PANORAMA VISION Film – Projekt – Installation

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Die installative Ausstellung PANORAMA VISION des deutschen Instituts für Animationsfilm versetzt uns in das künstlerische Lebenswerk von Paul Yederbeck (1965–2001) – ein virtuelles Double in verschiedenartigen medialen Aggregatzuständen – geschaffen von Frank Geßner (*1965) für das intermediale Projekt VOYAGEUR DE L’IMAGE / WEGE ZUM BILD / TOWARDS THE IMAGE. Seit über zwei Dekaden forscht der Wahlberliner Künstler an diesem laborähnlichen Schnittstellen- bzw. Brückenprojekt zwischen den Künsten. Hierfür gründete er die *ATELIER BERLIN PRODUCTION (2005) und arbeitet – temporär mit einer Vielzahl von Verbündeten – an einem experimentell „erweiterten Animationsbegriff“.

© DIAF-Archiv, Foto: Christoph Reime

In dem eigens für Dresden entworfenen „Palladio-Modell“ (2016) – einer komprimierten Repräsentation der großen Potsdamer Alias Yederbeck-Installation (2011/12) – wird in Anlehnung an Le Corbusiers „Modulor“ eine kinematografische 12-Kanal-Installation als prototypische Medienskulptur entwickelt, die in Ihren Proportionen auf die menschlichen Maße und dem Goldenen Schnitt basiert. Im Inneren werden auf zwölf Monitoren Elemente der Bildenden Kunst mit der Medienkunst sowie Film, Video, Animation und Sound in einer metafiktionalen räumlich-immersiven Aufführung miteinander verschränkt. Auto(r)biografische Skizzen, Porträts und Erinnerungen alternieren mit kulturell bedeutsamen Orten in Paris, Berlin, Rügen oder Ägypten – und katapultieren die Zuschauer durch die „panoramatische“ Montage direkt in den Kopf des fiktiven Künstlers Paul Yederbeck. Eine Vielzahl von unterschiedlichen analogen und digitalen (Animations-)Techniken werden dabei zu einem kontemplativen und zugleich spektakulären „Raumfilm“ synthetisiert. Insbesondere Zeichenanimation, Puppentrick, Motion-Capture, Mischtechniken und Direct-to-Film werden mittels Compositing in einer komplexen 3D-Struktur miteinander in Bezug gebracht.

Die „Quadratur des Kreises“ wie Geßner die eckigrunde Installation nennt ist für ihn auch eine „Bild-Erzählmaschine“. Denn innerhalb der vorgegebenen Struktur ist es den Betrachtern überlassen Geschichten zu konstruieren. Ergebnis ist ein offenes »Kunstwerk in Bewegung«, das in der Gesamtheit seiner Wirkung auf den Betrachter nicht reproduzierbar ist.

„In der kreativen Herstellung von Alias Yederbeck schafft Geßner eine ironische, multiple Geschichte über „Jedermann“ – via Yederbeck- und über Kunst und Identität; und diese Erzählung ist des Künstlers eigene und sehr besondere Version der condition Humana als comédie humaine.“

Susanne Buchan (Professorin für animation aesthetics an der Middlesex University. Herausgeberin animation: an interdisciplinary journal, Kuratorin, London, UK).

Das Deutsche Institut für Animationsfilm präsentiert überdies eine Alias Yederbeck-App (2014), die Künstlerdokumentation Qu’est-ce que Monsieur Teste? (2011/2014) sowie das bisher unveröffentlichte, sequenziell montierte Kontextmaterial #FGWGBBT0001-0028 (2014/15) aus Frank Geßners umfangreichem multimedialem Archiv – bestehend aus Text, Zeichnung, Fotografie, Collage, Malerei, Plastik, Skulptur, Video, Film, Animation, Ton sowie Objektkunst (2016) – das eine beeindruckende stilistische Bandbreite des crossmedial agierenden Künstlers sichtbar macht.

Als Professor an die Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf berufen (2004), lehrt der gebürtige Würzburger Theorie und Praxis der Bildkunst. In seiner Funktion als Vizepräsident für Lehre, Forschung und Entwicklung war Frank Geßner Mitbegründer (2008) des Instituts für Künstlerische Forschung / IKF.