16. Oktober 2012

Ein Kreis ein Bauch, ein Dreieck tut’s auch.

©DIAF-Archiv
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Animationsfilme für Kinder von Heinz Wittig und Andreas Hykade / Eine DIAF-Ausstellung vom 31. Oktober 2012 bis 31. März 2013 in den Technischen Sammlungen Dresden

Geometrische Grundformen und strahlende Farben – dies sind die wichtigsten Elemente der Filme der beiden Künstler dieser Ausstellung: der vielseitige Dresdner Heinz Wittig und der international preisgekrönte Andreas Hykade aus Stuttgart.

Heinz Wittig arbeitete als unabhängiger Filmhersteller in der DDR und schuf spielerisch aus Kreis, Dreieck und Quadrat die prägnanten Figuren für die Serie Sprichwörtliche Redensarten. Animiert hat er sie in klassischer Manier auf dem Tricktisch mit einer 35-mm-Kamera.

Andreas Hykades präziser Zeichenstil führte die Serie Tom & das Erdbeermarmeladebrot mit Honig feinsinnig und leichtfüßig zu riesigem Erfolg. Zum Leben erweckt werden die klar gestalteten Charaktere mittels Flash-Animation bei Studio FILM BILDER in Stuttgart. 2012 feiert diese Serie ihren 10. Geburtstag.

Ein besonders herzlicher Dank geht an Ulrike Wittig, Andreas Hykade & Thomas Meyer-Hermann/Studio FILM BILDER.

Die feierliche Ausstellungseröffnung in Anwesenheit von Andreas Hykade findet am 30. Oktober 2012, um 19 Uhr in den Technischen Sammlungen Dresden statt.

Das ausstellungsbegleitende Filmprogramm ist am Di 30.10. 15.00 Uhr / Mi. 31.10. 10.00 Uhr im Museumskino der Technischen Sammlungen Dresden sowie am Do. 01.11. 15.30 Uhr / Sa. 03.11. 16.00 Uhr im Kino Thalia zu sehen.

Heinz Wittig – Szenenbild aus Sprichwörtliche Redensarten – Aus der Mücke einen Elefanten machen (TV-Premiere 1981), © Heinz Wittig

„Buchstaben sind wie einzelne Bausteine, baut man sie zusammen, ergeben sie einen Sinn. Viele bunte Steine ergeben ein Bild, viele bunte Bilder eine Geschichte.“

Sprichwörtliche Redensarten

So beginnen die elf Folgen der Serie Sprichwörtliche Redensarten, die Heinz Wittig von 1976 bis 1980 für den Abendgruß des Sandmännchens produzierte. Mit einfachen Mitteln und Möglichkeiten realisierte Wittig Geschichten, die allseits bekannte Redensarten amüsant und teilweise skurril verdichten und in denen die verständnisvolle Tante Amalie Kindern hilft, die Welt ein bisschen besser zu verstehen. Das dramaturgische Konzept, Redensarten auseinanderzunehmen, spiegelt sich auch auf der graphischen Ebene wider. Alle Flachfiguren und Objekte bestehen aus einer Vielzahl von geometrischen Grundelementen, die zu einem bunten Ganzen zusammengesetzt werden. Flächige, geometrische Flachfiguren mit kräftiger Farbgebung liegen vor strukturstarken Hintergründen in oftmals natürlichen Farbtönen. Der Dresdner Komponist Matthias Kleemann fand für die Serie eine sehr rhythmische Musiksprache, die den spielerischen und scheinbar absurden Wendungen mit teilweise überdrehten Klängen wundervoll entspricht.

© Andreas Hykade

Die Serie Tom & das Erdbeermarmeladebrot mit Honig wurde 2002 zusammen mit dem SWR gestartet. Seit 2011 koproduzieren auch BR und WDR. Bis 2012 entstanden 52 Folgen und dazugehörige Flashgames. Toms Weg zu seinem süßen Brot ist mit kleinen Hürden und einer Reise verbunden, auf der er Bekannte trifft, aber auch Neues kennenlernt. Die Serie lebt von der kindgerechten Kombination von Ritual und Wiederholung sowie der Überraschung durch noch zu Entdeckendes. Nach ersten Comicbildern mit Tom im Jahre 1999 existiert mittlerweile ein bunter Figurenkosmos von über 30 Charakteren, deren Eigenschaften durch ihre komische Überzeichnung schnell zu erfassen sind.

