20. Oktober 2022

SCHLiNGEL-Animationspreis 2022 an „Drachenprinzessin“

Princesse Dragon/Drachenprinzessin, Jean-Jaques Denis/Anthony Roux, F 2021. ©Ankama
Princesse Dragon/Drachenprinzessin, Jean-Jaques Denis/Anthony Roux, F 2021. ©Ankama

Die Animationsfilmpreise beim diesjährigen 27. Internationalen Filmfestival für Kinder und junges Publikum SCHLiNGEL gingen an Filme aus Deutschland, Frankreich, Belgien und den Niederlanden.

Princesse Dragon/Drachenprinzessin, Jean-Jaques Denis/Anthony Roux, F 2021. ©Ankama

Princesse Dragon/Drachenprinzessin, Jean-Jaques Denis/Anthony Roux, F 2021. ©Ankama

Den Preis für den besten langen Animationsfilm, ausgelobt vom Deutschen Institut für Animationsfilm (DIAF), erhielt Drachenprinzessin in der Regie von Jean-Jaques Denis und Anthony Roux (F 2021). Die Jurymitglieder begründeten ihre Wahl wie folgt:

„Die feinfühlige Vorauswahl des SCHLiNGEL-Teams für die Festivalausgabe 2022 im Bereich des Animationslangfilms konfrontierte die diesjährige Jury mit einer fulminanten Themenvielfalt, Genrefülle und mit allen nur erdenklichen artistischen Ausdrucksformen, die das bezaubernde Medium der Animation aufbieten kann.

Wir hörten Bienen zu, wie sie ungläubig die Möglichkeit eines gemeinsamen Urlaubs diskutierten, wir sahen die Flügel des Ikarus in der Sonne verglühen, sahen Spinnen zu, wie sie Drachen in der Abendsonne steigen ließen, lernten eine Menge über das Innenleben tanzender Löwen. Selbst der Besuch auf einer höchst irritierenden Insel bürstete unsere eingefahrenen Sehgewohnheiten gegen den Strich und öffnete so erneut, – sensibilisierte die Augen der Jury und der Zuschauer für neue wagemutige Experimente des visuellen Erzählens, – für Dinge, die nur in den Fantasien der Animation möglich sein können. Es war der Jury eine große Freude und eine Ehre, diese sechs Filme hier sehen zu dürfen auf der großen Leinwand im Kino.

Wir sahen Filme mit furchtbar kleinem Budget, wir sahen Filme mit überaus großem Budget, wir sahen keine Filme, die uns gelangweilt haben. Wir haben gelacht, geweint, uns geärgert, wir haben nachgedacht, gestaunt – wir hoffen, dass sich nachfolgende Produktionen ein Beispiel nehmen. Mit Liebe zum Medium, Können, Talent, Hingabe, Fantasie haben uns die Animationsfilmschaffenden bezaubert, wir sind gespannt, womit sie uns als nächstes überraschen werden.

Den Preisträger auszuwählen ist uns letztlich nicht schwer gefallen, aber wir möchten betonen, dass die fünf anderen in unseren Herzen alle eine besondere Empfehlung erhalten haben. Der Preis für den besten Animationslangfilm 2022 geht an einen Film, der alle Register der Animationskunst zieht, alte Stereotypen und Bilder durcheinander wirbelt, neu arrangiert und mit viel Witz und Humor neu erzählt. Da gibt es mit einem Mal liebende Drachenväter, mörderisch eitle Prinzen, energische Prinzessinnen und eine Froschhexe. Mit liebevollen Verbeugungen vor geliebten Vorbildern von Walt Disney über Osamu Tezuka bis hin zu Hayao Miyazaki und doch mit einer höchst eigenständigen Stimme haben die beiden Regisseure Jean-Jaques Denis und Anthony Roux die Jury für sich eingenommen, und deshalb geht der SCHLiNGEL 2022 für den besten Animationslangfilm an Princesse Dragon/Dragon Princess/Drachenprinzessin! Herzlichen Glückwunsch!“

Laika & Nemo, Jan Gadermann/Sebastian Gadow, D 2022. ©Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF

Laika & Nemo, Jan Gadermann/Sebastian Gadow, D 2022. ©Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF

Den Kurzfilmpreis Animation National, ausgelobt von AG Animationsfilm, räumte ein schon vielfach preisgekröntes Werk ab. Unter anderem bekommt die Produktion der Filmuniversität Potsdam in diesem Jahr den Studenten-Oscar. Die Jury zeichnete Laika & Nemo (D 2022) von Jan Gadermann und Sebastian Gadow aus.

