Regisseurin Monika Krauße-Anderson verstorben

Monika Anderson, 1974. ©DIAF/Rolf Hofmann
Monika Anderson, 1974. ©DIAF/Rolf Hofmann

Abschied von einer langjährigen Mitarbeiterin des DEFA-Studios für Trickfilme Dresden: Am 16. Juli 2021 ist die Regisseurin Monika Krauße-Anderson verstorben.

Die Frau mit den wachen hellen Augen, geboren 1929 in Reval (Tallinn) im heutigen Estland, stammte aus einem musischen Elternhaus und las sehr gern. Während des Nationalsozialismus wurde ihre Familie zunächst nach Polen „umgesiedelt“, musste später flüchten und landete in Thüringen. Die junge Monika absolvierte eine Maurerlehre und studierte anschließend Architektur in Weimar. Von 1954 bis 1958 arbeitete sie als Architektin, zunächst beim Berliner Chefarchitekten Hermann Henselmann, dann in Dresden. In der Hauptstadt projektierte die junge Absolventin beispielsweise ein Möbelkaufhaus an der Stalinallee mit. Die Berliner Zeit prägte sie künstlerisch: Sie sah Brecht-Inszenierungen und Auftritte von Marcel Marceau, hörte zahlreiche Konzerte.

Der gestiefelte Kater, Monika Anderson, DDR 1967. ©DEFA-Stiftung/Gerhard Hager

Der gestiefelte Kater, Monika Anderson, DDR 1967. ©DEFA-Stiftung/Gerhard Hager

Unzufrieden mit architektonischen Aufgaben in Dresden, die vor allem auf massenhaften Wohnungsbau fokussierten, wechselte Anderson ins erst drei Jahre alte DEFA-Studio für Trickfilme Dresden. Dort begann die Quereinsteigerin als Regieassistentin, doch schon bald durfte sie als Regisseurin eigene Projekte realisieren. Mit ihren ersten Puppentrickfilmen für Kinder, etwa Alle helfen Teddy und Die schöne Olga, war sie rückblickend nicht recht zufrieden. Doch schon bald gelangen der jungen Frau mit Der gestiefelte Kater sowie den Reihen Hähnchen Gock und die schlauen Mäuse und Teddy Plüschohr Erfolge beim jungen Publikum und den „Kulturoberen“.

Arbeitsschwerpunkt Kinderfilm

Der Kinderfilm blieb während ihrer gesamten Schaffenszeit ihr Metier, wenngleich mit einem sich im Lauf der Zeit wandelnden pädagogischen Ansatz. „Wir hatten mit dem Film für Kinder einen ästhetischen Anspruch, einen hohen, wo wir wirklich sehr gute Künstler dransetzten, die mit einem ästhetischen Empfinden die Dekorationen, die Figuren und alles machten“, schätzte sie 2004 in einem Zeitzeugeninterview mit der Dramaturgin und Regisseurin Marion Rasche ein. „Wir haben keine Brutalität im Film gehabt. Wir haben wirklich liebevoll gearbeitet, haben versucht, von der Didaktik wegzukommen, nicht zu sehr zu belehren. […] Wir haben Wert gelegt auf die Erziehung der Gefühle der Kinder von Anfang an, schon bei Kleinen.“

Spagat zwischen künstlerischer Tätigkeit und Leitungsarbeit

Zwischen 1968 und 1973 studierte die von ihren Kollegen als intelligent, offen und fortschrittlich denkend geschätzte Regisseurin extern an der Theaterhochschule Leipzig und beendete die Ausbildung mit einem Abschluss als Theaterwissenschaftlerin.

In der ersten Hälfte der 1970er Jahre fungierte Monika Anderson zunächst als Stellvertreterin des Studiodirektors Wolfgang Kernicke, der in Personalunion auch das Potsdamer DEFA-Studio für Kurzfilme leitete. Weil sie sich in dieser Position jedoch wegen der Widersprüche zwischen Leitungstätigkeit und künstlerischer Arbeit recht unwohl fühlte, kam Werner Rose als Stellvertretender Direktor nach Dresden, und Monika Anderson wurde Künstlerische Leiterin des Trickfilmstudios. Für Ihre Studiokollegen und die Belange des Animationsfilms in der DDR engagierte sie sich in den 1970er Jahren als Vorsitzende der Sektion Trickfilm im Verband der Film- und Fernsehschaffenden.

