Herzlichen Glückwunsch zum 50., liebe Maus!

Maus und Elefant als Figuren in Erfurt, dem Sitz des Kinderkanals. ©Wikimedia Commons, Andreas Praefcke, Lizenz: gemeinfrei
Maus und Elefant als Figuren in Erfurt, dem Sitz des Kinderkanals. ©Wikimedia Commons, Andreas Praefcke, Lizenz: gemeinfrei

Sie ist orange, ebenso neugierig wie einfallsreich und verständigt sich mit Augenklimpern: Die Maus, der Star des WDR-Kinderprogramms, wird 50 Jahre alt. Am 7. März 1971 wurden die Lach- und Sachgeschichten erstmals ausgestrahlt. Idee und Konzept stammen von WDR-Kinderfernseh-Redakteur Gert K. Müntefering. Auch die ersten animierten Maus-Spots aus der Zeichenfeder von Friedrich Streich liefen an jenem Sonntag. Drei Tage später flimmerte die erste Bildergeschichte Maus im Laden von Illustratorin Isolde Schmitt-Menzel über die Mattscheibe.

Seit 1972 laufen die Lach- und Sachgeschichten unter dem Titel Die Sendung mit der Maus, und die Titelmelodie, komponiert von Hans Posegga, eröffnet bis heute jede Ausgabe. Im Laufe der Jahre bekam die Maus immer mehr Gesellschaft: Der kleine Maulwurf (1972), Elefant (1975), Tigerente (1979), Käpt’n Blaubär (1991), Shaun das Schaf (2007) und viele andere Trickfilm-Helden waren und sind in der Sendung zu sehen.

Maus-"Vater" Gert K. Müntefering (rechts) erhielt 2015 den Ehrenschlingel des Chemnitzer Filmfestivals SCHLiNGEL aus den Händen von Festivaldirektor Michael Harbauer. ©Film Festival SCHLiNGEL

Maus-“Vater” Gert K. Müntefering (rechts) erhielt 2015 den Ehrenschlingel des Chemnitzer Filmfestivals SCHLiNGEL aus den Händen von Festivaldirektor Michael Harbauer. ©Film Festival SCHLiNGEL

Wurden die Lach- und Sachgeschichten früher nur am Sonntagvormittag im Fernsehen ausgestrahlt, kann man sie heute auch via Internet, App, Podcast und in den sozialen Medien erleben. Gerade in den Corona-Jahren 2020/21 lief Die Sendung mit der Maus nahezu täglich, um Kinder und Eltern beim Lernen zu Hause zu unterstützen.

Der 50. Geburtstag mit der sage und schreibe 2309. Maus-Ausgabe fällt wieder auf einen Sonntag. Eine große Party in Köln wie bei den vergangenen runden Geburtstagen wird es diesmal nicht geben, dafür wird online gefeiert: mit Zeitreisen durch die Fernsehgeschichte und einer Geburtstagssendung zum Thema Zukunft, natürlich auch im Internet.

Was Sie nie zu fragen wagten …

Warum ist die Maus so beliebt bei Alt und Jung, was ist ihr Erfolgsgeheimnis? Klar, sie ist pfiffig und wahnsinnig niedlich mit ihrem pummeligen Körper und den Klimperaugen. Und auch ihre kindliche Neugier trifft den Nerv vieler: Stellvertretend für kleine und große Zuschauer stellt die Maus Fragen, die insbesondere Erwachsene nie selbst stellen würden – weil es ihnen unangenehm wäre zuzugeben, dass sie nicht wissen, wie all die selbstverständlichen Alltagsdinge funktionieren. Warum ist der Himmel blau, wie kommen die Löcher in den Käse, was wiegt eine Wolke, wieso haben Würstchen einen Knick kurz vor dem Zipfel? Also machen sich die Maus-Journalisten Armin, Christoph, Ralph und Co. auf den Weg in Handwerksbetriebe, Fabriken und Labore, um die Rätsel zu lösen.

Dreharbeiten für Mit Jan und Tini auf Reisen in den Obstplantagen von Dresden-Pillnitz: Puppenspieler Hans Claus (vorn) und Arnim Rüdiger. ©DIAF

Dreharbeiten für Mit Jan und Tini auf Reisen in den Obstplantagen von Dresden-Pillnitz: Puppenspieler Hans Claus (vorn) und Arnim Rüdiger. ©DIAF

Dieses Prinzip „fragen und vor Ort anschauen“ war damals für das Kinderfernsehen recht neu. Etwa zeitgleich entstanden im west- und ostdeutschen Rundfunk ähnliche Formate, in denen mit dokumentarischen Mitteln „Alltagsrätseln“ nachgegangen wurde. Während in der Bundesrepublik 1969/70 Maus-„Urgestein“ Armin Maiwald die ersten Sachgeschichten über Brötchen, Milch und Eier produziert hatte, drehte 1969 Jörg Herrmann vom DEFA-Studio für Trickfilme Dresden einen halbstündigen Kinofilm zur Kinderfernseh-Reihe Rolf und Reni, in der die Handpuppe mit einem menschlichen großen Bruder den Harz erkundete. Ein Jahr später produzierte das Trickfilmstudio den Auftakt der insgesamt mehr als 80-teiligen Serie Mit Jan und Tini auf Reisen. Zuerst schauten sich die beiden neugierigen Handpuppen in einer Großbäckerei um. Auch heute noch wird dieses Erzählprinzip verwendet – man denke nur an die Checker Tobi, Can und Julian des Bayerischen Rundfunks oder Willi will’s wissen.

Aber zurück zur Maus: Nur Sachgeschichten wären dem orangen Nager viel zu öde. Also gibt es noch die kurzweiligen Lachgeschichten dazu – fertig ist Die Sendung mit der Maus.

Die Maus in Dresden

Plakat zur Maus-Ausstellung 1997 in den Technischen Sammlungen Dresden. ©Stadtmuseum Dresden, Museen der Stadt Dresden

Plakat zur Maus-Ausstellung 1997 in den Technischen Sammlungen Dresden. ©Stadtmuseum Dresden, Museen der Stadt Dresden

Schon mehrfach hat die Maus Dresden besucht, die Heimatstadt des Deutschen Instituts für Animationsfilm. Im Sommer 2017 beispielsweise erkundete der neugierige orange Nager mit Moderatorin Siham El-Maimouni die Dresdner Frauenkirche. Armin Maiwald stoppte auf dem Weg zur Rathener Gierseilfähre in der Sächsischen Schweiz vor dem großen Gotteshaus, 2008 führte die Maus-Sommerreise die Elbe entlang, und 1991 feierte die Maus-Show auf der Bühne des ARD-Kinderfestes in Dresden Premiere.

Der längste Aufenthalt dauerte gleich mehrere Monate: Im Frühjahr 1997 machte die Wanderausstellung zum 25. Geburtstag der Maus Station in den Technischen Sammlungen. Der WDR gestaltete gemeinsam mit dem Filmmuseum Potsdam (Kuratorinnen Corinna Conradt und Heidrun Wilkening) die Schau, die Technischen Sammlungen und das Deutsche Institut für Animationsfilm holten sie an die Elbe.

Die Ausstellungsbesucher konnten nicht nur die Hauptfiguren, originale Erklär-Modelle aus der Sendung, Zeichenfolien und Hintergründe der Animationsfilme sowie natürlich viele Videos anschauen, sondern auch malen und basteln – unterstützt durch „die Damen des DIAF“ (O-Ton Flyer). Bereits nach einem Monat konnte im alten Ernemann-Bau in Dresden-Striesen der 10.000. Besucher begrüßt werden!