Puppen im Film – Puppenanimation aus dem DEFA-Studio

Das bisher erfolgreichste Ausstellungsprojekt des Instituts ist Puppen im Film. Die Ausstellung wurde bereits in den Niederlanden, Tschechien, Polen, Österreich, Estland und Frankreich gezeigt. Sie dokumentiert mit einer Auswahl der schönsten Puppenanimationsfiguren aus der DEFA-Geschichte die gestalterischen Fertigkeiten sowie die Vielfalt der künstlerischen Handschriften des ehemaligen Animationsfilmstudios, das von 1955 bis 1990 in Dresden existierte. Elf individuell gestaltete Vitrinen zeigen in Form von minimalistischen Sets Figurengruppen und Requisiten. Gemeinsam finden sich die von der Romantik geprägten Novelle-Figuren aus edlem Meißner Porzellan, die zauberhaft anmutigen Herrscher aus Der fallende Schatten, die derb-komische Kluge Bauerntochter sowie die skurrilen Puppen aus Heinrich der Verhinderte zu einem Stelldichein. Jede Vitrine wird von einer Stellwand mit großformatigen Kunstfotos und knappen Kommentaren der Regisseure umrahmt. Eine weitere Vitrine demonstriert anschaulich die Entstehung einer Animationsfigur vom ersten Entwurf über Gussform und Gestell hin zur Figur. Die ältesten der ausgestellten Figuren sind über fünfzig Jahre alt. Puppen im Film lässt die Animationswelt für Erwachsene und Kinder lebendig werden und bietet einen Blick in die reiche europäische Märchen- und Fabelwelt.

 

Gestaltung

Die Vitrinen mit einer Grundfläche von jeweils 80 x 80 cm zeigen minimalistisch gestaltete Schauplätze, auf denen je zwei oder drei Puppenfiguren und einige Requisiten zu sehen sind. Große Portraitfotos der Figuren, Zitate der Regisseure und Gestalter sowie Filmplakate, die dekorativ auf Stellwände (1 m + 50 cm + 1 m breit, 2 m hoch) aufgezogen sind, geben der Präsentation einen inhaltlichen wie auch optischen Rahmen. Zwei Stellwände informieren über die Geschichte des DEFA-Studios für Trickfilme und stellen das Deutsche Institut für Animationsfilm vor. Ein Beleuchtungssystem hebt jede Vitrine einzeln heraus. Im Inneren des Forums befindet sich ein Aufsteller (80 cm + 2 m + 80 cm breit, 2 m hoch), der einer aufklappbaren Puppenbühne ähnelt und einen großen Monitor beinhaltet, auf dem fortlaufend jene Filme zu sehen sind, in denen die ausgestellten Puppenfiguren agieren. Die gesamte Ausstellungsfläche beträgt ca. 100 bis 150 qm und kann in ihrer Form den jeweiligen räumlichen Gegebenheiten am Ausstellungsort angepasst werden.

 

Informationsblatt (pdf)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vorgestellte Filme

 

Schnaken und Schnurren - Der hohle Zahn

Bauer Kracke beißt sich beim Mittagsmahl auf einen hohlen Zahn. Der rasende Schmerz ist mit keinem Hausmittelchen betäuben. Trotz Widerwillen bleibt nur der Gang zum Zahnarzt, der Kracke rabiat von seiner Zahnruine befreit. Die sehr didaktische Bildgeschichte von Wilhelm Busch wird filmisch mit deftigem Humor umgesetzt, wozu insbesondere die Puppen mit handfester Sinnlichkeit beitragen.

1957, 5 min, Puppen: Gabriele Otto unter Verwendung der Bildvorlagen von Wilhelm Busch, Bauten/Regie: Johannes Hempel

 

 

 

Der Wunderdoktor

Ein Wolf gibt sich als Wunderdoktor aus und lockt leichtgläubige Tier-Patienten in seine Praxis. Die schmackhaftesten von ihnen hortet er als Speisevorrat. Ein Pferd deckt das Treiben des falschen Doktors auf und rettet die Gefangenen mit einer List. Das Kannibalische in der Tierfabel von La Fontaine bekommt im Film auf Grund der liebevoll-naiven Gestaltung einen bemerkenswert komischen Zug.

1958, 14 min, Puppen: Willibald Hofmann, Bauten: Klaus Eberhardt, Regie: Herbert K. Schulz

 

 

 

Des Teufels ruß'ger Gesell

Der Film nach einer Ballade von Franz Fühmann erzählt die Geschichte eines Soldaten, der aus dem Krieg zurückkehrt und als Heizer des Teufels dafür sorgt, dass sein Hauptmann, Marschall und König für ewig in der Hölle schmoren. Ungelenk, kleinköpfig und beinah zweidimensional - die Figurengestaltung überzeichnet hervorragend den Charakter der Kriegstreiber.

1963, 8 min, Puppen: Otto-Gert Müller, Bauten: Klaus Noeske, Regie: Jörg d'Bomba

 

 

 

Heinrich der Verhinderte

1472 ging Herzog Heinrich von Libnitz als Sieger aus einem ritterlichen Trinkwettstreit hervor. Den gesamten Besitz durch die Gurgel gejagt, fasst Heinrich die Eroberung von Polen mit seiner reizenden Prinzessin und einem riesigen Weinkeller ins Auge. Sein Vorhaben endet aber nicht auf dem polnischen Thron, sondern auf einem Misthaufen, da sein Durst größer ist als die Weisheit. Achim Freyer – Gestalter für Theater, Oper, Puppenbühne – gibt in diesem Film eine sehr überzeugende Werkprobe davon, dass er sich mühelos und sehr originell in einem für ihn fremden Metier, dem Puppenfilm, bewegen kann.

