Das deutsche institut für animationsfilm - diaf  

Aufgabenfeld
Die zentrale Aufgabe des DIAF besteht in der Pflege und Förderung des deutschen Animationsfilms. Nach der weitgehenden Erschließung zum DEFA-Animationsfilm liegt der Schwerpunkt in der kontinuirlichen gezielten Erweiterung der Sammlung auf den gesamtdeutschen Animationsfilm. Regelmässige Sonderausstellungen des DIAF zeugen vom schöpferischen Potential verschiedenster Animationstechniken sowie von spannenden künstlerischen Prozessen in der Spannbreite zwischen Analogem und Digitalem Arbeiten. Archivierung ist das primäre Tätigkeitsfeld des Instituts und damit verbunden konservatorische Maßnahmen sowie wissenschaftliche Aufarbeitung. Das DIAF ist international vernetzt, kooperiert mit zahlreichen nationalen Partnern und fördert insbesondere regionale Nachwuchskünstler im vorwettbewerblichen Bereich. Es bietet selbst keine Fortbildung zur Filmarbeit an, ist jedoch enger Kooperationspartner von entsprechenden Workshops, wie z.B. dem von Jerzy Kucia geleiteten Internationalen Workshop für Animationsfilm an der Akademie der Künste Krakau, Polen. Langfristiges Ziel des DIAF ist es einzelne Forschungsergebnisse zur Geschichte des deutschen Animationsfilms zu bündeln und insbesondere durch die Vertiefung und Ausweitung der Arbeit mit Zeitzeugen sowie die strategische Erschließung von Vor- und Nachlässen dazu beizutragen bestehende Forschungslücken zu schließen. Das DIAF engagiert sich gemeinsam mit Partnern wie der AG Animationsflm und der AG Animation für ein entsprechendes weitgreifendes Netzwerk zum deutschen Animationsfilm, das Institutionen und Persönlichkeiten der Archivierung, der Forschung, der Ausbildung und der Verwertung zusammenbringt. Durch Filmpräsentationen und Wanderausstellungen im In- und Ausland sowie durch Publikationen und medienpädagogische Angebote wird eine breite Öffentlichkeit mit dem deutschen Animationsfilm in seiner künstlerischen wie gesellschaftlichen Bedeutung bekannt gemacht.

 

 

Geschichte
Das Deutsche Institut für Animationsfilm e.V. (DIAF) wurde am 16. November 1993 in Dresden gegründet. Hier produzierte von 1955 bis 1990 das DEFA-Studio für Trickfilme, das staatliche Studio für Animationsfilme der früheren DDR, das in erster Linie Filme für das Kinder- und Familienpublikum aber auch Satiren und künstlerische Filme für Erwachsene produzierte. Nach der Schließung des Studios wurde der Nachlass treuhänderisch vom Bundesarchiv an das DIAF übergeben. Neben einem Filmstock von rund 2.000 Filmkopien archiviert das DIAF zahlreiche Filmmaterialien und Dokumente insbesondere aus dem Bereich des ostdeutschen Animationsfilms. Die ausführliche Erschließung und Aufarbeitung des umfangreichen Nachlasses des DEFA-Studios fand mit der Publikation „Die Trick-Fabrik. DEFA-Animationsfilme 1955-1990“ (2003) einen ersten Abschluss. Im April 2002 eröffnete das Institut mit Förderung aus Bundesmitteln im Rahmen des Programms "Kultur in den neuen Ländern" eine Dauerausstellung zum Gesamtschaffen des DEFA-Studios für Trickfilme in den Technischen Sammlungen der Stadt Dresden, die derzeit überarbeitet wird und voraussichtlich im Dezember 2016 neueröffnet wird.

 

Das Institut wird vom Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst und der Landeshauptstadt Dresden Amt für Kultur und Denkmalschutz gefördert. Zahlreiche Projekte des Instituts werden darüber hinaus in Kooperation mit der DEFA-Stiftung Berlin sowie vieler regionaler, nationaler und internationaler Partner realisiert. 

 

Bestandsüberblick
Herzstück der Sammlung bildet der Nachlass des DEFA-Studios für Trickfilme. In den DIAF-Beständen, die kontinuirlich erweitert werden, finden sich historische wie zeitgenössische Materialien zum gesamtdeutschen Animationsfilmschaffen. In den Nachlässen einzelner Filmemacher finden sich insbesondere künstlerische Materialien, die über die Animationsfilmarbeit hinausgehen, sowie schriftliche Unterlagen zur künstlerischen Arbeit, wie z.B. Arbeitsbücher und Drehbücher.

Der Filmbestand umfasst insgesamt rund 2.000 Kopien. Zum überwiegenden Teil sind dies Animationsfilme und Handpuppenfilme von kurzer Metrage auf 35mm-Positivfilmmaterial aus dem ehemaligen DEFA-Bestand. Hinzu kommen ostdeutsche und westdeutsche Werbefilmproduktionen, einige 16mm-Positivkopien von historischen Animationsfilmen, Werke die das aktuelle künstlerische Filmschaffen widerspiegeln sowie dokumentarische Filme über die sächsische Kunstgeschichte.

 

Im ehemaligen DEFA-Studio für Trickfilme wurde der Puppenanimationsfilm sehr stark gepflegt. Aus diesem Grund verfügt das Institut über eine große Sammlung an dreidimensionalen Objekten. Dazu zählen rund 1.500  Puppenfiguren – Animationsfilm-Figuren unterschiedlichster Gestaltungstechnik sowie Hand- und Stabpuppen – und 3.000 Requisitengegenstände und Bauten.

 

Eine Besonderheit des Dresdner Studios war der Silhouetten-Animationsfilm. Bruno Böttge war mit rund 40 Filmen neben Lotte Reiniger einer der beständigsten Silhouettenfilmemacher der Animationsfilmgeschichte. Neben Filmkopien und Schriftunterlagen umfasst die Sammlung Bruno Böttge zahlreichen Silhouettenfiguren und -dekorationen. Insgesamt verfügt das Institut über rund 3.300 Silhouettenfiguren.

 

Im graphischen Bereich umfasst der Bestand ca. 4.000 Entwürfe zu Figuren, Szenen und Hintergründe, 18.000 Zeichentrick-Folien, 170 Poster zu Animationsfilmen und 3.500 Spielfilmplakate. Ferner besitzt das Archiv rund 500 Flachfiguren.

 

Die photographische Sammlung von über 3.000 Fotos beinhaltet mehrheitlich Filmstills zu den DEFA-Animationsfilmen. Eine große Anzahl an Arbeitsphotos und Anlassphotos belegt die technische Entwicklung und betriebliche Organisation der Animationsfilmproduktion in Dresden.