„Wenn gutes Geschichtenerzählen und technische Ausführung aufeinandertreffen, entsteht ein dramaturgisches Meisterwerk, das den Zuschauer von den ersten paar Bildern bis über den Abspann hinaus fesselt. Der Filmkritiker Roger Ebert definierte Film als eine Empathiemaschine, die uns in ihren besten Momenten zum Lachen und zum Weinen, zum Nachdenken bringt. Laika & Nemo gehört unzweifelhaft zu diesen tollen Momenten. Dem Team um Sebastian Gadow und Jan Gadermann gelang eine perfekte Animationserzählung mit ungeheurem Detailreichtum“, lobte die Jury.

Eine lobende Erwähnung sprach sie für Ulf Grenzers Affendomino (D 2021) aus.

Luce et le Rocher/Luce und der Stein, Britt Raes, B/F/NL 2022. ©Thuristar/Studio Pupil/La Cabane Productions

Luce et le Rocher/Luce und der Stein, Britt Raes, B/F/NL 2022. ©Thuristar/Studio Pupil/La Cabane Productions

Als bester internationaler Animationskurzfilm wurde die belgisch-französisch-niederländische Produktion Luce und der Stein (2022) von Britt Raes gekürt.

„Um das noch einmal klarzustellen, Animation ist kein Genre, Animation ist ein Medium. Um einen solchen außergewöhnlichen Film zu machen, müssen alle Aspekte des Gehirns, der tricktechnischen Kunstfertigkeit und des sozialen Bewusstseins eingesetzt werden. Die Story erscheint simpel: Etwas Unangenehmes passiert. Die allermeisten Betroffenen arrangieren sich, gewöhnen sich daran, aber ein kleiner Mensch beschließt, dem Problem auf den Grund zu gehen. Regisseurin Britt Raes gelingt visuelles Erzählen auf dem allerhöchsten Niveau in einer animierten Welt, in der sich im Schein einer Taschenlampe neue Welten eröffnen. Und dies auch noch gepaart mit einer ansprechenden Botschaft, die die Zuschauer zu Neugier, Mut und Handeln animiert“, lautet die Laudatio.

Für den niederländischen Kurzfilm Schwein (2022) von Jorn Leeuwerink sprach die Jury eine lobende Erwähnung aus.

Die Odyssee, Florence Miailhe, F/D/Tschech. Republik 2021. ©Les films de l'Arlequin/Balance Film/XBO Film/Maur Film

Die Odyssee, Florence Miailhe, F/D/Tschech. Republik 2021. ©Les films de l’Arlequin/Balance Film/XBO Film/Maur Film

Der u. a. in Dresden und Leipzig produzierte Animationslangfilm Die Odyssee von Florence Miailhe erhielt gleich drei Auszeichnungen: den Förderpreis der DEFA-Stiftung, den Preis der europäischen Kinderfilmvereinigung ECFA sowie den der Ökumenischen Jury.

Auch der Publikumspreis ging in diesem Jahr an einen langen Animationsfilm: The Websters Family (Slowakei, Tschechische Republik 2022) von Katarína Kerekesová.

Wir gratulieren allen Preisträgern ganz herzlich!

Die Animations- und Kurzfilm-Jury

Der Jury für den Animations- und Kurzfilm gehörten in diesem Jahr an:

Der 27. SCHLiNGEL

Affendomino, Ulf Grenzer, D 2021. ©Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF

Affendomino, Ulf Grenzer, D 2021. ©Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF

Das 27. Internationale Filmfestival für Kinder und junges Publikum SCHLiNGEL zog 20.000 Besucher in die Chemnitzer und Zwickauer Kinos. Das sind rund 3.000 Gäste mehr als im vergangenen Jahr.

Insgesamt wurden in der Festivalwoche und den vorgelagerten Zwickau-Veranstaltungen 159 Filme aus 60 Ländern gezeigt. Fast 300 werden in den nächsten Wochen im Rahmen verschiedener Sonderprogramme wie „Kurze Wege für kurze Beine“ noch folgen.

Über 60 Festivalleiter, Programmer, Journalisten sowie Verleiher aus der ganzen Welt sowie Kinder und Jugendliche aus verschiedenen Ländern Europas waren beteiligt. Auch zahlreiche Filmgäste aus allen Ecken der Welt – Schauspieler, Regisseure und Produzenten – präsentierten ihre Filme. „Wir freuen uns, dass wir einen Großteil unserer Gäste vor Ort in der Kulturhauptstadt Europas 2025 begrüßen duften“, teilten die SCHLiNGEL-Macher mit.