1966, 16 min, Puppen/Bauten: Achim Freyer, Regie: Kurt Weiler

 

 

Anton, der Musikant

Wandermusikant Anton kommt in ein fremdes Land. Beigeistert von seiner Musik, musizieren die Bewohner bald selbst. Nur der König bringt auf seinem herrschaftlichen Rieseninstrument keinen Ton zustande. Aus Wut lässt er alle Instrumente einsammeln. Mit List und Witz erobert Anton diese jedoch zurück und am Ende wird der König ein bescheidenes Orchestermitglied. Scheinbar mühelos und perfekt animiert bewegen sich die markanten Drahtfiguren durch ein amüsantes Abenteuer

1968, 23 min, Puppen: Dietrich Nitzsche, Bauten: Herbert Löchner, Regie: Günter Rätz

 

 

Novelle

Beim Ausritt entdecken die Fürstin und der Hofjunker Honorio einen Brand auf dem Marktplatz. Dabei entlaufen den Gauklern ein Tiger und ein Löwe, die ihnen den Lebensunterhalt sichern. Honorio tötet den Tiger, der Löwe kann jedoch durch das wunderbare Flötenspiel eines Knaben gezähmt werden. Die spröde literarische Vorlage von Johann Wolfgang von Goethe wird durch die noble Gestaltung und zarten Porzellanfiguren filmisch greifbar.

1976, 14 min, Puppen: Karl-Georg Hirsch, Horst Tappert, Bauten: Gottfried Reinhardt, Regie: Katja Georgi

 

 

Klein Zaches genannt Zinnober

Klein Zaches, unvermögend und hässlich von Gestalt, erhält von einer mitleidigen Fee die Gabe, die Fähigkeiten talentierter Menschen für sich zu nutzen. So steigt er als Herr Zinnober bis an die Spitze des Staates auf und bringt Unglück und Verzweiflung über das kleine Ländchen. Doch der Student Balthasar und der weise Zauberer Alpanus beenden den Trug zu beenden. Eine kongeniale und gestalterisch meisterhafte Umsetzung des Märchens von E. T. A. Hoffmann. 

1979, 31 min, Puppen: Wadim Kurtschewski, Bauten: Klaus Schollbach, Regie: Ina Rarisch

 

 

Der Koffer

Ein junger, mittelloser Kaufmannssohn landet mit seinem fliegenden Zauberkoffer bei einer schönen Prinzessin. Er gibt sich als Gott aus und wird vom König als Schwiegersohn erwählt. Doch als der göttliche Bräutigam aus den Lüften erscheinen soll, geschieht ein Unglück, der Koffer verbrennt beim festlichen Feuerwerk. Der Kaufmannssohn muss die Wahrheit berichten und findet Verständnis für seine Notlüge. Nach einem Märchen von Hans Christian Andersen.

1983, 32 min, Puppen/Bauten: Martina Großer, Regie: Kurt Weiler

 

 

 

Die kluge Bauerntochter

Ein König heiratet die Tochter eines armen Bauern. Auch als Königin vergisst sie ihre Herkunft nicht und steht einem Bauern bei, der durch ein leichtfertiges Urteil des Königs geschädigt werden soll. Der König verstößt daraufhin seine Frau, allerdings darf sie mitnehmen, was ihr im Schloss das Liebste war. Sie entscheidet sich für ihn. Dem König werden dadurch die Augen geöffnet. Die derb-komische Gestaltung ist die perfekte Umsetzung dieses stets aktuellen Schelmenmärchens der Gebrüder Grimm.

1984, 21 min, Puppen: Irena Schaller, Bauten: Henning Schaller, Regie: Monika Anderson

 

Der fallende Schatten

Ein weiser Alter lehrt einen Jungen die Baukunst. Der Junge entwickelt hervorragende Fähigkeiten und baut die herrlichsten Paläste. Aber etwas in ihm verkümmert. Die Kehrseite des Menschlichen, der Schatten, wächst über ihn hinaus. Eine sehr ästhetisch inszenierte Parabel über die Verführung durch Macht und Reichtum. Eine der besten Koproduktionen des Studios. Nach einer Legende von W. Heiduczek.

1986, Koproduktion mit Sojusmultfilm Moskau, 20 min, Puppen: W. Dudkin, A. Melik-Sarkisjan, Bauten: E. Liwanowa, Regie: Stanislaw Sokolow

 

Das Myrtenfräulein

Der Prinz von Porzellanien, der nur das Spiel mit eitlen Damen in einer kühlen Porzellanwelt kennt, verliebt sich eines Tages in ein Myrtenbäumchen und entdeckt, dass darin ein schönes Mädchen wohnt. Die beiden werden schließlich ein glückliches Paar, und in Porzellanien zieht die grüne Natur ein. Ein romantisches Umweltmärchen, das mit der Noblesse seiner Gestaltung und zurückhaltender Animation seiner biedermeierlichen Vorlage von Clemens Brentano voll gerecht wird.

1989, 22 min, Puppen: Horst Tappert, Bauten: Ulrike Röhricht, Regie: Katja Georgi