsverfahren, und neun Kameramänner arbeiten an dem Film, der dokumentarische Szenen und historische Dokumente, Spielszenen und am Tricktisch animierte Sequenzen, Abenteuerfilm, größenverkehrte Szenen à la „Gullivers Reisen“, H. G. Wells und Jules Verne miteinander verbindet und sehr effektvolle Einfärbungen aufweist. Bilder von einem Raumschiff, das zu den Planeten des Universums aufbricht, wirken wie direkte Vorläufer des vier Jahrzehnte später von Stanley Kubrick begonnenen 2001: A Space Odyssey.

Wunder der Schöpfung stellt die größte Leistung innerhalb der Ufa-Kulturfilme der 20er Jahre dar. Hanns Walter Kornblum war damals schon so etwas wie ein Veteran des Genres. 1922 hatte Colonna-Film seinen verlorenen Kulturfilm über Einsteins Relativitätstheorie produziert. Die Ufa ermöglichte es Kornblum nun, die Hauptthemen dieses Films mit größeren Mitteln weiterzuentwickeln. Die Handlung des Films, der weder Starrollen noch Protagonisten aufweist, besteht aus sorgfältig strukturierten und geschickt dargestellten Einzelszenen: ein kunstvolles Mosaik kleiner Vignetten, die eigenverantwortlich von vier verschiedenen Regisseuren gedreht wurden. Nicht weniger als vier renommierte Universitätsprofessoren sorgten dafür, dass der wissenschaftliche und historische Rahmen der dargestellten Ereignisse abgesichert war. Das Symbol des Films für Fortschritt und für den Beginn einer neuen wissenschaftlichen Ära ist ein Raumschiff, das die Milchstraße durchquert und uns unterwegs mit sämtlichen Planeten und ihren jeweiligen Besonderheiten vertraut macht. Die pädagogischen Bestrebungen des Films verlieren sich jedoch im weiteren Verlauf zugunsten einer fast humorvollen Haltung: Der Weltuntergang wird als eine neue, unwiderlegbare, wissenschaftliche Gewissheit dargestellt und beschert uns detailfreudige apokalyptische Szenen vom Ende der Menschheit. Uns heutigen Zuschauern demonstriert dieser verblüffende Film auf anschauliche Weise, wie man sich in den 20er Jahren das Universum vorgestellt und wie man diese Vorstellung einem zeitgenössischen Publikum vermittelt hat.
(Julia Kindberg in: Wunder der Schöpfung. Helsinki 2002)

Hersteller: Colonna-Film G.m.b.H./Ufa-Kulturfilm-Abteilung, Berlin / Produzent: Hans Walter Kornblum / Regie: Hanns Walter Kornblum, Johannes Meyer, Rudolf Biebrach / Manuskript: Hanns Walter Kornblum, Ernst Krieger / Kamera: Hermann Boehlen, Max Rinck, Wera Cleve, Bodo Kuntze, Hans Scholz, Friedrich Paulmann, Ewald-Matthias Schuhmacher, Friedrich Weinmann / Optische Spezialeffekte: Otto von Bothmer / Trickkamera: Major Hans Ewald sen., Bodo Kuntze, Wera Cleve, Hermann Boehlen, Otto von Bothmer / Schüfftan-Aufnahmen: Eugen Schüfftan, Helmar Lerski, Ernst Kunstmann / Ausstattung: Carl Stahl-Urach, Gustav Hennig, Walter Reimann, Hans Minzloff, Otto Moldenhauer / Titelzeichnungen: Ignatz Waghalter / Darsteller: Margarete Schön, Theodor Loos, Paul Bildt, Margarethe Schlegel, Oscar Marion, Willy Kaiser-Heyl

 

8. September 1925. Zensurfreigabe für Schlaraffenland

Der Werbetrickfilm Schlaraffenland ist von der Karl Born Wirtschafts-Film Gesellschaft mbH für die Allgemeine Nahrungs- und Genußmittel-Ausstellung, Breslau produziert worden.

 

25. September 1925. Absoluter Werbefilm von Guido Seeber für die Kipho

Anlässlich der Kino- und Photo-Ausstellung in Berlin (Kipho, 25.9. bis 4.10.1925) bringt Julius Pinschewer den von Guido Seeber gestalteten Film (auch: Du musst zur Kipho oder Kipho-Film) heraus. Der tricktechnisch innovative, aus bewegten Bildern collagierte Werbefilm für die vom Berliner Messe-Amt arrangierte Ausstellung wird im Haus des Rundfunks in Berlin uraufgeführt.

Film wirbt mit den Mitteln des absoluten Films und der experimentellen Montage für die Leistungsschau und den deutschen Film. „Mit achtzig Metern, was einer Projektionszeit von höchstens vier Minuten entspricht, wurde versucht, auf alles hinzuweisen, was mit dem Film, mit seiner Technik und seiner Romantik irgendwie im Zusammenhang steht und all das nach einem durch dauernde drei-, vier-, fünf- und noch mehrfache Belichtungen, ein gleichzeitiges Häufen mehrerer Vorgänge auf einer Bildfläche, fortwährenden Überblendungen, kurz eingeschnittenen Erinnerungsbildern an unvergeßliche Meisterwerke, Einkopierungen, zeichnerische und Buchstaben-Tricks erzeugten suggestiven Tempo in das einzige Wort Kipho auszuladen. Dieses Ziel wurde in solchem Maße erreicht, daß nach diesem einmaligen Abrollen des Films hier keine in besondere Geheimnisse eindringenden Vermutungen aufgestellt werden können. […] Eins ist klar, und das lehren auch bereits sämtliche Presseberichte: es wurde mit diesem kleinen Werk ein neuer, hoffnungsvoller Weg des Werbefilms eingeschlagen. Mit einer weiteren, schon im Vorführungssaal abgelauschten, begeisterten Behauptung, daß der Film ‚ganz expressionistisch’ sei, sind wir schon weniger einverstanden. Wenn solche schön geprägten Fremdwörter überhaupt wichtig sind, dann soll man aber die Bezeichnung ‚impressionistisch’ wählen. ‚Imprimere’ heißt lateinisch ‚eindringen’.“ (Die Filmtechnik, Nr. 8, 15.9.1925, S. 142)

Publikationen

DVD: Martin Loiperdinger (Hg.): Julius Pinschewer. Klassiker des Werbefilms. Berlin (absolut Medien) 2010

 

1926. Das Modell der Hauptstraße von Fritz Langs Metropolis

In den Werkstätten der Ufa, im Atelier des Modellbauers Edmund Ziehfuß entsteht das enorme Modell der Hauptstraße von Fritz Langs Metropolis, inklusive Autos, Schnellbahnen und Flugzeugen, von einem Trupp Bühnenarbeiter einzelbildweise animiert und aufgenommen. Szenenbildner Erich Kettelhut:

„Aufgrund der Probenresultate stellten wir fest, dass Flugzeuge nach der Aufnahme eines Einzelbildes um eineinhalb Zentimeter, Schnellbahnen um einen Zentimeter, die Autos zirka einen Dreiviertelzentimeter, die Fußgänger schließlich nur ganz minimal verschoben werden mussten, um eine flüssige Bewegung in glaubhaftem Tempo zu erzielen. Eine Drehkolonne unter Führung des Modellbauers Ziehfuß wurde zusammengestellt … die Geduldsarbeit konnte beginnen. Nur zuverlässige Leute konnten für diese Arbeit in Frage kommen. Jeder von ihnen bekam sein Arbeitspensum zugeteilt. Bei normalem Blaulicht wurden Autos, Schnellbahnen und Fußgänger in der angegebenen Richtung mit den Händen, ohne sie seitlich zu verdrehen, gewissenhaft um die oben angegebenen Zentimeter vorgerückt, die Flugzeuge mit Hilfe der Schnüre bewegt. Das alles geschah in zum Teil recht unbequemen Stellungen, denn Häuserfronten, Schnellbahnbrücken und Beleuchtungskörper behinderten sehr. Hatte jeder bestätigt, er habe sein Pensum erfüllt, schaltete der dazu abgestellte Beleuchter volles Drehlicht ein.“
(Erich Kettelhut. Der Schatten des Architekten. München 2009)

 

1926. Von Hans Fischerkoesen gestaltete Filme

Für Pinschewer gestaltet Hans Fischerkoesen 1926 die Werbetrickfilme

Der erstgenannte Titel gilt als verschollen.

