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22. Dezember 1942. Gründung der Mars-Film GmbH

„Die Mars-Film ist u.a. eingesetzt, um die bisher mit den Wehrmachtsteilen arbeitenden Unternehmen der deutschen Filmwirtschaft zu überwachen und eine einheitliche Produktion im Interesse der Wehrmacht sicherzustellen. Zu diesem Zweck sind mit folgenden Ringfirmen Generalvertragsbestimmungen abgeschlossen.
Boehner-Film, Dresden
Fischerkösen, Potsdam
Technik-Film Nar & Polley, Berlin
Trickfilm-Atelier Dr. Stier, Prag
Trickfilm-Atelier Schumann, Haynau
Ewald-Film, Berlin
Sigma-Film, Berlin.
In diesen Verträgen haben sich die Ringfirmen u.a. verpflichtet, Bestellungen nur von der Mars-Film entgegenzunehmen, keine Ansprüche zu stellen, wenn ihre Betriebe nicht voll ausgenutzt werden.“ (Neue Revisions-, und Treuhandgesellschaft mbH, Bericht über die Prüfung der Jahresabschlüsse zum 31.5.1943 und 31.5.1944 der Mars-Film GmbH Spandau, Berlin 13.3.1945. In: Bundesarchiv, R 109 I, 2506)

 

„Die Werbefilmer, die nun für die Mars-Film GmbH arbeiteten, besser: arbeiten mußten, setzten ihre langjährigen Erfahrungen mit Tricks aus ihren Werbefilmen ein, insbesondere zeichnerisch und tricktechnisch schematisierende Darstellungen technischer Abläufe (etwa bei Motoren und Antriebsgeräten), ballistischer (Geschosse), kartographischer (Geländevermessungen) und chemischer (Nebelerzeugung) Vorgänge.“ (Günter Agde: Flimmernde Versprechen. Geschichte des deutschen Werbefilms im Kino seit 1897. Berlin 1998, S. 137)

 

Die beteiligten Animationsfilmer bleiben in den militärischen und teilweise geheimen Filmprojekten stets anonym. „Ueber dem Film steht nicht der Name eines Regisseurs, ihn kennen nur die Eingeweihten. Kein Vorspann nennt die Mitarbeiter am Werk. Schlicht und soldatisch einfach sagt der Titel: ‚Das Oberkommando des Heeres zeigt…’“ (Major Martin Steglich: Der militärische Lehrfilm. In. Film-Kurier, Nr. 71, 5.9.1944)

 

Wohl aufgrund seiner Mitwirkung an Produktionen der Mars-Film wird Hans Fischerkoesen nach dem Zweiten Weltkrieg, von 1945 bis Mitte 1948, im ehemaligen KZ Sachsenhausen interniert, das zum NKWD-Speziallager Nr. 7 umfunktioniert worden war.

 


Publikationen
Major Martin Steglich: Der militärische Lehrfilm. In. Film-Kurier, Nr. 71, 5.9.1944


Günter Agde: Sachsenhausen bei Berlin. Speziallager Nr. 7 1945-1950. Berlin 1994


Günter Agde: Flimmernde Versprechen. Geschichte des deutschen Werbefilms im Kino seit 1897. Berlin 1998


André Eckardt: Im Dienst der Werbung. Die Boehner-Film 1926-1967. Berlin 2004

 

 

(Zusammenstellung: Ralf Forster)

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