Während Heinz Wittig Tante Amalie bzw. Papierteile noch händisch auf dem Tricktisch und unter einer 35-mm-Filmkamera mit Einzelbildschaltung animierte, wird Tom in der Flash-Animation im Computer materiallos lebendig. Vergleichbar den ausgeschnittenen Papieren in der Flachfigurenanimation beinhaltet Toms Design-Pool vorgefertigte Austauschelemente für Figuren, Props und Schauplätze als Vektordaten, auf die die Animatoren zugreifen. Am Beginn der Produktion stehen aber stets Hykades phantasievolle, bemerkenswert präzise Zeichnungen auf Papier.

www.tomportal.de

Heinz Wittig in seinem Atelier in Graupa bei der Arbeit am Arbeitsschutzfilm Sicherheit (1968), © DIAF-Archiv

Heinz Wittig (1939–2011) gehörte 1965 zu den wenigen Absolventen der kurzlebigen Trickfilmklasse an der HfBK Dresden. Fehlende kreative Entfaltungsmöglichkeiten und kulturpolitische Differenzen führten zum raschen Ende seiner anschließenden Tätigkeit im DEFA-Studio für Trickfilme. Trotz der Überreglementierungen für nichtstaatliche Filmhersteller in der ehemaligen DDR schlug Heinz Wittig 1966 mit einem eigenen kleinen Studio in Graupa bei Dresden diesen Weg ein und schuf zunächst animierte Filme für die Wirtschaft und schließlich für das Kinderprogramm im Fernsehen der DDR: Was Ina erlebte (1975), Sprichwörtliche Redensarten (Serie, 1976–1980), Selbstgemalt (Serie, 1980–1983). 1983 erfolgte die Ausreise in die BRD, nach Karlsruhe-Ettlingen. Bis zu seiner Rückkehr nach Dresden im Jahre 1997 und darüber hinaus schuf Wittig zahlreiche Wirtschafts- und Wissenschaftsfilme, Künstlerportraits (Carlfriedrich Claus) und Filmdokumentationen. Wittig war gleichermaßen als Grafiker und Konzeptkünstler aktiv. 2011 übergab er eine umfassende Sammlung von Filmgraphiken und -kopien an das DIAF.

Andreas Hykade und der Sprecher der Tom-Serie Dirk Bach (1961–2012), © DIAF-Archiv

Andreas Hykade (*1968), einer der bedeutendsten deutschen Animationsfilmkünstler der Gegenwart, studierte von 1988 bis 1990 an der Kunstakademie Stuttgart und – nach längerem Arbeitsaufenthalt in London – von 1992 bis 1995 an der Filmakademie Baden-Württemberg. In seinen Autorenfilmen Wir lebten im Gras (1995), Ring of Fire (2000) und The Runt (2005) beschreibt Hykade kompromisslos die unbehaglichen Reifeprozesse seiner Protagonisten. Obwohl er die Zeichenanimation in beeindruckender stilistischer Vielfalt nutzt, haben seine Figuren einen hohen Wiedererkennungswert. Sein jüngster Film Love & Theft (2010) wurde wie zuvor Wir lebten im Gras und The Runt mit dem Deutschen Kurzfilmpreis ausgezeichnet.

www.hykade.de

Studio FILM BILDER wurde 1989 in Stuttgart gegründet und wird seitdem von Thomas Meyer-Hermann geleitet. Das Studio begann frühzeitig, künstlerische Autorenfilme von namhaften internationalen Regisseuren zu produzieren und sich gleichzeitig durch die Ausführung kommerzieller Animationsaufträge eine wirtschaftliche Basis zu schaffen.

www.filmbilder.de