In der eigenen Firma „Fischer-Kösen“ in Berlin produziert Hans Fischerkoesen den Werbefilm Die Jagd nach dem Glück. Auch Fischerkoesen ist jetzt für die Ufa via Epoche tätig und eröffnet ein Atelier in Berlin-Charlottenburg.

 

1926. Werbefilme von Curt Schumann

Curt Schumann stellt für die Werbe-Kunst GmbH die Werbefilme Felita, die Katze (Zulassung am 6. April 1926) und Kleine Ursachen – große Wirkungen! (Zulassung am 2. Juni 1926, im Auftrag des Elektrizitätswerkes Eisenach) her. Für die Ufa gestaltet er Die Bremer Stadtmusikanten, Glück im Unglück (Werbung für die Wäscherei Coundé), Kultur (Werbung für Gentil – elastische Gürtel und Gummistrümpfe).

Die Titel Glück im Unglück und Kultur gelten als verschollen.

 

1926. Wolfgang Kaskeline produziert Das Wunderei

Der Streifen von Wolfgang Kaskeline entstand für Arminius-Film Berlin-Lichterfelde und bewirbt das Atlas-Ei gegen Ungeziefer von Arthur Plöttner. Der Film gilt als verschollen.

 

1926. Oskar Fischinger produziert Spiralen

Oskar Fischingers Kurzfilm Spiralen ist vermutlich 1926 fertig.

Publikation

DVD/BluRay: Oskar Fischinger – Ten Films (absolut Medien)

 

Januar 1926. Filmische Bilderrätsel à la Rebus

Nach einer Idee von Paul Leni und mit Guido Seeber als Kameramann ist der erste einer Serie kurzer animierter Rebus-Filme entstanden, filmische Bilderrätsel mit der Auflösung in der jeweils nächsten Folge. Die erste Vorführung findet im Januar 1926 statt. Es folgen sieben weitere Teile. Dann geht Leni auf Einladung der Universal nach Hollywood.

25. Februar 1926: Uraufführung von Das Blumenwunder

Der von der BASF AG (Ludwigshafen) und von der Unterrichtsfilm GmbH, Verlag wissenschaftlicher Filme (Berlin), produzierte Zeitraffer-Film Das Blumenwunder von Max Reichmann erlebt im Piccadilly in der Bismarckstraße in Berlin-Charlottenburg seine Uraufführung. Er wird mit Begeisterung aufgenommen. Allein im 1.200 Plätze umfassenden Premierenkino wird das abendfüllende Werk 63 Wochen lang vor ausverkauftem Hause gespielt und erreicht dort somit etwa 70.000 Besucher.

Die zwischen 1921 und 1925 entstandenen Zeitraffer-Aufnahmen bringen die Lebensbewegungen von mehr als 70 Pflanzen sinnlich näher und gehen, mit allegorisch-mythischen Tanz- und Pantomimeszenen kombiniert, über einen bloßen „Naturfilm“ hinaus. Mittels dieser Time-Lapse-Fotografie, der Stop-Motion-Technik ähnlich, stößt der Streifen in neue Bildwelten vor und gerät in die Nähe zum Animationsfilm.

Der Filmwissenschaftler Rudolf Arnheim beurteilt das Werk:

„Beachtet man einen Filmstreifen in einer langsameren Aufeinanderfolge der Bilder, als man ihn nachher vorführt, so wirkt die Zeit bei der Vorführung komprimiert, das Tempo beschleunigt. Diese Zeitraffereffekte hat man angewendet gesehen, wo z. B. das Tempo des modernen Straßenverkehrs stilisierend verstärkt werden sollte: die Autos flitzen durch die Straßen, die Menschen toben in rasenden Schlangenlinien mit erstaunlicher Geschwindigkeit und Wendigkeit durcheinander, und die Blätter an den Bäumen zappeln in nervöser Hast. […]

Bei den Aufnahmen zum Blumenwunder-Film der I.G. Farben, der in nichts anderem bestand als in Zeitrafferaufnahmen in Pflanzen und der dabei sicherlich der aufregendste, phantastischste und schönste Film ist, der je gedreht wurde – bei diesen Aufnahmen hat herausgestellt, daß die Pflanzen eine Mimik haben, die wir nicht sehen, weil sie mit zu langsamen Zeiten rechnet, die aber sichtbar wird, wenn man Zeitrafferaufnahmen verwendet.

Die wiegenden, rhythmischen Atmungsbewegungen der Blätter, der erregte Tanz der Blätter um die Blüte, die fast obszön wirkende Hingabe, mit der eine Blüte sich öffnet – die Pflanzen waren plötzlich lebendig geworden und zeigten Ausdrucksbewegungen von genau derselben Art, wie man sie von Menschen und Tieren kennt.“
(Rudolf Arnheim: Film als Kunst. München 1932/1974 – Neuausgabe, S. 136 f.)

Publikationen

Ines Lindner: Technik und Magie – Benjamin, Blossfeldt und das Blumenwunder – Zur Rezeption eines wieder entdeckten Stummfilms der Weimarer Republik. In: Ines Lindner (Hg.): gehen blühen fließen. Naturverhältnisse in der Kunst. Nürnberg 2014, S. 195–222

DVD/BluRay: Das Blumenwunder (Arte Edition) (absolut Medien), 2015

 

28. Januar 1926. Zensurfreigabe für In Schneekönigs Reich

Der Scherenschnittfilm In Schneekönigs Reich ist gestaltet von Ewald Mathias Schumacher für die Deulig Film AG.

 

2. Mai 1926. Weltpremiere des ersten deutschen Animationsfilms in Spielfilmlänge Die Abenteuer des Prinzen Achmed von Lotte Reiniger

Die Abenteuer des Prinzen Achmed, Lotte Reiniger, D 1926, ©Christel Strobel, Agentur für Primrose Film Productions

Die Abenteuer des Prinzen Achmed, Lotte Reiniger, D 1926, ©Christel Strobel, Agentur für Primrose Film Productions

In einer Matinee-Vorstellung in der Berliner Volksbühne am Bülowplatz am 2. Mai 1926 wird Lotte Reinigers abendfüllender Silhouettenfilm Die Abenteuer des Prinzen Achmed uraufgeführt. Die Ufa übernimmt Die Abenteuer des Prinzen Achmed in ihren Verleih und startet ihn am 3. September 1926 im Gloria-Palast an der Gedächtniskirche in Berlin. Bereits am 15. Januar 1926 wurde er von der Zensur freigegeben.

Zwischen 1923 und 1926 ist dieser erste abendfüllende Animationsfilm Deutschlands und Europas in Potsdam entstanden, ermöglicht durch den jüdischen Bankier Louis Hagen (1855–1932) als Mäzen: Die Abenteuer des Prinzen Achmed, inspiriert von Motiven aus 1001 Nacht.

„Seit Jahrhunderten hatte der Prinz Achmed als Märchenfigur in dem Buche Tausend und eine Nacht ein behagliches Dasein geführt und war glücklich, geliebt und zufrieden. Aus diesem Frieden wurde er eines Tages geschreckt durch das Auge eines Silhouettenschneiders, der ihn verfilmen wollte. Zu diesem Zweck mußte er, wie viele seiner unglücklichen Kollegen aus anderen literarischen Gegenden, umgeboren werden. Es genügte nicht, daß man ihm ein Filmmanuskript auf den Leib schrieb, und einen in der Statur verwandten Schauspieler mit seiner Rolle betraute. Er mußte auch körperlich erfunden, gezeichnet, geschnitten, gedrahtet, beleuchtet, bewegt und aufgenommen werden.“
(Lotte Reiniger: Die Geschichte meines Prinzen Achmed. Aus dem Programmheft der Comenius-Film, 1926)

