Luise Fiedler als Artist in Residence 2026

Als Artist in Residence arbeitet die Künstlerin Luise Fiedler vom 1. September bis 31. Oktober 2026 in den Räumen des DIAF. Das Institut hatte das zweimonatige Projektstipendium für einen Arbeitsaufenthalt zur Realisierung eines künstlerischen Vorhabens ausgeschrieben. Luise Fiedler ist die inzwischen vierte Filmemacherin, die das DIAF mit einer Residency fördert.
Fiedlers aktuelles, noch namenloses Filmprojekt thematisiert das Aufwachsen eines Kindes in einer Gesellschaft, die sich für den Krieg rüstet. „An den Kindern um mich herum ist mir aufgefallen, dass kindliche Wut und Aggressivität verpönt ist, aber in der Erwachsenenwelt passieren die aggressivsten Dinge, die man sich vorstellen kann“, erläutert die studierte Illustratorin die Grundidee. Selbst wenn Kinder keine oder kaum Medien konsumierten, könnten sie sich nicht vor diesen Wahrnehmungen schützen: Da wirbt die Bundeswehr an Haltestellen, dort sind die Gesichter der israelischen Opfer vom Hamas-Überfall an eine Hauswand plakatiert. Wie gehen Kinder mit solchen Eindrücken um, was macht das mit ihnen?
So begleitet der handgezeichnete Film einen Jungen durch den Alltag und beleuchtet generell das Thema „starke Gefühle bei Kindern“: Werden sie unterdrückt oder brechen sie heraus? Und wie geht die Gesellschaft mit heftigen Emotionen um – erlauben, verteufeln, lenken und für bestimmte Zwecke nutzen?
Etwa drei Jahre lang trug Fiedler die Filmidee mit sich herum. Die Sorge, dass sie unaktuell werden könnte, habe sich nicht bestätigt – im Gegenteil: Das Thema werde immer offensichtlicher und drängender.
Etwa fünf bis sechs Minuten wird der Film lang werden. Gut die Hälfte der Szenen ist bereits zu Papier gebracht – mit Bleistift, später wird noch nachkoloriert. Mitte Oktober stehen die Tonaufnahmen im Studio des Medienkulturzentrums an. Den Text hat Hannah Doepke verfasst, eine Bildende Künstlerin aus Dresden, die sich ebenso wie Fiedler für individuelle Lebensgeschichten und zwischenmenschliche Beziehungen interessiert.
Gesellschaftskritik in Zeichentrick
In ihrem filmischen Schaffen setzt sich Luise Fiedler immer wieder mit aktuellen gesellschaftspolitischen Entwicklungen auseinander: in Flächendecken (2017) mit medialen Gewaltbildern, mit dem Leben inmitten kämpferischer Auseinandersetzungen in Krieg im Frieden (2015) oder mit Konsum und Sinnproduktion in Stop Kaufen (2023). Die gebürtige Dresdnerin arbeitet an der Schnittstelle von Animation, Dokumentation und künstlerischem Erzählen.
Sie studierte Illustration und Freie Kunst mit Schwerpunkt Film in Hamburg, ergänzend auch einige Semester Psychologie, und war an zahlreichen Film- und Theaterproduktionen im In- und Ausland beteiligt. Sie arbeitete in Brüssel und Barcelona, war u. a. für das ARTE-Format „Karambolage“ tätig, und lebt heute wieder in ihrer Heimatstadt.
mehr Infos: www.lulu-o.de
Abschlusspräsentation am 31. Oktober
Erste Szenen des Films wird Luise Fiedler am Sonnabend, dem 31. Oktober 2026, um 14 Uhr im Museumskino der Technischen Sammlungen präsentieren. In einem begleitenden Gespräch erzählt die Künstlerin über ihre Arbeit und ihre Herangehensweise. Auch Entwürfe und Originalgrafiken werden zu sehen sein.
Dauer: ca. eine Stunde
Altersempfehlung: ab 12 Jahren