Bei Meta Morfoss (1979), den Anderson rückblickend zu ihren Lieblingsfilmen zählte, setzte die Regisseurin auf Flachfiguren, weil sie relativ leicht zu realisierende Verwandlungsmöglichkeiten bieten. Um dem phantasievollen Stoff von Peter Hacks nahezukommen, gestaltete die junge Absolventin der Dresdner Hochschule für Bildende Künste Regina Kempin die Figuren angelehnt an naive Malerei.

Hin zu „herzhafteren“ Filmen

Die kluge Bauerntochter, Monika Anderson, DDR 1983, ©DEFA-Stiftung/Wolfgang Schiebel

Die kluge Bauerntochter, Monika Anderson, DDR 1983, ©DEFA-Stiftung/Wolfgang Schiebel

Viel Freude bereitete Monika Anderson auch die Arbeit an der Reihe Drei Freunde (sogenannte Dreier-Serie) und den Rübezahl-Filmen. „Je länger ich Filme machte, kam bei mir eine etwas herzhaftere Note hinein, manchmal eine etwas groteske und etwas komischere Note“, resümierte sie. Exemplarisch zu sehen ist dies an der Klugen Bauerntochter, die Anderson 1983 drehte. Das Szenenbild verantwortete Berliner Bühnenbildner Henning Schaller, seine Frau Irena entwarf die absurd-komischen Figuren mit den hervorstehenden Augen. Diese Puppen sollten, so die Idee der Regisseurin, vor realen Hintergründen agieren – das Königsschloss etwa war eine Fotografie von Schloss Moritzburg nahe Dresden – und sich nicht entsprechend der menschlichen Anatomie bewegen. „Das ist ein Film gewesen, der mir ungeheuer viel Spaß machte, auch wenn die Animation sehr schwierig war“, so Anderson.

Künstlerische Partnerschaften

Rübezahl-Drehstab. ©DIAF/Rolf Hofmann

Der Rübezahl-Stab nach Ende der Dreharbeiten (v. l. n. r.): Siegfried Jung (Kamera), Sigrid Weidhaas (Produktionsleitung), Stanislav Latal (Regie), Jiri Kubicek (Dramaturgie), Werner Krauße (Regie), Monika Anderson (Regie), Rudolf Thomas (Dramaturgie), Anita Uebe (Schnitt), Thomas Wedegärtner (Studiodirektor). ©DIAF/Rolf Hofmann

Mit einigen Kollegen des Trickfilmstudios arbeitete die Regisseurin regelmäßig zusammen, enge künstlerische Partnerschaften entwickelten sich. So entwarf beispielsweise Horst J. Tappert die Figuren für zahlreiche Filme. „Mit Tappert war es ein wunderbares Arbeiten. Er ist ja sehr begabt gewesen, war sehr schnell und sehr zuverlässig“, lobt Anderson in der Rückschau. Katharina Benkert und Rudolf Thomas wurden zu Andersons „Stamm-Dramaturgen“: Benkert, deren feine, poetische Töne die Regisseurin schätzte, bei den frühen Filmen, Rudi Thomas später bei den „handfesteren“ Geschichten. Hinter der Kamera stand bei vielen Produktionen Siegfried Jung.

Auch Monika Andersons späterer Mann, der Regisseur und Animator Werner Krauße, gehörte zu ihren geschätzten und vertrauten Kollegen. „Wir haben uns sehr gut gegenseitig bereichern können. Werner ist ein sehr phantasievoller Mensch gewesen mit sehr viel Sinn für Gags, und hatte ungeheure Einfälle. Ich bin immer etwas rationeller rangegangen, ich habe mehr konstruiert und mehr verstandesmäßig gearbeitet. Er hat manches eingebracht in Stoffe, die die Sachen auflockerten.“

Nach der kleinen Wildwest-Serie Spektakel im Saloon (1988/89) verabschiedete sich Monika Krauße-Anderson 1990 mit 60 Jahren in die Rente. Sie genoss die zahlreichen Kulturangebote in Dresden und Sachsen, besuchte Ausstellungen und Theater. Nach dem Tod ihres Mannes zog sie von dem beschaulichen Örtchen Wehlen in der Sächsischen Schweiz zurück nach Dresden, wo sie mit 91 Jahren verstarb. Im Friedwald bei Radebeul fand sie ihre letzte Ruhestätte.

Im Youtube-Kanal der DEFA-Stiftung gibt es zwei Werke der Regisseurin zum (Wieder-)Entdecken: Die kluge Bauerntochter und Der gestiefelte Kater.

Tanja Tröger