„Zunächst wurde der Prinz Achmed gezeichnet. Nachdem alle Welt überzeugt war, er sähe so aus, wurde er in Silhouette porträtiert. Dann wurde er so gebaut, aus Draht, Pappe und gewalztem Blei, dass er seine Funktionen in dem Schattenspiel beweglich und überzeugend ausführen konnte. Er wurde zerlegt in Kopf, Hals, Schultern, Brust, Bauch, Hüften, Beine, Ober- und Unterarm, Knie, Hände und Füße, dann mit Scharnieren zusammengefügt, gehämmert und gewalzt, bis er säuberlich eine Filmschattenfigur darstellte. Nun wurden Unmassen von Pauspapier gekauft, um ihm seine Umwelt zu gestalten, in der seine Erlebnisse spielen sollten. Dekorationen auf Dekorationen, Wolken, Schlösser, Wälder und Meere, Landschaften und Zauberhöhlen häuften sich um ihn. Er selber wurde nach Bedarf in zwanzig verschiedenen Größen für seine Welt gebaut. Dann endlich sollte er lebendig werden. Dazu legte man die kleine Puppe auf eine Glasscheibe und beleuchtete sie liebevoll von unten her so, dass all das Scharnierwerk nicht mehr zu sehen war und sie als freies selbständiges Wesen auf ihrer ebenfalls durch Unterlicht in Erscheinung tretenden Pauspapierwelt erschien. Von oben sah der Aufnahmeapparat geduldigen Auges auf die beiden. Jetzt sollte Achmed, der doch nichts war als eine flache Puppe, spielen. Man half ihm. Man rückte seine Glieder Bild für Bild immer dahin, wohin sie sollten, fotografierte jede Phase seiner winzigen Bewegung, gab ihm Freunde und Feinde, die mit und gegen ihn spielten. Je länger er zu tun hatte, desto anspruchsvoller wurde er. Zahllose Komparsen mussten geschnitten und bewegt werden, manchmal sind es fünfzig Figürchen, die gleichzeitig in einer Szene zu spielen haben.

Lotte Reiniger, Carl Koch (auf der Leiter), Walter Türck und Alexander Kardan (v. l.) bei der Arbeit an „Die Abenteuer des Prinzen Achmed“, Mitte 1920er Jahre, ©Christel Strobel, Agentur für Primrose Film Productions

Lotte Reiniger, Carl Koch (auf der Leiter), Walter Türck und Alexander Kardan (v. l.) bei der Arbeit an Die Abenteuer des Prinzen Achmed, Mitte 1920er Jahre, ©Christel Strobel, Agentur für Primrose Film Productions

Um einen Begriff von der Langwierigkeit dieser Arbeit zu geben: Für einen Bildstreifen, der von den Augen des Beschauers in zwei Sekunden vorüberrollt, sind zweiundfünfzig Einzelaufnahmen nötig. Im ganzen wurden während der mehr als dreijährigen Arbeitszeit zirka 250000 Einzelbildchen aufgenommen, von denen zirka 100000 in dem Film schließlich verwendet wurden.“
(Programmheft zum Kinostart des Films am 3. September 1926 im Gloria-Palast Berlin. Sammlung Deutsche Kinemathek)

„Wenn man bedenkt, dass jede der agierenden Figuren in allen ihren Gelenken beweglich sein muss […], so kann man sich ungefähr eine Vorstellung davon machen, welch ein Wunderwerk hier geleistet ist. Aber auf das Technische allein kommt es ja nicht an, die Hauptsache ist, dass der Geist des Märchens hier in der filmischen Bilderfolge aufs Glücklichste neu geboren ist.“
(Vorwärts. Berliner Volksblatt., 9.5.1926)

Die Abenteuer des Prinzen Achmed ist auf der einen Seite ein figürlicher Flachfiguren-, auf der anderen Seite ein experimenteller Film mit abstrakten Elementen, eine Synthese aus narrativem und experimentellem Film:

„Wir sind hier im Bereich des absoluten Films, der sich an keine realistischen Vorbilder anlehnt, sondern in seiner Formenwelt schöpferisch vorgeht. Der absolute Film hat seine eigenen Gesetze, und es ist ein Vorzug des Prinzen Achmed, dass in ihm diese Gesetze voll erfasst sind.“
(Vorwärts. 9.5.1926)

Auch deshalb kann es sich Lotte Reiniger erlauben, in diesen Film Walter Ruttmanns Formenspiele einzubauen:

„Wie der Plan zum Prinzen Achmed aufkam, waren wir entschlossen, den von uns sehr verehrten Ruttmann als Mitarbeiter zu haben und er ging auch darauf ein. Es wurden von Fall zu Fall immer die Szenen bestimmt, bei denen ich seine besondere Mitwirkung für magische Effekte haben wollte. Und beim letzten Teil vom Prinzen Achmed arbeiteten wir dann zusammen: meistens, wenn es längere Szenen waren, spielte ich mit meinen Schattenbildern alleine und gab ihm die Sachen, um seinen Hintergrund dazu zu komponieren, den er dann bei sich zu Hause aufnahm. Manchmal habe ich auch bei ihm im Studio gearbeitet: er malte, während ich mit den Figuren spielte, die Hintergrundbewegungen z. B. für die Einführungstitel. Das war sehr schwierig, weil man mit diesen kleinen Schattenfiguren auf der Glasplatte spielt; die Glasplatte ist glitschig, meistens lag ein Pauspapier drauf, um den Figuren einen Widerstand zu geben. Und die Figuren mussten auch sehr klein sein, weil er nur so ein kleines Bildfeld hatte. Und für die letzte Sache, da war er dann dauernd mit uns im Studio, wir wurden mehr und mehr an der Arbeit interessiert, im Laufe der Begebenheit. Da haben wir dann auf verschiedenen Glasplatten gearbeitet, immer beobachtend, was der andere macht und sich gegenseitig nach dem anderen richtend. Es war immer eine Überraschung, was Ruttmann machte. Es war fantastisch, es war wunderbar! Also wenn z. B. der Zauberer ein Zauberpferd zaubern wollte, dann habe ich mit dem Zauberer schwarz-weiß gespielt, habe ihm das Positiv gegeben und habe während der Aufnahme genau berechnet, wo der Zauberer in den verschiedenen Momenten der Handlung sein sollte mit der Bildchenzahl und danach hat Ruttmann dann seine Entstehung des Zauberpferdes komponiert. Und ich glaube, es ist das einzige Mal, dass auf demselben Film zwei ganz verschiedene Temperamente von Künstlern miteinander gearbeitet haben.“
(Zit. nach Heinz Steike: Walter Ruttmann 18871941. Versuch einer Befreiung. Dokumentation über den Maler und Filmemacher. Fernsehbericht für den Bayerischen Rundfunk, Teleclub, Erstsendung: 5.5.1977)

Publikationen

Lotte Reiniger: Die Abenteuer meines Prinzen Achmed. London 1972 (2. Aufl. München 1995)

Restauriert: Die Abenteuer des Prinzen Achmed. In: Filmblatt, Nr. 10, Sommer 1999, S. 45–47

DVD/BluRay: Lotte Reiniger: Die Gesamtausgabe. 8 DVD, Berlin (absolut Medien/arte Edition) 2008

DVD/BluRay: Lotte Reiniger: Die Abenteuer des Prinzen Achmed, in HD restauriert und neu eingespielt unter der Leitung von Frank Strobel. Fridolfing (absolut Medien/arte Edition) 2018

 

18. Mai 1926. Zensurfreigabe für Ausstellungsfilm Der Aufstieg

Walter Ruttmann und Julius Pinschewer bringen für die GESOLEI Düsseldorf Der Aufstieg heraus: „Drum auf in die große Ausstellung Düsseldorf 1926 für Gesundheitspflege, soziale Fürsorge, Leibesübungen verbunden mit der Düsseldorfer Kunstausstellung“.

 

24. Juni 1926. Zensurfreigabe für Spiel der Wellen

Die Reklame für AEG-Rundfunkgeräte von Walter Ruttmann und Julius Pinschewer Spiel der Wellen wird zugelassen.

 

1. Juli 1926. Aufführung von Die Abenteuer des Prinzen Achmed in Paris

Auf Vermittlung Jean Renoirs ist Die Abenteuer des Prinzen Achmed in der Comédie des Champs-Elysées in Paris zu sehen. Kinostart in Deutschland ist der 3. September 1926.

