Jan Švankmajer – Surviving life 

© Jan Švankmajer

Ausstellung in Dresden vom 16. April bis 10. Juli 2011

Filmaufführung am 8. Juli, 20 Uhr im Museumskino der Technischen Sammlungen Dresden

Deutsches Institut für Animationsfilm und Czech Film Center präsentieren in Dresden und erstmalig in Deutschland eine Ausstellung mit Originalcollagen von Jan Švankmajer zu seinem aktuellen Film Surviving Life.

Die Sonderausstellung zeigt zahlreiche künstlerische Originalcollagen, die Jan Švankmajer aus Arbeitsmaterialien zu Surviving Life gefertigt hat und die zusammen mit zwei begleitenden Filmdokumentationen auch die Entstehung der Animationsfilmsequenzen erläutern.

© Jan Švankmajer

Wie in seinen bisherigen Kurz- und Langfilmen stößt der tschechische Surrealist, Objektkünstler, Graphiker, Autor und Filmemacher Jan Švankmajer mit seinem aktuellen Film Surviving Life erneut die Türen zu den versteckten Bereichen des Lebens auf und verbindet die Welt des Alltäglichen und Rationalen mit der Welt des Unterbewussten, des Traums, des Erfahr- aber doch Unsagbaren.

Der unscheinbare Büroangestellte Evžen gerät in das Paralleluniversum seiner Träume. Zunächst verstört von den bizarren und gleichermaßen faszinierenden Erlebnissen dort findet er bald Gefallen daran und zudem seine Liebe. Stück für Stück breitet sich vor ihm eine Landkarte seiner eigenen Vergangenheit und seines Unterbewussten aus. Wieder ist Švankmajers Hauptfigur von einer Neugier getrieben, immer tiefer in diese Traumwelt vorzudringen, die sich hier am Ende zu einer scheinbar absurden ödipalen Situation verdichtet.

Die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Traum verschwimmen durch einen geschickten filmtechnischen Kniff: Für den Film wurden die Darsteller zunächst fotografiert, teilweise zu Hybridwesen kombiniert und schließlich als ausgeschnittene Flachfiguren animiert. Die Fotocollagen erschweren mit ihrem ambivalenten Verhältnis zwischen Wirklichkeitsanklängen im fotografischen Teil und den nachfolgenden surrealen Verzerrungen die Orientierung. Švankmajer näht ein verwirrendes Netz aus animierten und nichtanimierten Szenen. Evžens Sprünge von der realen in die geträumte Welt und zurück sind nicht mehr erkennbar, Protagonist und Zuschauer stehen zeitweise weder in der einen noch in der anderen auf festem Boden. Die manipulative Kraft der Animation spielt dabei eine zentrale Rolle: „Animation verwirklicht (materialisiert) unsere kindlichen Wunschträume: Sie verleiht den leblosen Dingen Leben. Als Kinder gelang uns dies ohne Kamera, ähnlich den Schamanen der Naturvölker. Mit dem Erwachsenwerden ersetzt jedoch das Wirklichkeitsprinzip die frühere Magie, die wir nun mit Technik zurückerlangen müssen.” (JŠ in Film a doba, LV/2009).

© Jan Švankmajer

Die ausgestellten Collagen gingen aus dem umfangreichen Arbeitsmaterial des Films hervor. Sie dokumentieren die besondere Animationstechnik, bilden aber mit ihren künstlerischen Arrangements sowie ihren Zeitspuren, die aus dem Nebeneinander der Einzelphasen entstehen, neue ungewöhnliche Szenarien und Wesen. Betritt Jan Švankmajer filmtechnisch für sich Neuland, so steht er künstlerisch hier durchaus in der Tradition der surrealistischen tschechischen Fotocollage von Štyrský, Toyen und Teige. Er schließt zudem an seine vielfältige außerfilmische Arbeit an, die oft auf Neuschöpfungen durch die Verknüpfung von Disparatem beruht, sei es z.B. Svank-Meyers Bilderlexikon, einem vorgeblichen Naturatlas aus dem 18. Jhd. mit Radierungen von Phantasiewesen, seien es seine dreidimensionalen „naturhistorischen“ Kabinettstücke – Assemblagen u.a. gefertigt aus verschiedenen Tierkörpern.