Ohne Ton kein Bild  

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DIAF-Ausstellung in den Technischen Sammlungen Dresden vom 17. April 2015 bis zum 28. März 2016

Eine Sonderausstellung aus Anlass des 60. Gründungsjubiläums des DEFA-Studios für Trickfilme Dresden.

Start einer Windmühle ins All, Gesang, Geschrei oder märchenhafte Streichermusik von den Dresdner Tanzsinfonikern: Für die Bearbeitungen von Sprache, Geräuschen und Musik unterhielt das am 1. April 1955 gegründete DEFA-Studio für Trickfilme in Dresden eigens ein Tonstudio mit bis zu 20 festen Mitarbeitern.

Tonstudio Dresden-Gittersee, ©DIAF-Archiv

Rund 750 Animationsfilme fürs Kino sowie zahlreiche Animationsserien, TV-Auftrags- und Gastproduktionen wurden bis zum Studioende 1992 vertont. Nach einer anfänglichen Phase mit räumlichen Provisorien wurde das Tonstudio nach Dresden-Gittersee ausgelagert, wo das Kino eines ehemaligen Ballhauses umfunktioniert wurde. Da in der Animationsfilmproduktion einzelbildweise gearbeitet und zudem Bild und Ton stets unabhängig voneinander aufgenommen werden, birgt allein die Umsetzung der Synchronität viele technische Herausforderungen. Anders als im Spiel- und Dokumentarfilm existieren im Animationsfilm keine „Originaltöne“. Jeder klangliche Ausdruck der Figuren und Geschichten muss wie die Bilder künstlerisch geschaffen werden. Die Arbeit des Tonstudios zeichnete sich durch unzählige Kooperationen mit über 100 Komponisten und namhaften Künstlern und Klangkörpern aus.

Notizen für die Vertonung eines Filmes, ©DIAF-Archiv

SPRACHE

Die grundlegende Entscheidung über den Einsatz von Sprache durch einen Erzähler oder durch Dialoge ebenso wie das Streben nach Lippensynchronität bei den sprechenden Animationsfiguren ist jenseits der technischen Umsetzbarkeit auch eine künstlerische Frage. Bei etwa einem Viertel der Kinoproduktionen des Studios – insbesondere bei vielen Märchen und Fabeln – wurde ein Erzähler eingesetzt. Etwas häufiger wurde auf Sprecherensembles zurückgegriffen: Viele bekannte Theaterschauspieler verliehen den Figuren Stimmen und Charakter.

GERÄUSCHE

Vertont wurde üblicherweise nach den monatelangen Filmaufnahmen innerhalb von nicht mehr als vier bis sechs Tagen. Für Imitationen und Effekte wurde eine ungeheure Vielfalt an Alltagsgegenständen, Instrumenten und sogar Nahrungsmitteln eingesetzt. Der langjährige Geräuschemacher Manfred Jähne unterhielt hierfür ein Geräuschearchiv und gehörte zum kleinen Kreis derjenigen, die das Subharchord bedienen konnten.

Drahtfiguren Filopat und Patafil, Subharchord, ©DIAF-Archiv

SUBHARCHORD

Die Zusammenarbeit des späteren DEFA-Musikdramaturgen Addy Kurth mit dem RFZ (Rundfunk und Fernsehtechnisches Zentralamt) in Berlin bewirkte die frühe Anschaffung eines Prototypen des Subharchords für das Tonstudio in Gittersee. Addy Kurth schrieb eine Filmmusik für jene elektronischen Klänge, die sich an der Grenze zwischen Musik und Geräusch bewegten und die maßgeblich zum internationalen Erfolg der Drahtfiguren-Serie Filopat & Patafil beitrugen.

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MUSIK

Bei etwa der Hälfte der Kinoproduktionen wurde zugunsten des Ausdrucks allein durch Musik gänzlich auf Sprache verzichtet. Einige Regisseure setzten sich gesondert mit dem Zusammenwirken von Bild und Musik auseinander. Bruno J. Böttge übertrug beispielsweise 1966 Ketten von Silhouettenelementen als selbst gestaltete „Zackenschrift“ auf die Lichttonspur. Trotz internationaler Auszeichnung blieb dieses Experiment mit synthetischem Ton die Ausnahme im DEFA-Studio in Dresden. Thomas Stephan ließ Musiker zu seinen Bewegungsetüden eines Würfels eigens komponieren. Die Musik wiederum nahm er als Inspiration zur Gestaltung von Kubus im Rock und entwickelte dafür eine individuelle „Animationspartitur“.

FILMTONVARIO

An einer interaktiven Station des Dresdner Medienkünstlers Jacob Korn können die Besucher selber den Klang bei Filmbeispielen ändern, um zu erleben, wie eine Änderung des Tons die Wirkung von Filmbildern bewirkt.