 

14. Juli 1926. Zensurfreigabe für Geißel der Menschheit

Der Langmetrage-Dokumentarfilm der Ufa-Kulturabteilung Geißel der Menschheit von Erich R. Schwab enthält Animationen von Harry Jäger und Spezialaufnahmen von Svend Noldan.

 

1. September 1926. Die Werbekunst Epoche übernimmt das Auswertungsmonopol für Werbefilme in den Ufa-Kinos

Später bekannte Animationsfilmkünstler wie Hans Fischerkoesen, Wolfgang Kaskeline, Curt Schumann und Werner Kruse arbeiten nun für die Epoche.

Die Werbekunst Epoche Reklame GmbH (1896 gegründet) entwickelt sich 1926 zum größten Konkurrenten von Julius Pinschewer auf dem deutschen Werbefilmmarkt. Neben dem Alleinauswertungsrecht für Werbefilme in den luxuriösen Ufa-Theatern kann sie die technischen Abteilungen des Ufa-Konzerns nutzen. Zudem offeriert sie eine neue Werbeform – den „20 Meter Kurzfilm“ (Die Reklame, 2. Märzheft 1927, S. 220) – und verpflichtet zahlreiche, später vor allem im Ufa-Werbefilm erfolgreiche Animationsfilmer.

Zum rationellen Produktionsprinzip der Epoche gehört es, die „Kürzestfilme“ derart zu gestalten, dass sie durch Auswechslung des Firmentitels oder der Produkt-Allonge auch für andere Firmen werben können, ohne erneut der Zensur vorgelegt zu werden. Damit etabliert die Epoche den sog. „Standardfilm“ und damit eine neue Facette im Werbetrickfilm in Deutschland. Ein Beispiel dafür ist der am 25. Mai 1928 zensierte einminütige Zeichentrickfilm Die Brücke von Wolfgang Kaskeline, in dem der Auftraggeber – das Arbeitsamt Dresden – als „Brücke zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer“ bezeichnet wird.

„Wir sind in der Lage, die schwierigsten Aufgaben, die an eine Werbefilm-Produktion gestellt werden können, aufs beste zu erfüllen. Die Herstellungspreise, selbst für die schwierigsten Trickaufnahmen, bewegen sich in normalen Grenzen, und dank unserer Theaterorganisation, die sich über ganz Deutschland erstreckt und ca. 1600 erstklassige Lichtspielhäuser umfaßt, worunter sich Theater des Ufa-, Deulig- und Phoebus-Konzerns befinden, in denen wir die Alleinvorführungsrechte besitzen, ist es uns möglich, bei entsprechendem Vorführungsauftrag den erforderlichen Werbefilm kostenlos zu liefern.“
(Anzeige der Werbekunst Epoche in: Die Reklame, 1. Augustheft 1927, S. 528)

Publikation

Ralf Forster: Ufa und Nordmark. Zwei Firmengeschichten und der deutsche Werbefilm 1919–1945. Trier 2005, S. 126–134

 

1927. Studioveränderungen

Der für Epoche tätige Wolfgang Kaskeline handelt mit der Ufa einen Vertrag aus. Nachdem Louis (Luis) Seels Firma in München in finanzielle Schwierigkeiten gerät, geht Oskar Fischinger nach Berlin und eröffnet ein Trickfilmatelier.

1927. Buch von Guido Seeber: „Der Trickfilm in seinen grundsätzlichen Möglichkeiten“

Seebers Grundlagenwerk beruht auf einem weiten Verständnis von Trickfilm. Es enthält auch ein Kapitel über den klassischen Animationsfilm, insbesondere den Zeichen- und Silhouettentrickfilm.

„Seine Herstellungsart, so interessant und voraussetzungsreich sie auch sein mag, stellt in tricktechnischer Hinsicht verhältnismäßig nur recht geringe Anforderungen an den Verfertiger. Daher ist es an der Zeit, den irreführenden Namen ‚Trickfilme’ endlich einmal durch den allein zutreffenden ‚Gezeichnete Filme’ zu ersetzen. Der gezeichnete Film wird vor allem in England und in den vereinigten Staaten von Amerika kultiviert. Während er bei uns in Deutschland fast nur als Werbe- und Reklamefilm, also als Produkt zweiten Grades, Anwendung und Beachtung findet, stellt ihn Amerika als hochwertiges und durchaus selbständiges Produkt meist stark humoristischer Färbung in äußerst beachtenswerter Ausführungsform her […].“
(S. 178)

Seebers „praktische und theoretische Darstellung der photographischen Filmtricks“ (Untertitel) wird 1979 als Reprint-Ausgabe vom Deutschen Filmmuseum Frankfurt am Main verlegt. Erstveröffentlichung Verlag der „Lichtbildbühne« Berlin.

In seinem Buch „Der Trickfilm in seinen grundsätzlichen Möglichkeiten“, dem 2. Band des Werks „Der praktische Kameramann“, weist Guido Seeber auf die Besonderheiten des getrickten und animierten Films hin:

„Eine stark verbreitete Klasse unter den sogenannten Trickfilmen, eine Gruppe für sich, die sich starker Beliebtheit seitens des Publikums erfreut, bilden die gezeichneten Filme. Ein sehr angreifbarer deutscher Sprachgebrauch bezeichnet sie schlechthin als ‚Trickfilme’, als ob sie deren einzig vorhandene Gattung darstellten. Wie falsch eine solche Auffassung ist, wird dem Leser gerade des vorliegenden Buches ganz besonders einleuchten; der gezeichnete Film in allen seinen möglichen Abarten darf vom rein technischen Standpunkte aus als ein ziemlich untergeordneter Vertreter der Familie der wirklichen Trickfilme eingeschätzt werden. Denn seine Herstellungsart, so interessant und voraussetzungsreich sie auch sein mag, stellt in tricktechnischer Hinsicht verhältnismäßig nur recht geringe Anforderungen an den Verfertiger. Daher ist es an der Zeit, den irreführenden Namen ‚Trickfilme’ endlich einmal durch den allein zutreffenden ‚Gezeichnete Filme’ zu ersetzen.
(Guido Seeber: Der praktische Kameramann 2. Band: Der Trickfilm in seinen grundsätzlichen Möglichkeiten. Eine praktische und theoretische Darstellung der photographischen Filmtricks. Berlin 1927. Reprint: Frankfurt am Main 1979. S. 178)

 

1927. Buchpublikation: „Der gezeichnete Film“

Eine andere Publikation widerspricht den von Seeber verwendeten Termini: „’Animated Cartoons’ – ‚Lebende Zeichnungen’, so nennen Amerikaner und Engländer eine Filmgattung, in deren Herstellung sie Meister sind. Der Deutsche hingegen spricht von ‚Trickfilmen’, von ‚Zeichentrickfilmen’ und meint damit das Gleiche …“

Es sei aber durchaus kein „Trick“, kein Kniff, kein Kunstgriff, eine Folge von Zeichnungen nacheinander durch jeweils ein- oder zweimaliges Drehen der Einbildkurbel auf einem Filmstreifen abzubilden:

„Deshalb ist es endlich an der Zeit, Worte wie Zeichentrick- oder gar nur Trickfilm (als Bezeichnung derselben Sache), wie Tricktisch und Trickkurbel und Tricktitel der Vergessenheit zu überantworten; sie stammen sämtlich aus den Kinderjahren der modernen Kinematographie, als die naiv erstaunten Zuschauer hinter dem Anblick lebender Zeichnungen noch wirklich rätselhafte Tricks vermuteten.

Der gezeichnete Film vermochte sich bisher in Deutschland noch zu keiner beachtenswerten Höhe zu entwickeln. Meisterhafte Vorbilder lieferte uns vor allem das angelsächsische Ausland in Fülle. Sie fanden starken Anklang bei unserm Kino-Publikum, fanden jedoch keine Nacheiferer unter unsern Zeichnern. Es fehlt bei uns die entsprechende Tradition, das vor unsern Augen und in unsrer Mitte arbeitende Vorbild, der Lehrer dieser Kunstgattung. In Amerika dagegen vermag ein talentierter Zeichner, der sich den ‚animated cartoons’ widmen will, als Hilfskraft oder Pauser unschwer bei einem Meister Anstellung zu finden.

