Das deutsche Filmerbe sichern – Appell an Politiker*innen

Unter dem Titel Das deutsche Filmerbe sichern hat sich das Deutsche Institut für Animationsfilm an zahlreiche Politiker*innen gewendet, um auf das drohende Aus des Förderprogramms Filmerbe aufmerksam zu machen. Das DIAF appelliert an den Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU), Mitarbeiter der Staatskanzlei, die Sächsische Staatministerin für Wissenschaft, Kultur und Tourismus Barbara Klepsch (CDU), den Bevollmächtigten des Freistaates Sachsen beim Bund Ministerialdirigent Markus Franke, sowie Dresdner Mitglieder des Deutschen Bundestages und des Sächsischen Landtages.
Der offene Brief im Wortlaut:
Sehr geehrte/r …
wir wenden uns heute mit einem dringenden kulturpolitischen Anliegen an Sie: Mit großer Sorge beobachtet das Deutsche Institut für Animationsfilm (DIAF) die jüngsten Pläne und Entscheidungen bezüglich der Kürzung von Fördermitteln und das Auslaufen des Förderprogramms Filmerbe (FFE).
Als Mitglied des Deutschen Kinematheksverbundes, vor allem aber als Einrichtung, die täglich mit digitalisiertem Filmmaterial arbeitet, erleben wir im DIAF unmittelbar, was auf dem Spiel steht: Ohne konsequente Digitalisierung drohen bedeutende filmhistorische Bestände – auch aus Sachsen – dauerhaft unzugänglich zu werden. Konkret steht das Erbe nicht nur der in Sachsen gedrehten DEFA-Spiel- und Dokumentarfilme auf dem Spiel, sondern vor allem der umfangreiche filmische Nachlass des DEFA-Studios für Trickfilme in Dresden, das seinerzeit eines der größten und produktivsten Animationsfilmstudios der Welt war.
Filme sind weit mehr als Unterhaltung – sie sind historische Quellen, künstlerische Zeugnisse und Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen. Doch sie bleiben nur zugänglich, wenn sie digital gesichert sind. Deshalb war das 2019 beschlossene FFE ein richtiger und notwendiger Schritt.
Die inzwischen erfolgten Kürzungen sowie weitere angekündigte Reduzierungen gefährden jedoch die erreichten Fortschritte erheblich und werden zahlreiche Projekte zum Stillstand bringen.

Filmkopien, die aufgrund altersbedingter Schrumpfung, defekter Perforation oder anderer Schäden nicht mehr vorführbar sind, wären für die Nachwelt verloren. Das betrifft im DIAF-Archiv vor allem Produktionen aus den 1950er und 60er Jahren. ©DIAF/Tröger
Die Zeit drängt: Analoge Materialien zerfallen, technisches Know-how geht verloren, und mit jeder Verzögerung wächst der Schaden – an den Filmen, aber auch am kulturellen Gedächtnis unseres Landes insgesamt.
Die Konsequenzen sind konkret:
- Die Digitalisierung zentraler Werke wird gestoppt oder verzögert.
- Hochspezialisiertes Fachwissen und technische Infrastruktur gehen verloren.
- Der öffentliche Zugang zu einem wesentlichen Teil unserer Kultur- und Zeitgeschichte wird eingeschränkt.
Der Erhalt des Filmerbes ist keine nachrangige Aufgabe, sondern Teil staatlicher Kulturverantwortung gegenüber kommenden Generationen.
Wir wünschen uns dringend von Ihnen, dass Sie sich für eine verlässliche finanzielle Ausstattung des FFE, die Rücknahme der Kürzungen sowie eine Fortführung über das Jahr 2028 hinaus einzusetzen. Nur so kann dieses kulturelle Erbe dauerhaft bewahrt und zugänglich gehalten werden.
Ein Filmerbe, das nicht mehr gesehen werden kann, ist verloren. Wir bitten Sie daher um Unterstützung.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Julia Dufek (1. Vorsitzende), Dr. Ralf Forster (2. Vorsitzender), Katrin Rothe (Kassenwart), Lina Walde, Karsten Matern, Sara Kahler sowie Dr. Till Grahl (Geschäftsführer) und Yvonne Beyer (stellv. Geschäftsführerin)
zum Weiterlesen:
- Viele DEFA-Filme nicht digitalisiert: Jetzt drängt die Zeit (dpa, 14.5.2026)
- Appell an Politik und Öffentlichkeit: Retten Sie das deutsche Filmerbe! (DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum, 23.4.2026)
- Flyer „Zukunft des Filmerbes“ des Kinematheksverbundes
- Appell der kommunalen Kinos: Filmerbe retten! (22.4.2026)