[…] Auch dieses Buch kommt mit seinem Wesentlichen, mit seinem Kern, aus Amerika, vor allem mit seinen vortrefflichen Zeichnungen. Möge es unsern deutschen Künstlern fruchtbare Anregung geben, damit der deutsche Zeichenfilm endlich eine Aufwärtsentwicklung erfahre und sich ein Ansehen erringe, wie es sich sein größerer Bruder, der deutsche Spielfilm, in den letzten fünf Jahren hat erobern können.“
(Dr. Konrad Wolf im Vorwort zur deutschen Ausgabe von: Der gezeichnete Film. Ein Handbucher für Filmzeichner und solche, die es werden wollen. Nach dem amerikanischen Werk „Animated Cartoons“ von Edwin Georg Lutz. Von Konrad Wolter übertragen, bearbeitet und erweitert. Verlag von Wilhelm Knapp, Halle/Saale 1927)

1927. Werbefilme von Hans Fischerkoesen

Fischerkoesen gestaltet 1927 für die Werbekunst Epoche Reklame GmbH und die Ufa

Alle Filme gelten als verschollen.

In eigener Firma in Leipzig und in Berlin stellt er her:

Alle Filme gelten als verschollen.

 

1927. Von Oskar Fischinger erscheint R-1. Ein Formspiel

Zeitgleich werden bei R-1. Ein Formspiel drei Filme auf drei nebeneinander stehende Leinwände projiziert. Elemente und Figuren stammen teilweise aus früheren Arbeiten Fischingers.

 

1927. Werbefilm Im Filmatelier der Geschwister Otto

Die animierten Trickpuppen der Puppenspielerinnen Gerda und  Hedwig Otto werben bei Pinschewer für Aspirin im Auftrag der Bayer AG Leverkusen: Im Filmatelier.

„Der bekannte Werbefilmproduzent Julius Pinschewer begeisterte sich für die neuen Ideen der Geschwister Otto und ließ erstmals Puppen als Werbeträger fungieren. Im Filmatelier behandelt, geschickt verpackt, auch die Thematik ‚Film im Filmʻ: In einem ausgeleuchteten Studio gibt sich eine Filmdiva leidend und simuliert starke Kopfschmerzen – um sie herum Filmequipment, der Kameramann und ein unzufriedener Regisseur. Er zeigt ihr, wie man richtig leidet und wie sie die Packung in die Kamera zu halten hat, damit sie der Zuschauer erkennen kann. Die Nahaufnahme der Tablettenpackung und die dazugehörigen Hände sind Realaufnahmen. Doch Real- und Animationsfilm wurden trickreich kombiniert. […] Der etwa 5 min. lange Werbefilm zeichnet sich durch ausgeprägte Detailhaltigkeit in der Gestaltung der Puppen wie des Interieurs aus. Besonders erwähnenswert erscheint die flüssige Animation der feinen Puppen, die den künstlerischen Anspruch der Ottos belegt.“
(Annika Schoemann: Der deutsche Animationsfilm. Von den Anfängen bis zur Gegenwart 1909–2001. Sankt Augustin 2003, S. 160 f.)

 

1927. Produktionen von Wolfgang Kaskeline

Von Kaskeline werden 1927 für die Ufa hergestellt

  • Acis und Galathea im Vogelreich (Werbung für Acis-Seife, Zensurfreigabe 8. September 1927),
  • Die Geburt der Ly. (Werbung für die Schreibfeder Ly.),
  • Das neue Paradies (Werbung für das Bekleidungshaus Hermann Mühlberg),
  • Der Schwerenöter (Werbung für GALA-Peter),
  • Nur für Herren (Werbung für Herrenmoden von W. Hamburger & Co., Breslau).

Für die Werbekunst Epoche produziert er

Welt-Spar-Tag (Werbung für Banken und Sparkassen).

Alle Titel gelten als verschollen.

 

1927. Curt Schumanns Arbeit für die Werbung

Curt Schumanns Arbeit ist 1927 zu sehen in den Werbetrickfilmen für die Werbekunst Epoche Reklame GmbH bzw. des eigenen Ateliers

Alle Titel gelten als verschollen.

 

27. Februar 1927. Patent zum Herstellen von Kombinationsbildern

„Dipl.-Ing. Werner Zorn und Hans Tiller in Berlin

Verfahren zum Herstellen von Kino-Kombinationsbildern Patentiert im Deutschen Reiche vom 27. Februar 1927 ab

Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Herstellen von sogenannten Kombinationsbildern, insbesondere solchen für Trickfilme, bei dem die Laufbilderstreifen in zwei oder mehr Arbeitsgängen erzeugt werden, die zunächst die Aufnahme des einen Teilbildes und sodann diejenige des oder der weiteren Teilbilder liefern. […]

Das Verfahren nach der Erfindung benutzt als Grundbild des herzustellenden kombinierten Einzelbildes zwar gleichfalls ein von unten auf den durchscheinenden Tricktisch projiziertes natürliches Bild, in das sodann ein gezeichnetes und ausgeschnittenes Ergänzungsbild eingepasst wird, vermeidet hierbei aber die oben gerügten Nachteile des bekannten Verfahrens dadurch, dass jedes Einzelbild in mehreren Arbeitsgängen aufgenommen und zunächst vollkommen fertiggestellt wird, worauf in derselben Weise auch das nächste Einzelbild gewonnen wird usf. […]

Die nach der Erfindung hergestellten Trickfilme zeichnen sich dann auch durch eine bisher unerreicht gebliebene natürliche Wirkung aus.“
(Patentschrift Nr. 532522, Klasse 57a, Gruppe 53, http://depatisnet.dpma.de)

Nach diesem Verfahren zur Kombination von Real- und Trickaufnahmen entstehen durch die Excentric-Film Zorn & Tiller zwischen 1927 und 1931 zehn Folgen der Kurzfilmserie Lustige Hygiene, die über Hygiene im Alltag aufklärt und teilweise für das Waschmittel Persil wirbt (Folge 7).

„Der besondere Reiz dieser Darstellungsart, andererseits auch die technische Schwierigkeit der Aufnahme, liegt nicht in dem Nebeneinanderspielen von lebenden Personen und einer Trickfigur, sondern in ihrem Zusammenspiel. Man sieht z. B. an einer Stelle des Films, wie das kleine gezeichnete Männchen [Leberecht Klug], das der natürlichen Person nicht bis ans Knie reicht, diese in die Höhe hebt, sieht, wie der Kleine dem Großen die Hand reicht, wie er mit ihm spazieren geht und ähnliches.
(Leo Moses: Der kombinierte Werbefilm. In: Seidels Reklame Nr. 12/1928, S. 564)

Publikation

Ulf Schmidt: Sozialhygienische Filme und Propaganda in der Weimarer Republik. In D. Jasbinski (Hg.): Gesundheitskommunikation (Wiesbaden, 2000), S. 53–82. Nachzulesen im Internet: www.polsoz.fu-berlin.de

Jeanpaul Goergen: Ein Husarenstück. Richard Oswalds Tonfilmdebüt. Exkurs: Hygienische Aufklärung im Beiprogramm. In: Filmblatt, Nr. 34, Sommer 2007, S. 39–51, insb. S. 46–51

http://depatisnet.dpma.de

 

22. April 1927. Uraufführung von Der Weltkrieg. 1. Teil Des Volkes Heldengang

Der abendfüllende Dokumentarfilm von Leo Lasko Der Weltkrieg. 1. Teil Des Volkes Heldengang wird im Ufa-Palast am Zoo in Berlin uraufgeführt. Er enthält Trickaufnahmen von Svend Noldan.

 

14. Juli 1927. Die Universal-Matador-Film-Verleih GmbH führt den ersten Disney-Film in Deutschland auf

Es handelt sich um den Zehnminüter Oswald und die Straßenbahn (OT: Trolley Troubles), den die Universal Pictures Corp. New York 1927 produziert hat. Der Film wird am 12. Juli 1927 in Deutschland zensiert.

Oswald, der Held des Films, ist ein Kaninchen, wie in anderen Trickfilmen ein Kater der Held ist. Das Kaninchen aber übertrifft die tollen Einfälle und Erlebnisse. Der elektrische Wagen, in dem es mit der ganzen Familie fährt, verbreitert sich und verschmälert sich, schlüpft unter dem Leibe einer Kuh durch und hüpft über Täler hinweg. Die unbegrenzten Möglichkeiten des Trickfilms werden hier mit zwerchfellerschütternder Wirkung vorgeführt.“
(R.O.: Matador-Grotesken. In: Film-Kurier, Nr. 165, 15.7.1927)

Disneys zwischen 1924 und 1927 produzierte Alice-Filme laufen erst ab August 1928 in Deutschland.

Publikation

Carsten Laqua: Wie Micky unter die Nazis fiel. Walt Disney und Deutschland. Hamburg 1992, S. 10–14 und S. 220 ff.

 

6. Oktober 1927. Zensurfreigabe für Die Landpartie

Die Landpartie des künstlerisch ambitionierten Filmamateurs Alex Strasser, ein grotesker Experimental-Trickfilm mit Spielzeugfiguren, wird von der Zensur freigegeben.

„Strasser hatte die nette, originelle Idee, mit ganz einfachen Holzpuppen – wie sie in den Kinderzimmern allgemein zu finden sind – eine Groteske herzustellen. Die phantastische Wirkung der Dimensionen der Puppen im Verhältnis zueinander und zur Wirklichkeit, der starke Kontrast zwischen dem flotten, manchmal sogar überhetzten Tempo der Spielhandlung und den schwerfälligen, hölzernen Bewegungen der Puppen, das müßte etwas Komisches und zugleich spezifisch Filmisches geben, dachte er. […] Aber man soll doch keinem abraten, der sich mit so etwas befassen will. Es kostet viel Geduld, Geld und Nerven, ist meistens nicht rentabel, und doch … es hat etwas für sich. Man lernt ungemein viele Sachen, die – man möchte es nicht glauben – sich sogar bei regelrechten Spielfilmen anwenden lassen. Und last not least, man hat verdammt viel Spaß, wenn man sich den Unfug ansieht, der einen ein paar Monate älter, ein paar Reichsmark ärmer und ein paar gute Flüche sündiger gemacht hat.“
(János Reismann: Mein Freund hat einen Puppenfilm gedreht. In: Film für Alle, Heft 13/November 1928, S. 36–40)

Alex Strasser beim Animieren von Die Landpartie, 1927, vermutlich mit Ehefrau, Quelle: Film für Alle, Heft 6/Juni 1929, S. 159

Alex Strasser beim Animieren von Die Landpartie, 1927, vermutlich mit Ehefrau, Quelle: Film für Alle, Heft 6/Juni 1929, S. 159

Wenig später hat Strasser selbst über die Herstellung seines Filmes reflektiert:

„Erste Erfahrung: Bewegungen sind nicht nur mechanischen, sondern auch ästhetischen Gesetzen unterworfen. Der Trick wäre, dies zu erfassen. […]

Zweite Erfahrung: Bewegungen werden nicht nur durch mechanische, sondern auch durch mystische Ursachen hervorgerufen. Der Trick wäre, sich nicht mystifizieren zu lassen. […]

Dritte Erfahrung: Bewegungen haben nicht nur ideelle, sondern auch materielle Ursachen. Der Trick wäre, sich finanzieren zu lassen.

Letzte Erfahrung: Film ist Bewegung. Aber Trickfilm ist Überbewegung, ist Turbulenz, Neurasthenie, ist Dynamik in homöopathischen Dosen, dosiertes Dynamit. Trickfilm ist das Reich der 1000 kleinen Tücken und der 10.000 kleinen Explosionen. Trickfilm ist ein Guerillakrieg. Trickfilm ist der Vorhof zur Kaltwasserheilanstalt. Trickfilm ist … Trickfilm ist … Trickf …

Der Trick wäre, himmlische Ruhe zu haben.“
(Alex Strasser: Ärgerliche Trickstudien. In: Film für Alle, Heft 6/Juni 1929, S. 159–161)

 

27. Oktober 1927. Zensurfreigaben für zwei Werbefilme von Pinschewer

Harry Jäger gestaltet für Pinschewer Schlaraffenland und Hans Fischerkoesen Ja, Kuchen! Geworben wird von beiden für die Großeinkaufs-Gesellschaft Deutscher Konsumgenossenschaften (G.E.G.) Hamburg, beide Filme werden am 27. Oktober 1927 zugelassen.

 

7. Dezember 1927. Zensurfreigabe für Heiß ersehnt

Der Film Heiß ersehnt ist gestaltet von Harry Jäger für Commerz-Film Heydemann & Schwärzel Berlin.

 

1928. Von Hans Fischerkoesen gestaltete Titel

Für die Werbekunst Epoche Reklame GmbH gestaltet Fischerkoesen 1928 die Werbetrickfilme

  • Die Freundin (Werbung für die Kieler Spar- und Leihkasse),
  • Eine Hausfrau sagt’s der zweiten (Werbung für Essig-Essenz),
  • Herr Jedermann ist wissensdurstig (Zensurfreigabe am 15. März 1928),
  • In Köln um Mitternacht (Werbung für Rhein-Radio-Geräte),
  • Menschliches Vorrecht (Werbung für das städtische Güntzbad),
  • Unerschütterlich (Zulassung am 13. August 1928, Werbung für die NSU 200 ccm),
  • Unglaublich aber wahr! (Werbung für Garne von Carl Mez & Söhne),
  • Der unvollendete Schiller (Werbung für die Smith Premier-Schreibmaschine),
  • Von der Stirne heiß (Werbung für das Waschmittel Suma von Sunlicht),
  • Zur gefälligen Beachtung (Werbung für Seife von Dreiturm).

Bis auf den Titel Herr Jedermann ist wissensdurstig gelten alle Filme als verschollen.

 

1928. Von Wolfgang Kaskeline gestaltete Werbetrickfilme

Von Wolfgang Kaskeline stammen für die Werbekunst Epoche Reklame GmbH 1928 die Titel

  • Kennst Du das Land? (Werbung für Eckstein-Zigaretten),
  • Soll und Haben (Werbung für Burroughs von Glögowsky & Co., Berlin),
  • Spare Silber (Werbung für das Fachgeschäft Wempe, Berlin),
  • Von der Pertrix-Batterie (Werbung für die Pertrix-Batterie).

Alle Filme gelten als nicht überliefert.

Außerdem nimmt Gerhard Huttula für Kaskeline einen Werbefilm für die Meierei C. Bolle auf: die Rahmenhandlung schwarzweiß, der Mittelteil Farbe (Sirius-Kleurenfilm).

 

1928. Von Curt Schumann gestaltete Werbetrickfilme

Curt Schumann ist 1928 bei der Werbekunst Epoche Reklame GmbH vertreten mit

  • Der Forscher am Nordpol (Werbung für die Kohlenhandlung Gebr. Haldy),
  • Hausfrau, sei modern (Werbung für Wäschereien),
  • Katzenjammer (Werbung für das Mineralwasser von Fachingen),
  • Die moderne Henne (Werbung für den Original-Fön).

In Zusammenarbeit mit Dr. Werner Kruse fertigt er

  • Das Geheimnis des Tempels (Werbung für Eckstein-Zigaretten),
  • Meisterdieb & Co. (Werbung für Schuhe von Conrad Tack),
  • Das Vielbegehrte (Werbung für das Königsberger Tageblatt).

Alle Filme gelten als verschollen.

 

15. Januar 1928. Uraufführung von Filmstudie von Hans Richter

In seinem Beitrag Filmstudie kombiniert Hans Richter, kameratechnisch unterstützt von Max Endrejat, die Animation abstrakter Formen und Realaufnahmen. Die Uraufführung findet statt im Rahmen einer Privatveranstaltung der Gesellschaft Neuer Film in Berlin.

 

9. Februar 1928. Uraufführung von Der Weltkrieg. 2. Des Volkes Not

Uraufführung des ebenfalls abendfüllenden 2. Teils des Dokumentarfilms von Leo Lasko Der Weltkrieg. 2. Des Volkes Not im Ufa-Palast am Zoo in Berlin. Er enthält Trickaufnahmen von Svend Noldan und optische Spezialeffekte von Oskar Fischinger.

 

7. September 1928. Paul Dessau dirigiert seine Originalkomposition zum Puppenfilm Der verzauberte Wald (OT: La forêt enchantée) von Wladislaw Starewitsch (Ladislas Starewich)

Wladislaw Starewitsch, um 1910, Quelle: Wikimedia Commons, Lizenz: gemeinfrei

Wladislaw Starewitsch, um 1910, Quelle: Wikimedia Commons, Lizenz: gemeinfrei

Auch zu drei Alice-Trickfilmen von Walt Disney schreibt Dessau, der als Kapellmeister am Berliner Kino Alhambra wirkt, Originalmusiken. Um die Bedeutung dieser Kompositionen als Beitrag zum Problem der Filmmusik zu unterstreichen, werden sie am 21. Oktober 1928 in einer Matinee in der Alhambra gemeinsam vorgestellt.

Ernst Jäger im Film-Kurier (vom 8. September 1928) erkennt in dem Programm den „Vorgeschmack einer kommenden Ära des Lichtspielhauses: Licht-Schatten-Märchen und Musikspiel in einem. Starewitch, der Filmpuppenspieler, und Paul Dessau, der ehrgeizigste Schöpfer unter Berlins jungen Musikern: Beide spendeten ein künstlerisches Viertelstündchen, wie es Berlin – nicht nur im Kino – seit langem nicht zu bieten vermochte. Solch’ ein Ereignis gehört in die Filmgeschichte und in die Musikentwicklung zugleich.“

Publikationen

Ernst Jäger: Der verzauberte Wald (Starewitch und Paul Dessau). In: Film-Kurier, Nr. 215, 8.9.1928

CineGraph Hamburg, Stiftung Deutsche Kinemathek, Berlin (Hg.): Paul Dessau. Hamburg, Berlin 1994

 

11. Oktober 1928. Zensurfreigabe für Der scheintote Chinese von Lotte Reiniger

Lotte Reinigers Der scheintote Chinese wird von der Deutschen Werkfilm GmbH im Auftrag der I.G. Farbenindustrie AG (Agfa) hergestellt.

Publikation

DVD/BluRay: Lotte Reinigers schönste Filme, Berlin, absolut Medien, 2009

 

22. Oktober 1928. Zensurfreigabe für Grotesken im Schnee

Lotte Reinigers Scherenschnitte kommentieren von Alex Strasser aufgenommene Wintersportaktivitäten mit übermütig-bizarren Bewegungen Grotesken im Schnee.

 

23. Oktober 1928. Freigabe des Pinschewer-Films Der böse Traum

Der Werbetrickfilm Der böse Traum ist von Harry Jäger gestaltet.

 

15. Dezember 1928. Uraufführung von Lotte Reinigers Doktor Dolittle und seine Tiere

Einladung zur Eröffnung des Berliner Kinos Alhambra am Kurfürstendamm 68, Hans Brennert, 23. Februar 1922, Quelle: Wikimedia Commons, Lizenz: gemeinfrei

Einladung zur Eröffnung des Berliner Kinos Alhambra am Kurfürstendamm 68, Hans Brennert, 23. Februar 1922, Quelle: Wikimedia Commons, Lizenz: gemeinfrei

Anlässlich einer Benefiz-Vorstellung zugunsten der Waldenburger Kinder-Hilfe findet in der Berliner Alhambra die Uraufführung der drei Teile von Lotte Reinigers Silhouetten-Serie um die Erlebnisse eines freundlichen Tierarztes, Doktor Dolittle und seine Tiere, nach Motiven eines Kinderbuchs von Hugh Lofting statt.

Zu Erstes Abenteuer: Die Reise nach Afrika erklingt eine Musik von Kurt Weill (aus Quodlibet), zum Zweiten Abenteuer: Die Affenbrücke schreibt Paul Dessau eine Begleitmusik, zum Dritten Abenteuer: Die Affenkrankheit gibt es eine Komposition von Paul Hindemith (aus Streichquartette).

„Die Erwachsenen waren fast mehr noch begeistert als die Kinder. Denn Lotte Reiniger hat es heraus, den Realitäten des Lebens aimable Schnörkel abzugewinnen. Ihr Löwe sichert sich seinen Abgang, indem er seinen Schwanz graziös als Schleppe trägt; Papageien handhaben Tennis-Rackett und Ball mit professioneller Gewandtheit und zum Schluß gibt es, wie bei Shakespeare-Stücken, Tanz als Abgesang. Daß Lotte Reiniger inzwischen technisch viel gelernt hat – sie holt aus dem begrenzten Material durch Wechsel von Großaufnahme und Totale Variationen heraus, die den Mangel an perspektivischen Möglichkeiten ersetzen – sei nebenbei erwähnt.“
(Hans Feld, in: Film-Kurier, Nr. 299, 17.12.1928)

„Die junge Silhouettenfilmemacherin plante eine ganze Filmserie mit dem Doktor und den tierischen Hauptakteuren, doch ließ sich dieser für Ende der 1920er Jahre kühne Plan nicht finanzieren. So blieb es bei den heute noch verfügbaren drei Teilen, die in den Jahren 1927 und 1928 entstanden, anstatt der von der Deutschen Werkfilm angekündigten Serie von sechs Filmen.“
(Christel Strobel: Lotte Reiniger. Dr. Dolittle & Archivschätze. DVD/BluRay, Begleitheft)

Publikationen

CineGraph Hamburg, Stiftung Deutsche Kinemathek, Berlin (Hg.): Paul Dessau. Hamburg, Berlin 1994

DVD: Lotte Reiniger: Die Gesamtausgabe. 8 DVD, Berlin (absolut Medien/arte Edition) 2008

 

18. Dezember 1928. Zensurfreigabe für Hein Priembacke’s Fahrten und Abenteuer

Aus dem Atelier Svend Noldan Berlin kommen Hein Priembacke’s Fahrten und Abenteuer.

 

1929. Von Hans Fischerkoesen gestaltete Titel

Für die Werbekunst Epoche Reklame GmbH gestaltet Fischerkoesen 1929 die Werbetrickfilme

und für die Werbe-Kunst-Film AG (Berlin)

Der verkannte Schatten.

 

Für seine Firma Fischer-Kösen-Film (Leipzig) fertigt er

 

1929. Werbetrickfilme von Wolfgang Kaskeline

Von Wolfgang Kaskeline erscheinen bei Werbekunst Epoche

1929. Werbetrickfilme von Curt Schumann

Curt Schumanns Output für die Werbekunst Epoche Reklame in diesem Jahr besteht aus den Filmen

Für Curt Schumann und die Werbe-Kunst-Film AG (Berlin) animiert Harry Jäger Endlich ein Heim.

Die beiden erstgenannten Titel gelten als verschollen.

 

1929. Puppenfilme von Gerda und Hedwig Otto

Für Pinschewer fertigen Gerda und Hedwig Otto 1929 zwei Puppenfilme

 

27. Februar 1929. Premiere der Kompilation Von der Wundertrommel bis zum Werbetonfilm. Ein Querschnitt durch 20 Jahre Pinschewerfilm

Die Zusammenstellung von Edgar Beyfuß Von der Wundertrommel bis zum Werbetonfilm. Ein Querschnitt durch 20 Jahre Pinschewerfilm vereint künstlerisch bedeutsame Werbefilme verschiedener Animationstechniken aus der Werkstatt von Julius Pinschewer.

Eine weitere Aufführung des 40-minütigen Films findet während des Internationalen Reklame-Kongresses in Berlin (11.–15. August 1929) statt.

Die Kompilation gilt als verschollen.

Publikation

Der Bildwart, Heft 10, Oktober 1929, S. 610 f.

 

4. März 1929. Uraufführung des ersten Werbetonfilms Die chinesische Nachtigall in der Kamera Berlin

Den von Julius Pinschewer produzierten Silhouettenfilm Die chinesische Nachtigall gestaltet der studierte Architekt Rudolf (Rudi) Klemm, der sich bereits 1926 nach Lotte Reinigers Beispiel diesem Genre zuwandte. Auftraggeber ist die Firma Tri-Ergon-Musik AG. Der achtminütige Film wirbt für Tri-Ergon-Schallplatten.

„Es gibt zweifellos eine künstlerische Werbung. Aber die erste Fassung dieses Bildwerkes mußte abgelehnt werden, weil die Werbung zu dick war. Durch die Filmdarstellung von Maschinerien, die die Schallplatte herstellend veranschaulicht wurden, fielen halbverschleiert immer neu die Worte Triergon. Sie blitzten an der Fabrik auf, zu der im Bilde der Operateur seine Aufnahme brachte. Herr Pinschewer ersetzte diese Teile des Tricks durch gleichlange Umzeichnungen, ohne die optische Werbung, so daß nur die akustische übrig blieb, die Nennung des Namens an zwei verschiedenen Stellen, und versah die neue Fassung mit der ankopierten Musik und Rezitation.“
(Die chinesische Nachtigall. In: Mitteilungen der Bildstelle des Zentralinstituts für Erziehung und Unterricht, Nr. 17/18, 1929, S. 66)

Publikationen

Ralf Forster: Die Bedeutung des Synchronsounds in frühen deutschen Werbefilmen (1928-31). In: Original / Ton. Zur Mediengeschichte des O-Tons. Konstanz 2007, S. 147–162, insb. S. 150–153

DVD: Martin Loiperdinger (Hg.): Julius Pinschewer. Klassiker des Werbefilms. Berlin (absolut Medien) 2010

 

23. April 1929. Zensurfreigabe des dokumentarischen Vortragsfilms Wie ein Trickfilm entsteht

Die 17-minütige Produktion der Tobis (Regie Edgar Beyfuß) Wie ein Trickfilm entsteht enthält Aufnahmen der Commerz-Film, Comenius-Film und Pinschewer-Film. Unter anderem ist Lotte Reiniger bei der Arbeit zu sehen.

Es handelt sich um die Tonfassung des letzten Aktes des Vortragsfilms Die Wunder des Films. Ein Werklied von der Arbeit am Kulturfilm von 1928.
„Der Bildstreifen stellt einen von Herrn Dr. Beyfuß gehaltenen Vortrag dar in der Weise, daß man streckenweise den Vortragenden sieht und hört, streckenweise die erläuternden Bilder sieht, während der Vortrag weiter zu hören bleibt.“ (Wie ein Trickfilm entsteht. In: Mitteilungen der Bildstelle des Zentralinstituts für Erziehung und Unterricht, Nr. 23/24, 1929, S. 91)

Publikation

Jeanpaul Goergen: Werklied von der Arbeit am Kulturfilm. Edgar Beyfuß: Die Wunder des Films. In: Filmblatt, Nr. 8, Herbst 1998, S. 18–21

Juni 1929. Hans Richter über abstrakten (absoluten) Film

In der Zeitschrift für den Amateurfilm „Film für Alle“ kommt Hans Richter mit einer Bemerkung zu Wort, in der er sich über Avantgarde im Film, über abstrakten und absoluten Film äußert:

„Der Unterschied zwischen den absoluten und den normalen Spielfilmen entsteht daraus, daß sich die Avantgarde (unter diesem Namen vereinigen sich die abstrakte bzw. absolute Filme Schaffenden) dem Film radikal vom Optischen und Mechanischem aus genähert hat; nicht aber von der Schauspielerei, vom Theater her.

Die Mehrzahl der Leute, die Avantgarde-Filme schufen, sind Maler oder waren jedenfalls Maler, ehe sie ganz zum Film übergingen. Und zwar, das ist zu betonen, moderne Maler. Künstler also, die es verstanden, ohne Vorurteil an die Arbeit zu gehen; besonders ohne das Vorurteil, dass Kunst sich auf Naturnachahmung aufzubauen habe.

Als Künstler nahmen sie keine Rücksicht auf die Verkäuflichkeit ihrer Filme. Die Rücksichtslosigkeit nach jeder Richtung ließ sie zu den elementaren filmischen Mitteln vorstoßen – die dann später (oft mißverstanden) in den Filmen der Industrie wieder auftauchten. […]

Die Avantgarde repräsentiert in allen Ländern den Fortschritt der Filmkunst.“
(O.V.: So sind abstrakte Filme! Mit einer Bemerkung von Hans Richter. In: Film für Alle, Nr. 6/Juni 1929, S. 159)

 

11.–15. September 1929. Welt-Reklame-Kongress in Berlin

Zum Kongress findet ein Werbefilm-Wettbewerb statt, in dem auch zahlreiche Trickfilme vertreten sind.

In der Gruppe Zeichentrickfilme (Untergruppe Kurzfilme) werden Die Brücke (Werbekunst Epoche, Wolfgang Kaskeline), in der Gruppe Puppenspiele Das Wetterhäuschen (Pinschewer-Film, Gerda und Hedwig Otto) und Der möblierte Herr (Werbekunst Epoche, Hans Fischerkoesen) sowie in der Gruppe Werbetonfilme Die chinesische Nachtigall (Pinschewer-Film, Rudi Klemm) ausgezeichnet.

Die Firmen erhalten Ehrenurkunden nach einem Entwurf von Reichskunstwart Edwin Redslob, der auch dem Preisrichterkollegium vorsteht.

Publikationen

Preisgekrönte Werbefilme! In: Film-Kurier, Nr. 191, 13.8.1929

Uwe Westphal: Werbung im Dritten Reich. Berlin 1989, S. 7–18

Günter Agde: Flimmernde Versprechen. Geschichte des deutschen Werbefilms im Kino seit 1897. Berlin 1998, S. 79–83

 

15. Oktober 1929. Uraufführung des Fritz-Lang-Stummfilms Frau im Mond

Regisseur Fritz Lang (r) mit Kameramann Curt Courant (Mitte) bei den Dreharbeiten zum Stummfilm „Frau im Mond“, Quelle: Bundesarchiv, Bild 102-08538, Wikimedia Commons, Lizenz: CC-BY-SA 3.0

Regisseur Fritz Lang (r) mit Kameramann Curt Courant (Mitte) bei den Dreharbeiten zum Stummfilm „Frau im Mond“, Quelle: Bundesarchiv, Bild 102-08538, Wikimedia Commons, Lizenz: CC-BY-SA 3.0

Die Weltpremiere von Frau im Mond findet im Berliner Ufa Palast am Zoo statt. Die visuellen Effekte und Animationen sind das Werk von Oskar Fischinger. In diesem Jahr führt Fischinger auch seine Studie 1 vor und arbeitet an Studie 2 (Tanzende Linien).

 

27. Oktober 1929. Sonntagsmatinee „Kammermusik und Filmmusik“ in Berlin

In der Volksbühne, Theater am Bülowplatz, stehen Kompositionen des Hauskapellmeisters Paul Dessau zu Animationsfilmen auf dem Programm.

Die Theaterleitung kündigt die Uraufführung einer Filmkomposition von Paul Dessau zu Dornröschen (1922) von Lotte Reiniger sowie einer Begleitmusik von Ernst Toch zum amerikanischen Zeichentrickfilm Die Kinderfabrik an. In den Rezensionen wird Dessaus Musik zu Dornröschen aber nicht erwähnt; sie kam vermutlich nicht zustande.

Das Programm enthält ferner die bereits älteren Originalkompositionen von Dessau zu Der verzauberte Wald (La forêt enchantée) von Wladislaw Starewitsch und dem Disney-Trickfilm Alice und der Selbstmörder (Alice Helps the Romance).

„Die Kurzfilme für diese interessante Matinee waren in der Hauptsache mit Rücksicht auf die Originalmusik zu den Filmen gewählt worden, aber gerade dieser Umstand verhieß dem dicht besetzten Großtheater sehr viel Amüsement.“
(LichtBildBühne, Nr. 257, 28.10.1929)

Publikationen

Vossische Zeitung, Nr. 251, 20.10.1929 (Anzeige)

CineGraph Hamburg, Stiftung Deutsche Kinemathek, Berlin (Hg.): Paul Dessau. Hamburg, Berlin 1994

 

14. Dezember 1929. Zensurfreigabe für Das Ungeheuer von Kamimura

Der Exilrusse Paul [Pawel] Nikolaus Peroff hat den Kurz-Animationsfilm Das Ungeheuer von Kamimura für die Tobis (Produktionsleitung: Guido Bagier) hergestellt. Aus den USA hat er seine Zeichenfilme Die Abenteuer des Herrn Baron Münchhausen oder: Die Wahrheit über alles und Willis Zukunftstraum mitgebracht und vertreibt sie über die Kinagfa.

 

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